Früher

Kennt Ihr diese ganzen Social-Media-Portale, die in erster Linie darauf abzielen, dass sich Leute wiedersehen, die sonst nichts im Leben miteinander zu tun haben? Sicher, Ihr kennt sie alle, weil Ihr genauso wie ich der Versuchung nicht widerstehen könnt, nach Euren ehemaligen Stechern, Freunden und Klassenkameraden zu gucken.

Früher, als es nur die allwissende Suchmaschine gab, war das oft ergebnislos. Mittlerweile bieten facebook, stayfriends und wkw die optimalen Bedingungen, da auch der letzte Himbim gerafft hat, wie das mit dem „online“ funktioniert.

Und so melden sich Leute aller Altersklassen an, stellen Bilder von sich beim Saufen, Zeitung austragen oder Hund füttern in ihr Profil und geben bereitwillig Auskunft über religiöse Ansichten und ihre Farmvillevorliebe. Man muss die Leute nicht mal kennen, um zu erfahren, wo sie am Wochenende unterm Tisch oder Gastgeber gelegen haben.

Besonders gerne guckt aber jeder wohl nach den ehemaligen Bekannten und was aus ihnen geworden ist. Der kleine, schüchterne Junge aus der 7b, der immer so viele Pickel und Komplexe hatte überrascht uns mit seinem Bild als austrainierte Schönling im BWL-Studenten-Style (hellblaues Hemd, Jeans, brauner Gürtel, braune Schuhe) und sieht gar nicht so unpassabel aus. Die Klassenschönheit aus der Oberstufe, das wilde Dinge, das auf Parties immer den Ton angab und das cool sein kultivierte, findet sich hingegen als hefeteigartige Hausfrau und Mutti, die bevorzugt bei anderen dämliche Bildchen aus Satzzeichen ins Gästebuch tickert.

Manche haben sich gar nicht verändert (leider) und manche auf eine Art, dass sie ein Namensschild umhaben könnten und keiner würde sie erkennen. Es passt einfach nicht zusammen, wenn man den HipHopper von damals mit dem Schnäuzerträger von heute vergleicht.

Was aber immer wieder eine persönliche Befriedigung ist, sind die Bilder von denen, die einfach nur hässlich geworden sind. Am liebsten hat man das ja, wenn es derjenige oder diejenige ist, die uns damals in der 7. Klasse den Zettel mit dem verschämten „Willst Du mit mir gehen – kreuze an“-Inhalt mit einem fetten Grinsen zurück gaben und sowas sagten, wie „nicht in diesem Leben“. Weil man zu uncool war. Oder zur falschen Clique gehörte.

Hach, das ist doch ein Durchmarsch, wenn diese Leute einen dann bei facebook und Co als Freund anschreiben mit den Worten „Oh, schön Dich wiederzusehen“ und man lächelnd auf „ignorieren“ klickt.

Warum ich die ignoriere? Mal ernsthaft: Es hat einen Grund, warum man jahrelang keinen Kontakt hatte…

Dann so zu tun, als ob man dicke miteinander sei, ist pure Selbstverarsche. Oder ein Zeichen davon, dass man es nötig hat, seinen Status in den Netzwerken von der Anzahl der Kontakte abhängig zu machen: Kennste wen, dann biste wer. Trifft in den meisten Fällen jedoch eher auf das Gegenteil zu.

Warum ich darüber schreibe? Weil ich neulich das Bild einer der Frauen gesehen habe, die damals mal zu den Abi-Einser-Kandidatinnen mit Schickeria-Background gehörten und die es prinzipiell nicht nötig hatten, mit jemandem zu verkehren, der nicht ihrem Stand entsprach.

Heute jobbt sie im Café, versucht ihr uneheliches Kind allein zu erziehen und musste feststellen, was es bedeutet, wenn die Eltern gar nicht so viel Kohle haben, wie sie immer vorgaben: Haus weg, Privatinsolvenz und Ehe kaputt. Die Designertäschchen dann ab ins Pfandhaus.

Heute bin ich dann gut genug, um als Freund herzuhalten? Nein, danke.

Wie dem auch sei. Ein bisschen was zum Beißen sollte es auch heute hier geben. Einfach, weil der WTM es mal wieder für notwendig hält, dass ich seine Kochkünste würdige und ihm als Küchengott huldige. Als Opfer bringe ich mich selbst jeden Abend auf seinem Altar dar ;) Hier dann noch die verbale Version davon:

Wortteufelmann, Du bist ein grenzgenialer Koch. Den Beweis hast Du gestern erbracht, als Du dieses Roastbeef mit Potthucke und Spinatsalat gemacht hast.

Das Roastbeef hierfür anbraten und ruhen lassen. Ganz einfach, ganz klassisch.

Dieses Potthucke ist ein Rezept von DasKochrezept.de und kann durchaus als eine verdammt leckere Beilage bezeichnet werden. Ich würde es noch ein wenig würziger gestalten, so ist es eine leckere Kartoffelvariante.

Dazu ein Spinatsalat mit Orangenfilets und roten Zwiebeln mit einem Orangen-Olivenöl-Dressing nach Augenmaß.

Und für uns nochmal das Potthuckerezept archiviert:

400 Gramm Kartoffeln garen. Speck  und Zwiebeln würfeln. Speck braten, Zwiebelwürfel zufügen und glasig dünsten.

Gegarte Kartoffeln schälen und erkalten lasseb. Dann durch die Kartoffelpresse drücken.

600 Gramm Kartoffeln schälen, waschen und grob reiben. Kartoffelraspel und das Pürree aus den gekochten Kartoffeln mit dem Speck-Zwiebel-Gemisch, 250 ml Sahne und 4 Eiern zu einer Masse verkneten. Würzen (Salz, Pfeffer, Muskat oder worauf man halt Lust hat).

Masse in eine gefettete Kastenform füllen und im vorgeheizten Backofen (200 °C) 50–60 Minuten backen. Auskühlen lassen. In Scheiben schneiden und nochmal anbraten vor dem Servieren. Eignet sich also ganz hervorragend, um es vorzubereiten und bei Bedarf warm zu machen.

Als Alternative wird noch vorgeschlagen, Mettwurststücke in die Masse zu geben vor dem Backen.

Geiles Stöffsche. Und der Spinatsalat ist eh immer fein und gelingt quasi mit allem. Guten Hunger, wünscht der Küchenguru.

 

Advertisements

6 Gedanken zu “Früher

  1. Ja so ist das wohl mit den sozialen Netzwerken, wobei ich immer noch nicht weiß, was an den Netzwerken sozial sein soll.
    Hab mich auch schon aus einigen abgemeldet, weil ich einfach nicht will, das Leute, die sich früher einen Dreck um mich geschert haben und mich auf der Straße nicht mit dem Hintern angucken, plötzlich Interesse dran haben, wies mir und meiner Familie geht, wohin wir in den Urlaub fahren und wie meine neue Frisur wohl aussieht.
    Aber dein Salat und das Fleisch stimmen mich dann doch wieder mild. Könnte mir gefallen.

    Gefällt mir

  2. Ich hasse diese Portale. Genau deswegen. Und ich weigere mich dort anzumelden. Auch wenn mir hier und da was nettes entgeht. Aber irgendwie muss das alles nicht. Wie du so schön sagst, es gibt ja nen Grund warum man sich sonst nicht spricht :)

    Gefällt mir

  3. Ich staunte kürzlich auch nicht schlecht, als ich über stayfriends eine als hochwichtig gekennzeichnete Mail erhielt. Von diesem aufgeblasenen ehemaligen Klassenkameraden, der leider auch noch im Nachbarhaus wohnte. Wenn ihm die Matheklausur zu schwer war, pflegte er stets auf den Tisch zu kotzen und durfte sich selbstredend umgehend absentieren. Der hat mich auch mal bei meinen Eltern verpetzt. Er wurde, man ahnt es, Banker. Wie denn mein Facebook Account laute, er wolle mich gerne als Freund einladen – nach all den Jahren. Also wenn er heute im wahren Leben noch genauso beliebt ist, wie damals, dann war das eine echte Verzweiflungstat. Und wie mein Facebook Account lautet, findet der im Leben nicht raus.

    Gefällt mir

  4. Och, sooo verwerflich finde ich diese Portale gar nicht. Ich hatte dieses Jahr 20jähriges Abitreffen und da es uns in alle Richtugnen verschlagen hat, hatten viele den Kontakt verloren. Über so ein Portal war es relativ einfach, Kontakte herzustellen und möglichst alle zusammen zu trommeln.
    Die Leute, die du beschreibst, hat es wohl in jedem Jahrgang gegeben, genau so oder in abgewandelter Form. Da ich mich in diesen Communities sowieso eher selten herumtreibe, und ohnehin nur wenig von mir preis gebe, bin ich nicht so hart zu den bedauernswerten Menschen und lasse in meiner unendlichen Güte die „Pseudofreundschaft“ zu…wenn es ihnen denn etwas bedeutet ;)

    Gefällt mir

  5. Auch wenn ich gestehen muss, die ein oder andere Schadenfreude die Du beschreibst auch mal erlebt zu haben, seh ich das ganze eher gelassen. Jeder muss selber wissen wieviel er dort von sich Preis gibt und ich habe bisher eher freudig ein paar verlorene Bekannte wiedergefunden, als mich in Konkurrenzdenken der Schulzeit zurückgesetzt zu fühlen. Mal wieder d’accord mit Suse.

    Gefällt mir

  6. „…hefeteigartige Hausfrau und Mutti, die bevorzugt bei anderen dämliche Bildchen aus Satzzeichen ins Gästebuch tickert.“

    Argh! Woher kennst du meine Stief-Cousine? Die Frau ist mein bester Grund, WKW weiträumig zu meiden… den anderen Netzwerken verweige ich mich seit Jahren.
    Und die ganzen Kackbratzen, unter denen man früher in der Schule doch eher zu leiden hatte, die da plötzlich ankommen, hey, schön, dich wiederzufinden, hach, das waren Zeiten damals… Ja klar!
    Also im Grunde sind diese Netzwerke echt einfach nur die Pest. Wenn, ja wenn sie nicht auch eine nette Möglichkeit wären, den losen aber eigentlich doch ganz guten Kontakt zu ein paar netteren Mitmenschen aufrechtzuerhalten.
    (Und über das Onlinegebaren der Stiefcousine lässt es sich hin und wieder mit der Schwester wunderbar ablästern. :D )

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s