Frittata und der Drang zu laufen

Nein, es ist kein EHEC-Artikel, der jetzt hier folgt, weil die Frittata-Zutaten nicht richtig gewaschen waren oder sonst wie konterminiert. Es ist eher ein Cross-over-Artikel mit einem Schwank ins kulinarische und einem ins sportliche. Beziehungsweise meiner Meinung dazu.

Denn zur Zeit scheint wieder das „Ich muss umbedingt was für meinen Körper/meine Figur/mein Wohlbefinden“-Fieber zu grassieren und Menschen dazu zu bewegen, sich dem Laufsport zuzuwenden.

Generell ist das eine feine Sache, denn Sport, besonders Ausdauersport, kräftigt das Herz, die Muskeln und stärkt das Wohlbefinden. Jedenfalls dann, wenn der Muskelkater weg ist. Und damit sind wir auch schon bei einem dieser Symptome, die man wieder vielerorts hört.

Muskelkater. Da kommen Fragen, ob man mit Muskelkater weiterlaufen sollte oder lieber pausieren (bitte pausieren). Da wird erzählt, dass es toll sei, wenn man Muskelkater habe, weil nur dann hätte man was getan (nein, toll ist es nicht, Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers, keine Belohnung).

Horden von Laufanfängern meinen, mit den Billigschuhen vom Discounter könne man mal eben auf Asphalt seine 5 Kilometer abreißen, ohne dass Dämpfung wichtig wäre – fahren aber beim kleinsten Anzeichen eines fehlerhaften Stoßdämpfers beim Auto in die Werkstatt.

Neben dem falschen Schuhwerk, das nicht auf die Bedürfnisse des Läufers abgestimmt wurde (Überpronation? Senkfuss? Schuhgröße?), wird dann fröhlich drauf losgelaufen. Gern von der Haustür aus, durch den Straßendschungel, hopphopp über Hundekacke drüber und drei Mal ummen Block rum.

Dann sieht man Läufer mit Stechschritt, gestreckten Knien und hochrotem Kopf, die in einem für sie viel zu schnellem Tempo losspurten, weil sie ja nur 30 Minuten Zeit haben. Man sieht förmlich, wie ihre Sprunggelenke ächzen und ihre Knie stöhnen, ihre Hüfte rebelliert und die Wirbelsäule jault.

Besonders bei weiblichen Läufern sieht man gern die nach außen schlackernden Unterschenkel, die nach innen eingeknickten Knie. Wer halt immer sitzt, keinen Muskelaufbau betreibt und auch von Dehnung noch nie was gehört hat, der leidet unter gewissen Fehlstellungen. Übrigens auch zu beobachten, wenn man Leute von hinten auf dem Rad beobachtet. Knie nach innen?

Auch sowas, was viele Läufer gern unter den Tisch fallen lassen. Das Dehnen. Da wird nach den abgehetzten 5 Kilometern auf hartem Boden gerade noch schwitzend die Haustür erreicht – und dann alibimäßig der Fuß nach hinten zum Gesäß gehoben, festgehalten für 5 Sekunden und fallen gelassen. Dann die andere Seite. Vielleicht noch bei hochmotivierten eine zweite Dehnung – und fertsch.

Passt schon. Man hat ja „was für sich getan“, um dem wachsenden Rettungsring Einhalt zu gebieten.

Unser Körper ist ein Wahnsinnsding. Er meckert dann oft noch nicht. Er meckert auch länger nicht, denn Laufen ist seine natürliche Bewegung. Laufen gehört zu den Bewegungsabläufen, die er kennt. Leider kennt kaum ein Körper noch die wirklich natürliche Bewegung des Laufens. Highheels, Ballerinas, FlipFlops haben unsere Füße dazu gebracht, die natürliche Bewegung aufzugeben, um die Schuhe mit den Zehen festzukrallen oder durch eine andere verkrampfte Fußhaltung ein natürliches Auftreten, Abrollen, Abstoßen zu verhindern. Glaubt Ihr nicht? Guckst Du hier. Und nicht nur das. Auch das tägliche Sitzen lässt gewisse Muskelgruppen untrainiert, verkürzt, verhärtet, vernachlässigt zurück. Die aber sind wichtig beim Laufen. Stichwort: Hüfte.

Das rächt sich. Nicht umbedingt sofort. Aber irgendwann. Garantiert.

Dann kommen die Verletzungen: Verstauchungen an Füßen und Sprunggelenken, Schmerzen am Schienbein, der Achillessehne, Schwellungen der Knöchel, Entzündungen an den Weichteilen, Knieprobleme, Hüftzwicken, Rückenschmerzen, Schulterschmerzen. Vom Laufen? Ja, durch Fehlhaltung oder falschem Laufstil.

Ja, aber, aber, aber Laufen ist doch gesund?
Ja, wenn man es richtig macht.

Und das ist bei Menschen mit Fehlhaltungen, schlecht ausgepräger Muskulatur oder den üblichen Zivilisationsschäden eben nicht umbedingt der Fall.

Dazu kommen dann diejenigen, die gerade mit dem Laufen beginnen – und direkt auf die Uhr gucken. Huch, ich war aber schnell heute. Nächstes Mal mach ich die 5 Kilometer noch schneller. Vielleicht noch ein schöner Sprint zum Schluss, danach keine Kraft mehr zum Auslaufen.

Und am besten bittesehr jeden Tag. Damit es effektiver ist.

Eine Marathonläuferin hat mir mal gesagt, dass Konditionsaufbau am Anfang wichtiger ist, als Schnelligkeit. Die kann man im Anschluss trainieren. Aber Schnelligkeit ohne Kondition zu trainieren, ist bei Langläufern irgendwie blöd. Sie zum Beispiel ist anfangs sehr langsam gelaufen. Auch mit Gehpausen. Ja, Gehpausen. Es ist keine Schande, sein Lauftraining durch Gehen zu unterbrechen, um Kondition aufzubauen, statt sich zu überanstrengen. Nicht umsonst bieten Lauftreffs Anfängerkurse an, die mit 1 Minute Laufen, 2 Minuten Gehen, 1 Minute Laufen, etc. beginnen. Oder ähnlich.

Bei jedem Sport sind Pausen ebenso wichtig, wie das Training selbst. Eigentlich gehören Pausen zum Training dazu, um der Muskulatur die Chance zu geben, sich an die geänderte, intensivere und ungewohnte Mehrbelastung zu gewöhnen. Und um zu regenerieren.

Muskelkater. Nein, Muskelkater ist keine Belohnung für tolles Training. Muskelkater ist, nach heutigen Erkenntnissen, eine Miniverletzung des Muskels. Diese sollte ausheilen. Also mal einen Tag Pause machen. Tut gut. Wirklich.

So, ich könnte mich zu dem Thema tagelang auslassen, weil es mir zur Zeit auch täglich begegnet. Niemand würde Stabhochsprung anfangen, ohne sich über die Technik und das Equipment zu informieren. Beim Laufen ist das anders.

Ich empfehle für alle die, die wirklich am Laufen als Sport interessiert sind, ein Buch: „Die Laufbibel“ – Das Basiswerk für gesundes Laufen. Oder ein Buch aus der Reihe.

Kommen wir zum erfreulichen Teil des Posts und zu dem Teil, auf den die kochaffinen Leser wohl schon gewartet haben: die Frittata. Oder auch zu dem Teil des Artikels, der auch für die Körperformung einsetzbar ist. In anderer Hinsicht zwar, aber immerhin. Wobei ich auch hier gern nochmal auf die richtige Ernährung bei sportlichen Aktivitäten hinweisen möchte: Nur Salat ist scheiße. Gibt nämlich nicht die richtige Energie, wenn man Laufen möchte. Da braucht es schon Kohlenhydrate im richtigen Moment… Aber über den richtigen Moment kann man ja auch wieder hunderte von Zeilen schreiben.

Ok, zurück zum Essen:

Generell ist ja eine Frittata eine gute Möglichkeit, um Reste zu verwerten. Kalt oder warm gegessen ist sie immer lecker. Naja, fast immer. Aber vor allem ist sie einfach zu machen.

Der Feinschmecker hat in seiner Juniausgabe eine Frittata von grünem Spargel mit Paprika, Chorizo und Minzsoße im Angebot, das der Mann auch schnell mal umgesetzt hat.

Das Prinzip ist einfach: Gemüse putzen (bzw. Schälen der Paprika), Chorizo würfeln und alles in einer feuerfesten Pfanne anbraten – bitte je nachdem, wie lang so ein Gemüse braucht.

80 ml Sahne steif schlagen. 6 Eier mit  einem EL Mehl, Salz und Pfeffer verquirlen, dann die Sahne unterheben.

Die Eimasse in die Gemüsepfanne (bitte vom Herd nehmen) geben und ordentlich geriebenen Manchego-Käse oben drüber. Bei 180 °C im Ofen goldbraun backen. Mmmmh, leckere Käsekruste.

Die Soße war eben der Klassiker: Joghurt mit gehackter Minze und Limettensaft und -schale von einer Frucht verrühren und mit Salz abschmecken.

Einfach, schnell, gut – und eigentlich kann man nichts falsch machen.

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8 Gedanken zu “Frittata und der Drang zu laufen

  1. danke danke danke. ich hatte mich bei fb schon gar nicht mehr getraut zu kommentieren, weil ich auch nicht die ganze zeit kritisieren und mosern wollte:) diesen artikel unterschreibe ich als läuferin mit prothese und dennoch null problemen sofort – mit laufen nimmt man zwar am besten ab, man verletzt sich aber auch dauerhaft am schnellsten.

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    1. Oh, ja. Wie wahr.
      Ich denke da nur sehr ungern an meine Jahreszwangspause zurück dank dem Schienbeinkantensyndrom, inklusive Physiotherapie und Massagen. Und jetzt bedeutet das für mich komplettes Umlernen des Laufens. Und das alles, weil ich die Zehenspitzen zu sehr Richtung Schienbein ziehe ab einer gewissen Laufgeschwindigkeit. Und den Ischias zu wenig gedehnt habe. Vereinfacht gesagt.

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  2. Dazu kommt noch, dass einem von diesen dämlichen Motivationstrainern immer gesagt wird, jeder könne einen Marathon laufen. Wenn ich dann sage, es müsse im Umkehrschluss auch jeder Kugelstoßen (oder wie im Text Stabhochsprung) können, heißt es immer: „Nein, das ist zu speziell“. Dabei hat einfach nicht jeder die gleichen körperlichen Voraussetzungen – und bei uns, die meistens eine sitzende Tätigkeit ausüben, ist eben auch Laufen keine natürliche Sache mehr.
    Wenn ich 4 Wochen mal nicht laufen kann, fange ich bei Null wieder an, beim Krafttraining kann ich nach 4 Wochen fast wieder genau da weitermachen, wo ich aufgehört habe, das glaubt einem auch nie einer. ;-) Mein Vorteil ist aber, dass ich immer nur so wenig und so kurz laufen kann, dass ich keine Gelegenheit für Überlastungsverletzungen kriege. :-)
    Was ich damit sagen will: Danke für den Text!

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    1. Kirsten, hast Du nicht auch mal was zu dem Thema „Laufen“ geschrieben? Was in der Hinsicht, dass eben nicht jeder Läufer ist und manche eben langsam und mühsam fortkommen, statt Rundenbestzeiten hinzulegen?

      Und Motivationstrainer sind eh was für die, die auch sonst keine Ahnung haben, wie und mit was man sich beschäftigen kann. Hirnfaule Arschkrampen eben.

      (Und tatsächlich überlegte ich erst, das Beispiel Kugelstoßen zu nehmen. Eben wegen Dir.)

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  3. ich glaub‘ ich zeichne und male lieber, als diese anatomischen fehlstellungen beim radeln und laufen meinen beheben zu müssen *lach* die frittata ist jedenfalls gut *glaubichmal* ansonsten denk ich drüber nach, wie’s euch wohl so geht als alte *ähfrühere* fastnachbarn und mach mir so meine gedanken und sorgen um euch im doofen dörfli, wo ihr doch jetztin die fastgrosse stadt umgezogen seid :-)

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