Vuvuzela

Ein Aufschrei geht durch Fußballland. Und damit ist nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt gemeint. Der Grund sind keine neuen Reglements, die die Abseitsregel aufheben (und, ja, ich als Frau verstehe sie sogar) oder gar zwei Bälle im Spiel erlauben – nein! Es geht um die südafrikanischen Tröten, die in den Stadion dort Fanutensil Nummer eins sind: Vuvuzelas.

Nein, nicht Uweseeeelers. Vuvuzelas  >=========>()

Als dieser Name vor der WM auftauchte und kaum jemand überhaupt wusste, worum es sich handelt, war die Geilheit auf die Dinger groß. Jeder Baumarkt in Deutschland bot die dreiteiligen Tröten zum Selberzusammenbasteln an, für die ganz doofen auch mit Anleitung, wie man die drei Teile zusammensteckt.

Dreiteilig nicht als Intelligenztest für Fußballstadionbesucher, sondern damit die Dinger nicht als Waffe für gewaltbereite Vollpfeifen in Fußballfanverkleidung durchgehen. Die sind auch in Südafrika sicher eher in der Minderheit. Schön. Geschieht ihnen recht. Sollense mal sehen, wie es ist, wenn man als Minderheit auf Ablehnung stößt.

Nun denn. Vuvuzelas. Zurück zum Thema.

Der erste Tag der WM ist noch nicht vorbei, da schreit die Fußballwelt und geht auf die Stadionbarrikaden. Der Grund? Das Gebrumme und Gesumme der Vuvuzelas, die in der Masse wie ein Hummelschwarm auf Speed klingen, sei laut und nervig und übertöne die allheiligen Fangesänge.

Fangesänge. Wie kann man nur diese Kunst der Stadionbeschallung übertönen? Man stelle sich vor, dass die melodiösen „Schlaaaaaaaaand“-Rufe in rauchig-heiserem Grundton und mit alkoholgeschwängertem Timbre durch das Hummelsummeln tausender Vuvuzelas in die Verdammnis getragen werden! Unfassbar.

Diese WM ist dem Untergang geweiht, egal, wer Weltmeister wird: die anderen werden als Ausrede sicher die ablenkenden, hypnotisierenden Dauerbrummtöne der Fans dafür verantwortlich machen. Der 12. Mann wurde schließlich nicht gehört. Und ohne ihn kann das ja nix werden. Demnach müsste ja Südafrika Weltmeister werden, bei dem akkustischen Rückhalt.

Und so liest und hört man auf allen Kanälen mit Kopfschütteln die Berichte über erboste Fans, die mit dem Vuvuzelabrummen und dem leisen Fangesang nicht klar kommen.

Böse, Südafrika, böööse! Was fällt Dir auch ein, Deine Landeskultur als Gastgeber zu leben und erlebbar zu machen? Kannst Du, liebes Südafrika, nicht bittesehr Deine Fan- und Fußballkultur für diese Weltmeisterschaft aufgeben und eine andere Fankultur annehmen? Kannst Du Dich nicht einfach mal verbiegen und verdrehen, um es der Welt recht zu machen, weil die Welt scheinbar nicht in der Lage ist, tolerant und aufgeschlossen gegenüber den Gepflogenheiten Deines Landes zu sein – auch, wenn ihnen dadurch kein Zacken aus der Krone bricht.

Man könnte natürlich auch von den Fans der anderen Länder einfach mal verlangen, dass sie doch bittesehr lauter gröhlen und schreien sollen, damit man sie auch hört. Oder dass die Welt aus Höflichkeit und Respekt vor dem Gastgeberland dessen Fankultur wenn schon nicht annimmt, dann aber bitte toleriert. Aber das wäre viel zu viel verlangt von der Welt. Da ist es doch einfacher, wenn Du, Südafrika, als Gastgeber in Deinem eigenen Land, in Deinen eigenen Stadien, bittesehr alles so machst, wie es in den anderen Stadien dieser Welt ist.

Aber irgendwas brauchen wir scheinbar zu meckern. Sonst könnte man sich ja freuen über diese zauberhaften Gastgeber in diesem bunten Land. Und Toleranz hört eben bei manchen am Gartenzaun auf. Oder eben an der Landesgrenze.

(Herr Ast hat was zum Thema und auch Düne Sieben schreibt mir aus dem Herzen)

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62 Gedanken zu “Vuvuzela

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