Kein Verständnis

(Dieser Artikel stellt nur meine Auffassung der Dinge dar.)

Mir kommt es vor, als ob überall die Krankenversicherungen rumjammern, wie schlecht es ihnen ginge. Da scheinen Masterpläne geschmiedet zu werden, wie man den Versicherten noch mehr Kohle aus den Taschen ziehen kann. Leistungen werden eingespart, immer weniger übernommen bei steigenden Beiträgen.

Zahnersatz? Gibt es 60% erstattet. Aber nur ab dem 5. Beitragsjahr. Davor werden Rechnungen zum Beispiel nur bis zu 1200 Euro anerkannt – und davon dann 60% übernommen. Na, man kann ja eine Zahnzusatzversicherung abschließen. Die kostet aber, wenn man zufällig mal zwei Lücken hat, gleich einiges an Geld extra. Man kann aber auch den Tarif wechseln und vielleicht 200 Euro monatlich mehr bezahlen. Dann hat man vielleicht das Glück, eine Lesebrille alle 2 Jahre bezuschusst zu bekommen und 75% des Zahnersatzes. Und ein 2-Bett-Zimmer, sollte es mal nötig sein. Läuft der Versicherte eben ohne Zähne durchs Leben oder nimmt einen Kleinkredit auf, um sehen zu können.

Jetzt gehöre ich zu den Versicherten, die einen „Hausarzttarif“ gewählt haben. Ich fand, dass das eine gute Sache ist: bevor man selbst zum Facharzt rennt, geht man wegen allem erstmal zum Hausarzt, den man vorher bei der Krankenkasse benannt hat. Dieser schaut, was er selbst machen kann und überweist dann notfalls weiter zum Facharzt.

Geht man diesen Weg, übernimmt die Kasse 100% der Facharztrechnung. Ginge man direkt zum Facharzt, werden nur 75% übernommen, den Rest trägt – na, wer errät es? – der Versicherte.

Also bin ich brav zum Hausarzt gegangen wegen meiner Knieschmerzen. Die Ärztin sagt mir, dass sie nicht feststellen kann, was damit los sei und gibt mir eine Überweisung zum Orthopäden mit.

Ich gehe zum Orthopäden, werde direkt noch ins MRT gesteckt und bekomme postwendend die Rechnung. Diese reiche ich ein, zusammen mit der Überweisung vom Hausarzt – und bekomme 75% erstattet.

Auf meinen Anruf hin wird mir mitgeteilt, dass eine Überweisung zur Kostenübernahme von 100% nicht ausreichend wäre. Man bräuchte, Achtung, eine Rechnung vom Hausarzt. Sonst könne es ja sein, dass mir eine Helferin die Überweisung mitgegeben hätte.

Da stellen sich mir folgende Fragen:

  1. Ist das kostensenkend, wenn man zusätzlich zur Facharztrechnung noch eine Hausarztrechnung einreicht, obwohl der Hausarzt diese nicht stellen wollte, weil er ja nichts gemacht hat außer eine Überweisung auszuhändigen?
  2. Unterstellt die Versicherung damit nicht, dass der Arzt freimütig Blancoüberweisungen unterschreibt (denn die Überweisungen werden unterschrieben vom Hausarzt), die dann ohne Nachfrage von Praxishelferinnen generös verteilt werden? Sprich: unterstellt die Versicherung da nicht Betrug?
  3. Arztrechnungen können, so weit ich weiß, bis zu zwei Jahre nach Leistung noch gestellt werden. Muss ich als Versicherter dann ernsthaft der Versicherung quasi ein zinsloses Darlehen geben über die fehlenden 25% Leistung, falls die Rechnung verspätet kommt? (Neulich passiert: da kam eine Arztrechnung zwei Jahre später.)
  4. Ist ein Hausarzt also dazu verpflichtet, sinnlose Rechnungen, die für ihn Verwaltungsaufwand und -kosten verursachen und sich daher nicht rechnen, auszustellen, nur damit die Versicherung noch eine Rechnung zur Bearbeitung und Begleichung hat?

Das ist doch absurd. Denn überlegen wir mal weiter: ich rufe beim Hausarzt an mit akuten Knieschmerzen, kenne die Ursache bereits und benötige eine Überweisung zum Orthopäden. Die Rechnung vom Hausarzt müsste dann um die 12 Euro betragen für Beratung. Der Aufwand ist so groß, dass der Hausarzt drauf legt. Was ist also die Folge? Ärzte stellen nicht mehr unbürokratisch und rechnungslos Überweisungen aus, wenn sie es für nötig halten, sondern bitten den Versicherten nochmal zur Untersuchung, auch wenn das sinnlos ist. So werden die Kosten künstlich hochgetrieben, um den Verwaltungsaufwand aufzufangen und es werden aus 12 Euro vielleicht 84 Euro.

Und das, liebe Versicherung, nennt ihr kostensenkendes Handeln? Ihr solltet mal Euer eigenes System überdenken und überlegen, wie ihr INTERN Kosten einsparen könnt, statt so einen Unfug zu treiben.

Bei unserem Gesundheitssystem bekommt man immer mehr Angst davor, krank zu werden.

(Ich warte zur Zeit übrigens circa 6 Wochen auf die Begleichung der eingereichten Rechnungen, liebe Versicherung. Effizientes Arbeiten geht anders! Und diesen Schlurr lasst ihr euch auch noch teuer bezahlen. Schämt Euch!)

 

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6 Gedanken zu “Kein Verständnis

  1. Gesundheitssystem?! Krankenversicherung?! Da schwillt mir sofort der Kamm! Tagelang könnt ich schwadronieren, mit knallrotem Kopp! Eigene Erfahrungen und die meiner Liebsten, die ein Altenheim leitet. Es ist unglaublich, was hier für Patienten- und somit Volksvermögen vernichtet wird. Von dem bürokratischen Monster gar nicht zu reden! Aber wer ist noch in der Lage, dieses Chaos zu entwirren? Alles zurück auf Null?
    Andere Länder (vor allem in Skandinavien) machen vor, dass es auch anders geht. Also – falls ich doch noch mal auswandere (und viel fehlt nicht mehr): gen Norden!

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  2. Ich würd‘ gerne mit draufschlagen – auf die Monster-Krankenversicherungs-Schei…! Ist einfach nur noch ätzend. Man ist mittlerweile gezwungen, um eine Erstattung zu erhalten, teure Medikamente, die man jahrelang nehmen musste, weiterhin rezeptieren zu lassen, weil die private Krankenversicherung die mittlerweile effektiv helfenden alternativen Mittel nicht akzeptiert. Bekloppt. Also sucht man sich die Apotheke seines Vertrauens und reicht das Rezept (s.o.) ein, nimmt aber das alternative Produkt mit. Manche wollen beschis… werden. Ich sehe jedenfalls nicht ein, dass ich das Mittel, das mir hilft – ohne Nebenwirkungen – auch noch selber zahlen soll, wo die monatlichen Kosten für die Versicherung eh‘ so irre sind. Ich glaub ich wander auch aus – aber gen Süden!

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  3. Zu Versicherungen: Egal ob Kranken- oder sonstirgendeineVersicherung: JEDE Verzögerung und/oder Leistungsverweigerung ist für die bares Geld. Eine Leistungssenkung oder Nichtanerkennung wird automatisch generiert. Die Antwort auf Deine Beschwerde auch. Ich kann mir vorstelln, das 50% der „Kunden“ danach bereits das Handtuch werfen.
    Die Versicherung unterstellt dem Arzt garnix. Die Versicherung praktiziert nur Hinhaltetaktik.
    Und da die Ärzte wissen, daß das so ist, dichten Sie Dir lauter „wichtige“ Untersuchungen an, sobald Du auch nur einmal in einem System gelandet bist (wir reden hier die ganze zeit von privaten Versicherungen, oder ???) wo der Versicherer die Zahlungen zähneknirschend akzeptieren muss !
    Als ich wegen meiner Herzgeschichte mehrere Wochen und viele Nachuntersuchungen im Krankenhaus verbrachte, begann ich viel zu spät, Unteruchungen, scans u.s.w. in Frage zu stellen. Aber meine Versicherung war natürlich begeistert, als ich das dann tat. Das macht nämlich fast keiner. Ich glaube , 99% der Patienten sehen Ärzte immernoch als Halbgötter in Weiss – was die vorschlagen, wird gemacht.
    Du hast mich inspiriert, einen Artikel zu dem Thema zu schreiben. Eigentlich habe ich das Teilweise schon getan. Mein Artikel „Zustände im Herzzentrum Leipzig“ hat die zweitmeisten Zugriffe auf meinem Blog. Nur getoppt davon, wie man wirklich dünnen Flammkuchenteig produziert.
    Abschließend zusammengefasst: Hinhalten = Profit…

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  4. Wenn ich mich so umhöre, gibt es immer noch Leute die denken Privatversicherte leben im absoluten Luxus. Das dies auch durchaus teuer bezahlt ist, weiß keiner.

    Ein Bekannter bekam einmal die Rechnung nach einer (gottseidank nur!!!) ambulanten Chemotherapie. Die war nicht sehr gut für die Genesung. Ich nehme an, dass da auch diese 75% Regel galt.

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  5. Natürlich sind Versicherungen Weltmeister der Hinhaltetaktik. Ich wette, es gibt interne Berechnungen, welcher Ertrag dadurch zusätzlich zu erzielen ist.

    Bei Krankenversicherungen aber ist diese Methode mehr als fies, denn der eine Vertragspartner ist krank und daher mehr oder weniger geschwächt. Ich kenne etliche Fälle, bei denen Leistungen schon gleich vorweg selbst bezahlt werden, weil der Patient keine Kraft (mehr) für den Papierkrieg hat.

    Dass Privatversicherte im Luxus leben, stimmt definitiv nur sehr begrenzt (es ist nun einmal Fakt, dass viele Fachärzte – auch die Lungenärzte hier zum Beispiel – Termine offen unterschiedlich vergeben). Für mich überwiegen die Nachteile, das Warten auf die Erstattung, die Unsicherheit bezüglich der Kostenübernahme und so weiter.

    Nach wie vor aber haben viele, die keine Wechselmöglichkeit haben, nur im Hinterkopf, dass Privatversicherte gut verdienen, somit nicht jammern dürfen. Wobei gerne übersehen wird, dass es bei der PKV keine beitragsfreie Familienversicherung gibt, sondern für jedes Familienmitglied bezahlt werden muss, keine Haushaltshilfe bei Krankheit, keine Rückkehrmöglichkeit, und dass Selbständige noch dazu ein ganz anderes wirtschaftliches Risiko tragen.

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  6. Ach, Schiel…
    HIER im Süden ist auch nix besser, nur anders.
    und auf der anderen Seite vom großen Badesee, den die Römer Mittelmeer genannt haben, gibts überhaupt keine KV.

    Frau Wortteufel zeigt übrigens deutlich, wie bescheuerte Sachen man als PKV-Kunde hinnehmen muß, für teures Geld, das man abdrückt.

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