Bauer bleibt Bauer, auch in P.r.ada

Achtung. Dieser Artikel kann Ironie enthalten. Zarte Gemüter sollten nicht weiterlesen.

… Untertitel: Stil und Benehmen bekommt man nicht gratis zum Geld dazu. Oder auch: Dorffüß‘ und Pariser Schuhe passen nicht zusammen.

Neulich waren wir bei einer Feier in einem Restaurant. Alles in ungezwungener und entspannter Atmosphäre, mit kleinem Festzelt und ausreichend Büffet. Lockere Platzwahl, so dass wir in den Genuss wechselnder Tischnachbarn kamen.

So nett die Gespräche mit einem Ehepaar waren, von dem 50% zufällig in meinen Jobbereich fielen und es damit viel zu erzählen und zu lachen gab, so unangenehm war dann der Anblick, den ein Paar mit Sohn bot, das sich gegenüber hinsetzte und auf die die Überschrift wie die Faust aufs Auge passt.

Ich habe noch gelernt, dass sich das Besteck zum Mund bewegt, nicht der Mund zum Teller. Das schien dieses Trio nicht zu kennen und gab sich die größte Mühe, halb über dem Teller liegend die vollen Gabeln in den Mund zu schaufeln, der nur wenige Zentimeter oberhalb der Essensgrenze verharrte.

Schmatzend und mit vollem Mund besprach man dann sein ach so wichtiges Leben als Unternehmer und ließ alle anderen am Tisch nicht nur am Gespräch, sondern auch am halbverkauten Mundinhalt teilhaben. Das Besteck wurde fest in der Faust verankert als Diskussionswaffe miteingebracht und die Serviette war nur dafür da, seinen Ellbogen weicher zu polstern auf dem harten Tisch.

Frau Landei im italienische Designer mit 1a-Üffes-Täschchen (die sind noch peinlicher als Georg, Gudrun und Lilo-Taschen) und bäuerlichem Laufstil auf Pfennigabsatz (schon mal eine breitbeinige Kuh beim Staksen gesehen?) hing also über dem Teller und schaufelte so unpräsize, dass es ihr entging, dass um ihren überschminkten Mund die Reste der Gänge Platz genommen hatten.

Der WTM fühlte sich kurz an Loriots Nudel erinnert, da diese Essensreste den Rundweg um die Mundöffnung machten.

Ihr gleich machte es der Sohn des Hauses, der auf jeden Fall das Benehmen der Eltern gelernt hat – und die Schnöseligkeit von ihrem Konto. Eine Kombination, die man häufig bei Familien findet, die zu Geld gekommen sind, teure Klamotte kaufen aber nicht einen Cent in einen Benimmkurs investiert haben. Nur weil man einen Be.ntl.ey fährt, ist man noch lange kein guter Autofahrer.

Sohnemann in Poloshirt mit hochgestelltem Kragen hat in seinem Leben wahrscheinlich noch keine zwei Monate gearbeitet, spielt sich aber auf wie Graf Koks auf Exstacy. Kommt unglaublich peinlich für einen, der noch nicht mal trocken hinter den Ohren ist.

Papa Landwurst trug nicht nur eine geschmacklose, aber Hauptsache teure Uhr in Gold, sondern auch die passenden Ringe, Armbänder und die Kette Ton in Ton. Also Gold in Gold. Einzig weiße Schuhe fehlten noch.

Der Duft der Geschmacklosigkeit waberte in Form eines süßen Parfüms über den Tisch, in dem die Familie vor Abflug zuhause wahrscheinlich kollektiv gebadet hat. Begleitet von kleinen Essensresten, die wahlweise auf den Teller oder – je nach Lautstärke – auch mal darüber hinaus flogen.

Nach einer halben Stunde brachten wir uns in Sicherheit. Hatten wir doch Angst, entweder an Gehörverstopfung oder an Erstickung zu sterben.

Leben ist so. Und mit den Großen pissen können halt nicht alle.

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12 Gedanken zu “Bauer bleibt Bauer, auch in P.r.ada

  1. Hut ab Frau Küchenteufel, für die ausführliche Beobachtung!
    Ich hätte früher flüchten wollen.
    Vor Kurzem habe ich auch so eine Esserin gesichtet, allerdings war die nicht verkleidet.

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  2. ahh, wie geil, schorsch, gudrun und lilo taschen, den kannte ich noch nicht, wohl aber die trägerinnen. vorzugsweise mütter, die den ehrgeiz haben, wie die schwestern ihrer dreizehnjährigen töchter auszusehen. nach üffes muss ich ja jetzt nicht mehr fragen….
    ich hatte neulich mal wieder in ddorf gelegenheit, ne menge solcher ra.lp.h la.uren bezwirnten rotznasen rumlümmeln zu sehen. die kriegen den kandis hochkant von hinten reingeschoben und haben ne ausstrahlung, dagegen ist mein spülschwamm n charmebolzen! say hello to the new wirtschaftselite!!!

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  3. Ui, da müsste ich direkt das Tochterkind bitten hier mal ihre Begegnungen mit so einer Familie zu beschreiben:) Aber sie sind dafür sehr nett, von der Sorte harmlos nett und ehrlich. Zuweilen sind sie mir lieber als der Herr Direktor am Golfplatz, der nie das Thema verfehlt, über perfekte Manieren verfügt, großartiges deutsch spricht, den richtigen Wein bestellt, charmant lächelt, sowieso richtig angezogen ist und soviel Dreck am Stecken hat, dass man am liebsten den Staatsanwalt anrufen möchte :D

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