Sehr geehrter Herr OB

(Ich schreibe Ihnen jetzt einen offenen Brief, der lediglich meine eigene Meinung darstellt.)

Ich finde, es ehrt Sie nicht, dass Sie scheinbar ihre Hände in Unschuld waschen wollen und Ihren Mitarbeitern gefühlt an die Karre pissen. Ich finde, es ehrt Sie ganz und gar nicht, denn wenn es um positive Verantwortung geht, wäre die Veranstaltung gut verlaufen, dann hätten wahrscheinlich auch Sie sich feiern lassen und alles auf Ihre Kappe genommen – und nicht die Lorbeeren an Ihre Dezernenten weitergegeben.

So scheint das nun mal zu laufen. Wenn es gut läuft, lassen sich „Stadtväter“ und Manager fotografieren, posieren vor der Dorfgemeinschaften oder Belegschaften, Presse und vor Geldgebern und lassen Sprüche darüber los, wie toll doch alles ist und wie super sie das doch gemacht hätten. Wenn es gut läuft. Sonst sind immer die anderen schuld. Wenn es um Schuld geht, drängen die Stadtväter selten nach vorn, um sich fotografieren zu lassen.

Wenn es schief läuft, rollen Köpfe. Gern der  von jemandem, der eh schon gegen den Strom geschwommen ist, der vielleicht sogar den Mund aufmachte oder den Oberen die Stirn boten. Oder ihnen sagte, dass das, was sie vorhaben, gefährlich, gequirlte Scheiße oder unüberlegt ist. Der Kopf desjenigen, der politisch nicht klar auf Kurs fährt.

Für mich ehrt es Sie nicht, dass Sie sich jetzt gerade „verpissen“ und sich nicht den Menschen stellen, von denen Sie sich haben wählen lassen. Aber Amts“verpissung“ ist ja in unserer heutigen Zeit der neueste Sport.

Gleich, ob man Manager oder Konzernchef, Landesvater oder Stadtfurz ist: Hauptsache, die Kohle stimmt beim Abdanken und man muss sich nicht mehr um den Flächenbrand kümmern, den man da entzündet hat. Allein oder mit anderen. So kommt es bei mir an.

In meinem Job, und ich glaube ich kann behaupten, dass es wohl jedem Ottonormalarbeiter/-angestelltem so geht, muss ich den Mist, den ich verzapfe, auch verantworten. Ich habe aber auch den verdammten Anstand, das zu tun. Ich mach nicht den Verpisser und tauche ab, ziehe mich zurück. Sondern stelle mich meiner verdammten Verantwortung.

Und genau das ist es, was ich an Managern und Politikern mehr als vermisse: Verantwortung.

Es geht nicht darum, dass man eine rechtliche Verantwortung übernimmt. Es geht um eine moralische. Man wurdegewählt/eingestellt, um einen Job zu machen. Und wenn dieser Job gerade mal nicht so dolle läuft und die Fototermine nicht nur schön und mit Kaffee und Kuchen sind und Wählerstimmen/Imagegewinn bringen, dann gehört das auch dazu.

Klar, dass die „Großen“ das nicht stört. Wer mit vergoldetem Handschlag verabschiedet wird und für seine Fehler und sein Missmanagement noch die Millionen in den Arsch geblasen bekommt, seine Fehler aber nicht korrigieren muss, wer sich „verdünnisiert“, weil er gerade mal „amtsmüde“ ist (für mich Unwort des Jahres 2010!) oder keinen Bock mehr auf den Job und die Verantwortung hat und dafür noch eine fantastische Rente kassiert, den stört wahrscheinlich gar nichts mehr. Der frisst auch kleine Pudel.

Mit Verlaub, ich verachte Ihr Handeln. Ebenso, wie die anderen, denen ihre eigene Haut wichtiger ist, als das, wofür sie eingestellt oder gewählt wurden. Denen es oft nur darum geht, ihre Kohle zu sichern. Die nicht genug Eier in der Hose haben, um eine Krise zu meistern. Oder wenigstens ohne Bezüge, aber mit Anstand zurückzutreten.

Ich geh jetzt rüber aufs Klo. Kotzen.

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9 Gedanken zu “Sehr geehrter Herr OB

    1. Warum? Weil ich meine Meinung zu Erlebnissen äußere? Meine Ansichten? Das sind keine Tatsachenbehauptungen.
      Ich sag mal so herum: Wer sich ohne Namen angesprochen fühlt, der sollte sich überlegen, warum… ;)

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  1. @ wortteufel

    Nicht das wir uns hier missverstehen.
    Den Zusatz sagt man so bei uns, wenn jemand seine Empörung über irgendetwas ehrlich und frei raus lässt.
    Ich finde den Brief einfach toll. :-)

    Grüßchen
    copudor

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