Fitnesser

Wir gehen ja seit Jahren in diverse Fitnessstudios, deren Aufmachung und Glaubensgrundsätze (muharharhar) sich unterscheiden, die jedoch auch einiges gemeinsam haben. So treiben sich in allen Fitnessstudios dieser Breitengrade ähnliche Typen rum. Man kann sozusagen schon beim ersten Blick sagen, welcher Fitnesstyp einer ist. Hier mal ein paar Beispiele. Würde mich interessieren, wer die noch kennt.

Der Hektiker
„Time is money“ brüllt er der Thekenkraft zu, während er über das Drehkreuz hüpft, die dort aufgebaut ist, damit man sich mit seiner Karte eincheckt. Nicht, damit man drüberspringt. Doch während die Thekenkraft noch den Mund öffnet, um zu antworten, ist der Hektiker schon längst auf der Trainingsfläche. Umgezogen ist er schon, die Tasche lässt er einfach am Eingang fallen. Der Hektiker trainiert nach dem Min-Max-Prinzip: Minimaler Zeitaufwand, maximaler Muskelaufbau. Also stemmt er die höchste Gewichtsstufe genau ein Mal. Dann springt er zu seinem Block, auf dem er sein Trainingsergebnis abhakt, und springt zum nächsten Gerät. Der Hektiker macht nur zwei Wochen im Jahr Urlaub, den Rest arbeitet er 28 Stunden am Tag und hängt dann noch eine optimierte Trainingseinheit im Fitnessstudio dran. Der Hektiker könnte nie an einem Rückenkurs teilnehmen, weil der 60 Minuten dauert. In der Zeit kann er vier Trainingsrunden an allen Geräten absolvieren, inklusive zwei Saunagänge, duschen und eincremen. Das Gute am Hektiker? Er ist genauso schnell wieder weg, wie er kam. Wuuusch.

Der Body Builder
Jedenfalls nannte man das früher so. Heute sind das wahrscheinlich Muscle Former oder Bretthartbäuche. Kommt so ein ein Trizepsturner ins Studio, lässt er höchstens den Blick schweifen, um zu schauen, ob er auch in allen Spiegeln vorteilhaft aussieht. Oder um die Gymnastikmaus im Flashdance-Gedächtnisfummel abzuchecken. Meist hat er aber bis Ende seiner Trainingseinheit vergessen, dass er sie auf einen Proteinshake einladen wollte. Denn der Hantelharry trainiert eben Muskel-, nicht Hirnleistung. Wie dem auch sei: diese Spezies kennt Kalorien und Eiweißgehalt von Lebensmitteln, dass jede Pro-Ana vor Neid kotzen geht. Er hält strikt seinen Plan ein, schaufelt immer mehr Gewichte auf die Stange und pumpt dann im Schnelldurchlauf, um danach vor dem Spiegel zu posen. Er kennt jeden Muskel des Körpers mit Vor- und lateinischem Namen und weiß eh mehr als der Trainer.

Der Jüngling
Er hat festgestellt, dass ein geölter Körper die pubertären Mädchen seufzen lässt – sofern er nicht aknegeschüttelt, bleich und hager ist. Also trainiert er seitdem mit seinem Kumpel seinen Waschbrettbauch. Der Sommer ist sein Freund, denn nur dann kann er mit nacktem Oberkörper rumlaufen, ohne angezeigt zu werden oder für eine schlechte Ghettokidimitation gehalten zu werden. Obwohl… Ach, nun ja. Vielleicht will er das ja auch und läuft in seinem Alltag mit Jogginghose, Lederjacke und Kapuzenpulli rum. Dieses Trainingswunder im Alter von 16 bis 24 Jahre traut sich selten den Mund aufzumachen, blickt voller Ehrfurcht auf den Trainer und hat Angst davor, mit dem Body Builder allein in der Dusche zu sein. Dafür hat er sich schon den breitbeinigen Gang der Spinner abgeguckt, ohne zu wissen, dass die so gehen, weil ihnen die Klöten brennen.

Der Spinner
Mit Fahrrädern auf der Stelle fahren zu überlauter Musik, dabei angeschrien werden von einem, der vorne in die andere Richtung auf der Stelle fährt – Spinning ist was für diejenigen, die sich wahrscheinlich außerhalb des Studios mit dem Rad verfahren würden. Spinner haben den Körperbau einer Kampfameise: dünne Glieder, sehnig und ein Kopf, der im Verhältnis zu groß wirkt. Im besten Fall muskulös, meist aber vor allem ()-beinig und verhärmt. Pedalenplackerer sehen immer verbissen aus und man hat den Eindruck, sie könnten auch als Vorlage für die Muskelmänner in Anatomiebüchern Modell gestanden haben. Würde man einen Spinner auf ein echtes Rad setzen, würde er wahrscheinlich so lange geradeaus fahren, bis er die Welt umradelt hätte. Einfach, weil er nicht weiß, wo die Bremse ist. Oder auf den Drillinstructor wartet, der ihm jetzt sagt, dass er aufhören soll.

Die Groupies
Groupies erkennt man ganz leicht: sie sind immer in der Nähe eines gut gebauten Trainers und giggeln, wenn er sie anspricht, um ihre kolossale Fehlhalten am Gerät zu korrigieren. Groupies sind immer sehr trendy gekleidet, immer geschminkt und top-frisiert. Sie würden niemals schwitzen, es sei denn, der Trainer sagt, das sei sexy. Sie nehmen an allem Kursen teil, wenn der Trainer „sooo süüüß“ ist und hängen nach dem Training noch stundenlang an der Bar rum, nübbeln an einem Strohhalm und warten auf das Opfer ihrer Begierde.

Der Midlifecriser
Testosteron ist ein Weichmacher gegen diese Typen. Jedenfalls denken sie selbst das. Der Wohlstandsbauch, den sie sich in jahrelanger Arbeit bei Stammtischen und auf der Couch angesoffen haben, muss weg, weil es für den Porsche als Egoaufbauhilfe nicht reicht. Langsam dämmert es ihnen, dass ihre Sekretärin vielleicht nicht mit ihnen flirtet, weil sie alt und sackig sind und meinen, das mit Krafttraining ändern zu können. Also rennen sie täglich ins Studio, um alle Geräte zu nutzen, die dort rumstehen. Alle. Ausnahmslos. Da bleibt dann wenig Zeit für saubere Bewegungen oder Kraft-Ausdauer. Nein. Jedes Gerät wird bestiegen, als ob es die Stute von Bauer Jupp wäre und die Gewichte prinzipiell zwei Stufen höher gestellt, als vom Trainer empfohlen. Dann stöhnen und keuchen sie vor Anstrengung, das Gesicht wird rot, die Adern treten hervor und die anderen nehmen Abstand aus Angst, der Midlifecriser könnte platzen. Am Ende der vier Wiederholungen kommt das nächste Gerät dran. Nach einer Stunde verlässt das Männlichkeitswunder die Arena mit hochgepushtem Selbstwertgefühl, um die Sauna zu entern und zu testen, wie die Schneggen auf ihn reagieren. Aus Frust, weil keine auf seine Flirtversuche reagiert hat, kippt er an der Theke drei große Pils und zieht ab nach Hause. Seine Sekretärin übrigens kommt derweil ins Studio, kichert als sie den Trainer sieht und zieht erstmal ihren Lippenstift nach.

Die Hüftspecker
Die Hose zwickt und bauchfrei tragen die Hüftspecker eher unfreiwillig, weil die Klamotten immer hochrutschen wegen des Bauches. Hüftspecker sind die Genießer des Studios: ein Äpfelchen hier, ein Mineraldrink dort und nach Trainingsende ein Café Latte mit Extraschaum zur Belohnung für die Plackerei. Diese Bestweighter sind im Studio, weil sie mal „dringend was gegen das Hüftgold“ machen müssen, ohne auf den Genuss zu verzichten. Eigentlich möchten sie so weitermachen, wie bisher. Mit einem Tortenstück zum Kaffee und Kartoffelauflauf am Abend. Diäten kennen sie vom „mal drüber lesen“ und das einzige, was sie mal versucht haben, war LowCarb. Aber auch nur, weil es da so leckeres Steak zum Abendessen geben kann. Ein wenig neidisch schauen sie auf die Groupies, beißen dann aber lieber in das mitgebrachte Brötchen und träumen von Größe 44. Ihr Trainingsplan ist von Anbeginn gleich. Keine Steigerung der Gewichte oder Erhöhung der Wiederholungen. Nenee, nur keinen Stress. Abnehmen mit Gefühl und ein neues Körpergefühl mit Schokolade. Soll ja helfen.

Der Trainer
Lässig schiebt er seinen Nullfettkörper über die Trainingsfläche und läuft gazellig von Hüftspecker zu Groupie und zurück, um vor allem eins zu machen: ein schlechtes Gewissen. Ist der Trainer im Anmarsch, überkommt einen dieses Gefühl des Unperfekten. Die Muskeln sehen noch undefinierter aus, man glaubt, der Trainer sähe einem die Erdnüsse und den Wein vom Vorabend am Bauchumfang an. Tut er wahrscheinlich auch, denn mit säuselnder Stimme haut er einem ein „Na, gestern wieder ein bisschen über die Stränge geschlagen? Dann heute mal mehr trainieren!“ um die Ohren und schwebt weiter. Trainer sind pure Kraft. Trainer sind das, was man ausgeformt nennt. Hätte Gott ein Förmchen für den Menschen gebraucht, er hätte einen Gipsabdruck von einem Trainer nehmen müssen. Trainer schaffen es, auch im vierten Kurs nacheinander entspannt Anweisungen zu geben und die Übungen vorzuführen, während die Teilnehmer der Kurse nur noch röcheln und überlegen, wie sie am nächsten Morgen mit dem Muskelkater überhaupt aufstehen sollen. Trainer faseln derweil über negative Energiebilanzen, Abduktoren und „von nichts kommt nichts“ und versprühen dabei die Aura der Erleuchtung. Sportlich gesehen. „Komm, fünf Kilo mehr schaffste“ ist dabei einer der Lieblingssprüche, während ich nicht mal mehr die Maus am Rechner bedienen kann nach der letzten Einheit.

Die Flirtversuche der Groupies übrigens, die übersieht der Trainer. Völlig. Nach Feierabend ist er nämlich mit dem dicken Inder verabredet, der immer den Aufguss in der Sauna macht. Der kann nämlich Bauchtanz.

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7 Gedanken zu “Fitnesser

  1. Dem ist eigentlich nix hinzuzufügen hihi

    Ich kenn noch den

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    Er kommt, geht Kaffeetrinken und schwatzt mit den Leuten, die er kennt, zieht sich um und braucht dafür eine Stunde, weil er ja so viele Leute kennt und mit allen schwatzen muss. Dann erst mal einen Kaffee und mit den Leuten schwatzen, die er kennt. Dann auf zu den Geräten, vorzugsweise zu denen, die belegt sind, denn da kann man schwatzen, mit den Leuten, die man kennt. Zu den Kursen erscheint er meistens zu spät (bei den ganzen Leuten, die man kennt….). Unterbricht dann schon mal den Kurs kurzzeitig, weil er die 20 Teilnehmer begrüßen muss, die er alle kennt. In Trinkpausen kann man auch noch das ein oder andere Schwätzchen einlegen. Die Dusche eignet sich nach dem Training besonders prima, um zu schwatzen mit den Leuten, die man kennt, die Sauna auch…. Zum guten Schluss wird dann auch noch mal an der Kaffeebar geschaut, ob da nicht vielleicht jemand sitzt, den man kennt……

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  2. Bei uns gibt’s noch den Spanner:
    Er lungert an den Geräten rum, die einen freien Blick auf die Geräte bieten, an denen sich junge bis mittelalte weibliche Knackärsche die Form erhalten. Ab und zu lüpft er ein Gewicht, das er auf die leichteste Stufe gestellt hat, zieht dabei allerdings Grimassen, als würde er Weltmeisterliches stemmen. Bei den Trainingsräder nimmt er die hintere Reihe wegen des Blickes auf die Hintern der vorderen Reihe. Beliebt auch der Milon Kraft-Ausdauer-Ring, der den Blick auf ein Fenster bietet, vor dem die Beingrätsche steht und sich darin spiegelt. Der Spanner ist der Erste der kommt und der Letzte der geht. Tagein, tagaus. Und doch ändert sich seine Figur kein bisschen. Nur die Traininghose spannt etwas.

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