Stille

Hier ist es still geworden. Das liegt nicht daran, dass wir nichts mehr kochen und essen. Teilweise nicht mal daran, dass wir überhaupt keine Zeit haben. Sondern daran, dass die Lust fehlt. Mir fehlen teilweise meine bösen Posts, die mir mehr Spaß machten, als das Kochgeplänkel. Die Würze eben.

Wie ein Schweinefilet ohne Geschmack. Zart, ja, aber langweilig.

Dabei gäbe es so viel zu schreiben, zu würzen. Schaut man in die Bloggosphäre, dann beherrscht das Thema Kinder weite Teile davon. Nicht, weil ich viele Mütterblogs lese, sondern weil viele Blogs, die ich las, zu Mütterblogs wurden. Seitdem beherrschen Stilldemenz und Durchschlaftheater, Milchdrüsenverstopfung und Kindklammerprobleme meinen Feedreader. Und ich hab wenig Zeit, um auf Neublogsuche zu gehen, um Alternativen zu finden, die nicht vollgeschissen sind.

Dann gibt es noch die Blogs, die einfach zugemacht wurden, weil sie mit dem Schicksal oder dem Leser haderten. Nur um dann unter anderem Namen wieder zu eröffnen – nur ohne Kommentare. Konsequent wäre es, wenn diese Schreiber auch woanders nicht kommentieren würden, denn entweder, man hält Kommentare für wichtig oder eben nicht. Wenn nicht, dann brauch man ja auch woanders seinen Senf nicht dazugeben.

Aber: alles top secret und immer noch gehen die Leute auf die Suche nach den Alphabloggern, um die alten Kamellen zu lesen. Nur eben ohne Senf. Ob das so befriedigend ist für die Leser? Schließlich kommentierten die meisten ja doch nur, um sich selbst dort zu verlinken und Klicks zu bekommen. Oder um ihre paar Minuten Aufmerksamkeit zu ernten im Glanze der Tausende-Besucher-Blogs. Warum auch nicht, wenn man sonst mit 20 Besuchern am Tag am Inhalt seines Lebens zweifelt.

Gut, zurück zum Kern: das ganze hier. Er kocht, sie schreibt. Ist ja ein nettes Konzept, dass uns viele neue Verlinkungen in der Foodblogszene (ja, die Konkurrenz zur Mütterbewegung, nur ohne Scheiße, dafür mit einem Meer von Eitelkeiten, in dem die Beteiligten sich selbst suhlen) brachte.

Aber will man das? Möchte man nur gelesen werden von Leuten, die sich ernsthaft über Normalesser aufregen, weil sie es wagen, einen Wein einen „Tischwein“ zu nennen? Die andere Leute verurteilen dafür, dass man aus dem fucking Rotwein die Traube nicht rausschmeckt oder den Jahrgang? Hey, mir schmecken auch Weine für 5 Euro. Dafür habe ich durchaus schon die Nase gerümpft bei Weinen für 100 Euro die Flasche. Aber da bin ich Banause. Ich sag ja auch Tischwein zu einem Essensbegleiter, der in Kannen serviert einfach nur die Kartoffel runterspülen soll.

Bei diesen Leuten, die sich in ihrer eigenen Eitelkeit der Foodsnobberei verwirklichen, muss ich dann immer schmunzeln, wenn sie sich in mein Wissensfeld begeben und dort kluge Reden schwingen. Ich korrigier sie dann nicht. Ich schmunzel nur wissend und denke dann bei mir: Ach, ja. Wärst Du so entspannt in Deinem Wissensgebiet, wie ich in meinem, wir könnten vielleicht mal Freunde werden und voneinander lernen. Aber so lange Du dich als Arroganzknäuel präsentierst, wird das auch nach tausend Hauptgängen nicht passieren.

War noch was, Doc?

Ich glaube, das reicht erstmal. Muss ja nicht gleich das ganze Pulver auf einmal verschießen. Wobei ich schon den ein oder andere Spatzen noch im Visier hätte…

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25 Gedanken zu “Stille

  1. Danke für diese ehrliche Stellungnahme! :)

    Ich erlaube mir dann auch mal, ehrlich zu sein, so als Schreiber eines Blogs, der irgendwo zwischen Berichten über Erlebnisse und geistigem Schwachsinn, also Dummfug pendelt, dem die Anzahl der Leser egal ist und der tatsächlich vor wenigen Jahren einen Blog gelöscht und nun wieder angefangen hat. ;)

    Ganz ehrlich: Dieser Blog hier, ist für mich sterbenslangweilig. Ich esse gern, lasse mir auch gern den Mund wässrig machen und kann auch Weine für 5 Euro genießen, weil es mir nur darauf ankommt, dass er mir schmeckt und nicht was er kostet. Aber würde ich nicht vom alten Blog her Frau „Wortteufel“ kennen, würde ich hier einmal vorbeigeschaut haben und nicht wiederkommen.

    Mir wäre der alte Biss lieber und im Moment bedaure ich, bisher nicht gefragt zu haben, warum Du den aufgegeben hast. ;)

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  2. danke für diesen „teuflischen“ text! das wurde ja auch mal zeit! hat mich an einigen stellen zum schmunzeln und nicken gebracht und ich kann dir recht geben: ich mag auch nicht mehr zum hundertsten mal die gleichen einschlafterrorgeschichten lesen.
    meine blogwelt hat sich stark verkleinert seit meinen anfängen, mein eigener blog ist mir selber ziemlich unbedeutend. einige der blogs, die ich gerne lese, haben in den letzten monaten oder im letzten jahr einen anderen fokus bekommen – aufs kochen oder aufs fotografieren – und mir gefällts! auch hier. ich mag eure kochbeiträge. aber klar: teuflischer kanns immer sein!

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  3. Lieber Lucky Jack, ich sag ja: ein Themenblog ist für Themenbegeisterte. Nicht für die Masse. Leser sind gegangen, andere sind dazu gekommen. Die Menge ist bei regelmäßiger Schreibe tatsächlich konstant geblieben.

    Liebe stadtfrau, ich finde Einschlafterrorgeschichten ja ganz wunderbar. Besonders, wenn man dann die Jahre querliest und feststellt, wie sich das rächt…

    Liebe Frau sevenjobs: Diese Schizophrenie ist aber das, was auch den alten Blog ausmachte. Manche liebten, manche hassten ihn. Manche beides. Je nachdem, worum es gerade ging und ob man zustimmte oder ablehnte. Aber falls es Sie interessiert: auch ich vertrat in dem Blog nicht immer meine reale Meinung, sondern schrieb über Dinge, die kontrovers diskutiert wurden oder die Konfliktpotenzial boten. Leider konnten einige Menschen das auch nicht – trotz mehrfacher Aufklärung – unterscheiden und nahmen alles für bare Münze. Mütter, die ihre Kinder vor mir versteckten gehörten ebenso dazu, wie Leser, die sich seitdem auf mich als Privatperson eingeschossen haben und mich verunglimpfen, obwohl sie sich noch nie mit mir als Privatperson beschäftigt haben. So what. Das war das Risiko.

    Ach, Puppe, an mein Herz.

    Herr „Mitlesender“, anonyme Kommentare lass ich nicht gelten.

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  4. Ich würde sagen: Es ist eine typische Novemberdepression! Aber dagegen sind doch Kräuter gewachsen! Getrocknet erzählen sie uns vom Sommer. Und dann gibt es noch die scharfen Sachen, die uns wieder uns selber spüren lassen. Dazu noch ein bisschen Gift aus deiner Spritze. So kann der Winter kommen!
    Ich kann damit leben, wenn dir mal nicht nach Blog zumute ist. Im Gegenteil: Dann merke ich erst richtig, wie sehr mir dein Geblogger fehlt. Und um so schöner ist es, mal wieder von dir zu lesen. Mach weiter so!

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  5. Mönch Mädel – da heißt der Blog hier „Küchenteufel“ und dann schreibt ein Engelchen? ;-)

    Nein, das wollen wir nicht. Wir wollen Dich mit bissiger Schreibe – genau so wie heute und gerne ein bisschen bissiger. :-)

    Zu den Eitelkeiten der Foodblogger: Ich denke, da gibt’s alle Schattierungen. Für die meisten ist der Blog Abwechslung vom richtigen Leben, eine kleine Flucht, da will man nicht auch noch Stress und kommentiert schnell etwas nichtssagendes, als Notiz, dass man da war und es gefallen hat. Wenn jemand den besten Gaumen hat und den teuersten Wein ins Essen kippt, soll er das meinetwegen auch tun und darüber schreiben – ob wir das nachmachen, ist zum Glück uns überlassen. Ich halte mich zurück, öffentlich darüber zu schreiben, was ich davon halte (bin mit Realname im Internet unterwegs, und passe da etwas auf, jobmäßig und so). Und ja, ich trinke auch Weine für deutlich unter 5 Euro, nur alkoholfreien kriege ich nicht runter.

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  6. Komme hier immer mal wieder vorbei und lese mir den Mund wässrig … und da es Ihr Blog ist dürfen Sie so teuflig sein wie Sie wollen! *meine Meinung*
    Wem es nicht passt …. *und tschüss*
    Und ja, auch ich denke Blogmüdigkeit darf/muss ab und an sein und es hängt sicher auch mit dem Novemberwetter zusammen.
    Da ich, blogmässig, ein ziemlicher Spätzünder bin, bin ich noch immer überrascht was für Blogs ich so finde in den tiefen des www, nicht verzagen es gibt noch immer ‚Muscheln mit Perlen‘!

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  7. :-) Ich lese hier gerne – wobei ich die Bissigkeit und Vielfalt des alten Blogs schon vermisse (ich meine, das bei einem der letzten schärferen Beiträgen auch mal kommentiert zu haben ;-) ) – aber das Leben verändert sich eben – und somit auch Dein/Euer Blog; ja mei – und?!
    Stillstand ist der Tod – und ich bin mir ziemlich sicher, dass irgendwann wieder so viel angestaut ist, dass auch die „WortteufelVeteranen“ wieder auf ihre vollen Kosten kommen.
    Und wenn nicht – dann lernen wir eben alle kochen. ;-)

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  8. Es muß der Kürbis sein, der ist zu süß… als dann, Frau Wortteufel, wenn du Lust auf Schärfe hast, dann gib Pfeffer in die Tinte! Die Mischung macht’s, und da war tatsächlich in letzter Zeit viel leckeres Essen, aber wenig bissiger Kommentar.

    Wie gehts dem Hausbesetzer auf vier Pfoten?

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  9. Ich lese hier, weil ich den alten Blog mochte. Die Rezepte sind schmückendes Beiwerk.

    Dass es soviel Windelblogs gibt, liegt wohl daran, dass die zuhausebleibenden Leute in dieser Phase Zeit haben und nur Babykackewegmachen eben nicht tagesfüllend ist. Viele dieser Blogs versickern ohnedies von selbst, wenn die Kinder älter werden. Ich lese bei einigen gern, weil mich auch diese Themenblogs interessieren, aber zur Abwechslung und Würze braucht´s dann bitteschön was Teuflisches hier. (Ich wünschte mir manchmal mehr „Rabenmütterblogs“, also Eltern, die ihre Ausbildung nicht umsonst gemacht haben wollen und die mit Winzbabys/mehreren Kindern arbeiten und nicht _nur_ Nabelbeschauen, wie es einmal meiner Lebensrealität eher entsprechen wird.)

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  10. Ich habe erst vor ein paar Tagen, den Link zum Wortteufelblog aus den Lesezeichen gelöscht. Neben anderen Blogs, die ich nicht mehr lesen mag. Oder die irgendwann geschützt wurden. Oder gestorben sind.

    Ja, hier könnte es etwas teuflischer zugehen. Und Essen müsste nicht nur das einzige Thema sein. So es nach mir ginge.

    Früher gehörte ich zu denen, die manchmal aus vollem Herzen zustimmen/lachen konnten. Manchmal waren mir die Einträge aber auch zum Brechen. Sorry.

    Und – jetzt wird es sicher gleich unbequem für mich – ich tue mich schwer mit diesen multiplen Persönlichkeiten. Ein Blog ist nicht der Spiegel des kompletten Lebens, Überhöhungen gehören zum Schreiben, aber wenn mir jemand sagt, dass das, was er schreibt, ja eigentlich (unter Umständen) gar nichts mit ihm zu tun hat, dann ist es letzlich auch uninteressant (für mich). Ich hätte kein Problem mit einer erfundenen Geschichte, wenn die einfach skizziert/komprimiert/übertreibt, was einem im Leben so über den Weg läuft. Die dürfte dann vielleicht entsprechend gekennzeichnet sein. Aber im Grunde sehe ich in dem, was ich lese, schon ganz gerne, ein Stück des Schreibenden. Na ja, ich mag auch kein Fantasy…

    So oder so – kein Grund für Kriege. Ich habe diverse Andeutungen gelesen. Damit kann und will ich nichts anfangen. Meinungsverschiedenheiten oder Antipathie bieten keine Berechtigung für echte Zündeleien.

    Da ich selbst nicht blogge, zählt mein Gefasel vielleicht nicht. Leckere Rezepte finde ich auch durchaus nett. Aber so ein bisschen mehr dürfte es sein. Reibereien sind ja auch nicht per se schlecht…

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  11. Pingback: Souffleurlos

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