Gut, guter, am gutesten

Kennt Ihr Gutmenschen? Diese Menschen, die sich für die richtige Sache einsetzen? Die, die voller Inbrunst mit Ketten rasseln und immer lauter für ihre Sache eintreten? Die Leute, ohne die wir keine Emanzipation hätten, keinen Widerstand gegen Cas.tortrans.porte und keine Umweltpartei? Die, die für uns alle kämpfen gehen im Namen des Guten?

Ja, wir kennen sie alle. Einige von uns bewundern sie für ihre Stärke, ihren Mut und ihr Engagement. Einige von uns belächeln sie, weil sie bei sich denken, dass sie eh nichts ausrichten können mit ihren Protesten. Dass sie sowieso in der Marketingmaschinerie der großen Weltpisser kleingehackt und als Störer diffamiert werden. Egal, ob es um Umwelt oder Weltfrieden geht: es ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Diese Gutmenschen sind wirklich wichtig für unsere Gesellschaft. Haben nur, in meinen Augen, oft einen großen Knacks in ihrer Denke: sie glauben, sie stünden über dem Gesetz, über den guten Sitten, über der Gerechtigkeit, so lange es der guten Sache dient.

Steine werfen? Klar, ist doch für die gute Sache.
Einen Müllhaufen hinterlassen, wenn die Demo vorbei ist? Klar, ist doch für die gute Sache.
Und außerdem soll doch dann der verfi.ckte Staat den Scheiß bezahlen, den er sich ja wohl selbst eingebrockt hat.

Wehe dem, der Kritik übt an denen, die für das Gute einstehen. Die auf der richtigen Seite der Macht sind. Denn die Guten sind unantastbar. Alles, was sie tun, ist gut. Denn es dient dem großen Oberen. Alles, was sie tun, ist vertretbar, denn es dient Höherem. Es sind eben Kollateralschäden. Es ist halt so. Wo gehobelt wird, fallen Späne.

Leider merken viele von ihnen nicht, dass sie damit genauso argumentieren, wie die Menschen, gegen die sie demonstrieren. Und die ihr Handeln ebenso rechtfertigen.

Ja, ich bin für Demonstrationen. Ja, ich bin dafür, dass man sein Missfallen zeigt und danach handelt. Nein, ich bin nicht für Gewalt. Nein, ich bin nicht dafür, dass irgendeine der Seiten über dem Gesetz steht. Aber das ist wohl eine sehr unpopuläre Meinung in heutiger Zeit. Denn man kritisiert nicht nur die, die es „verdienen“, sondern alle. Und das gehört sich nicht.

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14 Gedanken zu “Gut, guter, am gutesten

  1. Danke du sprichst mir wirklich aus dem Herzen. Wenn ich sehe, wie gewaltbereit manche Demonstranten sind, wird mir schlecht. Und die Medien berichten dann darüber und geben den Gewaltbereiten eine Plattform und nicht den eigentlichen Demonstrationen! Ist sehr schade, aber wahrscheinlich unabänderlich!

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  2. Ich finde, man sollte Demonstranten nicht mit Krawalltouristen in einen Topf werfen. Aus 20 Jahren Berlin-Kreuzberg-Erfahrung ist mir sehr bewusst geworden, das in den letzten Jahren die wenigen Steinewerfer am 1. Mai weder politisch engagiert waren, noch aus Berlin kamen. Das sind dumme Menschen, die Bock auf Action haben und denen der Ego-Shooter nicht mehr ausreicht. Ich will das mit nichten entschuldigen, ich glaube einfach, das die wirklichen Demonstranten nichts mit dem Gewaltbereiten Spinnern zu tun haben. Und ich werde leicht allergisch, wenn man das generalisiert. Das bei einer Demonstration auch Dreck anfällt ist völlig normal und daher ist es auch gesetzlich geregelt, das der Staat bei genehmigten angemeldeten Demos für die Aufräumarbeiten gerade steht. Aus dem Grund stritten sich die Loveparade-Veranstalter und das Land Berlin jedes Jahr, weil die Stadt wegen des Mülls die Parade nicht als politische Demonstration anerkennen wollte.

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  3. @Schnick Schnack Schnuck: Gilt das auch für gewaltbereite Demonstranten? Oder sind die hinterher nicht schlauer?

    @artifischl: Ich werfe sie nicht in einen Topf. Das tun sie selber. Und genau das kreide ich an. Darüber hinaus finde ich es nicht in Ordnung, wenn man sich Umweltaktivist nennt und dann überall seinen Müll in Parks rumliegen lässt. Wenn auf dem Hinweg Engagement da war, Flaschen und Transparente mitzubringen, dann sollte es auch für den Rückweg reichen.

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  4. Und bei euch in Deutschland sind die Demonstranten noch wirklich harmlos, verglichen mit dem, was sich hier in Frankreich neulich abgespielt hat…

    was nichts rechtfertigt. Ich bin ganz und gar deiner Ansicht: wer demonstrieren will, soll das tun – aber nicht auf Kosten der anderen, weder durch Müllverteilen noch durch Vandalismus.

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  5. @ wortteufel: Schwer zu sagen, oder kennst du die persönlich?

    Was den Müll angeht, halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass die Polizei nach stundenlanger Räumung von tausenden, friedlichen Sitzblockierern die Leute wieder ans Gleiß ließe, um nochmal kurz feucht durchzuwischen. Kannst du denen aber ja nächstes mal selbst vorschlagen und mit gutem Beispiel und allerbesten Absichten voran gehen, denn eine Form des kreativen Protests wäre das in meinen Augen durchaus. Dagegen kann ja nun wirklich niemand etwas haben, oder doch? Wiesu denn bluß?

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  6. @Schnick Schnack Schnuck:

    Ah, bei Dir geht es also explizit um Castor? Interessant. Bei mir ging es auch um alle anderen Demos. Aber da diese „Diskussion“ genau in die Richtung geht, die ich eben anprangerte, nämlich dass sie nicht möglich ist, weil man „die Guten“ nicht kritisiert, und ich nicht glaube, dass es Dir oder mir um einen Konsens geht, muss ich wohl darauf nicht weiter eingehen.

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  7. @SchnickSchnackSchnuck: Dein Ansatz ist falsch: Umweltschützer und die, die welche sein wollen, werfen ihren Müll erst gar nicht in die Gegend. Dann muß auch keiner nachgehen und den Müll einsammeln.
    Steht übrigens auf fast jedem Autobahnparkplatz mittlerweile: „was du an Müll mitgebracht hast, nimm wieder mit und wirfs nicht in die Landschaft.“

    Wer um der Umwelt willen demonstriert – nein: zu demonstrieren behauptet – und dabei seinen Müll einfach unter sich gehen läßt wie ein Säugling, ist entweder auf dem Reifeniveau des letzteren oder nicht an der Umwelt interessiert. Punkt.

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