Es hängt nach

Das Leben geht weiter. Und doch hängen die Ereignisse nach und lehren uns, dass das Leben nicht immer fair und vorhersehbar ist. Das Leben zeigt uns mit einer Härte, dass es jederzeit zu Ende sein kann, dass es weh tut.

In den diversen sozialen Netzwerken werden immer noch die Freunde gezeigt, die man gerade erst verloren hat. Während man die Neuigkeiten der Lebenden liest, lächelt einen von der Seite jemand an, der jetzt nicht mehr lächelt. Und man weiß wieder, dass da die Familien sitzen und weinen. Und wir weinen auch.

Das Leben geht weiter und doch ist es stehengeblieben. Mit jedem, der geht, bleibt es ein Stückchen stehen an der Stelle, als man ihn das letzte Mal gesehen, gesprochen hat. Man bleibt an diesem Moment hängen und denkt immer wieder an die letzten Worte, das Lachen, die typischen Dinge.

Was hilft, ist im Jetzt zu leben uns sich bewusst zu machen, dass es wohl das größte Geschenk ist, dass wir es erleben dürfen.

Im Ostseeurlaub sagte uns der Strandkorbvermieter jeden Tag „Macht ’s Beste draus“. Und er hat Recht. Man sollte das Beste aus dem Tag machen. Jeden Tag.

Wir leben seit Ende des letzten Jahres bewusster. Wir möchten bewusster leben. Wir leben besonnener. In der Psychologie Heute war ein wunderbarer Artikel über das Runterschalten, sich bewusst zu machen, was eigentlich unsere Bedürfnisse sind. Was wichtig ist im Leben.

Wichtig sind die Menschen, mit denen man alles teilen kann. Mit denen man lachen, aber auch weinen kann. Ich habe immer noch gleichzeitig einen Kloß im Hals und ein Gefühl der Wärme im Bauch, wenn ich daran denke, wie eine liebe Freundin und ich am Telefon weinten, weil eine andere nicht mehr da ist. Trauer teilen. Leid teilen.

Füreinander da sein. Zu wissen, dass da jemand ist, der einem hilft. Und zu wissen, dass andere anrufen, wenn sie jemanden brauchen.

Glück teilen! Wie am letzten Wochenende, als wir mit uns so wichtigen Herzensmenschen, die uns nun schon so viele Jahre begleiten, Zeit verbringen durften. Wir lachten, wir weinten, wir tanzten. Alles. Es ist ein Geschenk. Es ist ein verdammtes Geschenk, dass wir solche Freunde haben.

Glück teilen, wenn ich morgen mit wunderbaren Frauen einen Tag und Abend verbringe, auf den ich mich seit Wochen freue. Freundinnen, die mir ans Herz gewachsen sind.

2012 hat anders begonnen, als wir es uns erhofft hatten. Mittlerweile glaube ich, dass es das ist, was man Leben nennt: es kommt anders. Und Ruhe gibt es nur in uns drin. Leben ist das, was wir daraus machen. Und wie wir damit umgehen. Wie wir uns selbst verwurzeln und verankern, um mit dem Sturm da draußen umzugehen und ihm standzuhalten.

Unsere Wurzeln, unser Anker, das sind wir selbst und sind unsere Freunde. Wir geben uns Halt. Und in der Mitte ist eine Lichtung.

Ihr fehlt. Und werdet immer fehlen. Doch wir müssen jetzt weiter wurzeln. Für alle, die einen Anker brauchen.

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8 Gedanken zu “Es hängt nach

  1. Du hast diese Situation, die wir alle irgendwann einmal durchleben müssen, wunderbar in Worte gefaßt. Ich bin auch der Meinung, das Wichtigste ist eine Erdung und Grundzufriedenheit, die jeder hoffentlich beizeiten erlangt. Dann kann man besser mit den Schrecklichkeiten Drumrum klar kommen – bzw. sich arrangieren. Dass das Leben ein Geschenk ist empfinde ich bei jedem Geburtstag und wundere mich darüber, dass die meisten Menschen denken >nee wie blöd, schon wieder ein Jahr älter<. Ich denke genau anders rum. Nee wie toll, noch ein Jahr älter und denke dabei an die, die ich verloren habe und die ihren Geburtstag nicht mehr feiern können. Liebe Grüsse – schön, dass Du wieder schreibst! Elke

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  2. Ach … das hast du wunderbar gesagt. Wann immer ich an sie denke und mir bewußt wird, dass sie nicht mehr da ist, stockt mir der Atem. Aber du hast recht, das Leben muss für uns weiter gehen und sie wird immer ein Stück weit bei uns sein, gell. auch ich verscuhe das Leben jetzt noch bewußter (wahr zu) nehmen. Mit Höhen und Tiefen … das Leben halt. Ich freu´mich auf unser nächstes Wiedersehen!

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  3. Liebe Barbara,
    ich habe vor einigen Jahren wochenlang jeden Tag um einen Freund geweint. Einige halten das vielleicht für übertrieben, für bekloppt, was weiß ich, aber ich konnte nicht anders. Meine Gefühle waren einfach so stark und ich konnte es einfach nicht begreifen, daß er nicht mehr da war. Noch heute, wenn ich an der Unglücksstelle vorbeifahre, schicke ich ihm jedesmal einen Gruß nach oben.

    Und ich bin froh drum, daß wir am Samstag so einen schönen Moment des Kennenlernens hatten!

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  4. wow… das ist traurig. Vielen Dank für diese Worte! Danke, dass du auf solche Gedanken aufmerksam machst!
    Jedesmal, wenn ich denke, dass ich eigentlich alles soweit im Griff habe, passiert etwas derart Unvorhersehbares… eine neue Herausforderung, eine neue, noch höhere Hürde, ein absolut unerwarteter Schlag… und mir blieb bisher die Erfahrung, die du offenbar gemacht hast, zum Glück erspart… wahrscheinlich wissen wir erst hinterher ob und wie stark wir wirklich sind.
    Mein aufrichtiges Beileid!

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