Wir sind ja auf „Entzug“

Der Dezember war schon ein ordentlicher. Begonnen hatte er mit einer Handvoll Freunde, die wir in unser Domizil (nein, wir leben nicht in einem hippen, überteuerten, sanierten Industriebau) einluden zum gemeinsamen Adventsanglühen.

Zu diesem Anlass stellen wir uns am Vortag in die Küche und bereiteten ein kleines Büffet vor, um den Gästen jeden Anflug von Hunger zu nehmen. Es gab einen weihnachtlich gewürzten Schinken nach Nigella, einen Lyonersalat mit zwei original Kringel frisch aus Saarbrücken (danke nochmal an Shreki!), Kartoffelsalat mit grüner Soße (brauchen wir nicht nochmal zu machen), eine Süßkartoffel-Hackfleisch-Suppe (Suppe geht immer!), eine Tortilla vom Blech, Paprika-Schnecken aus Blätterteig, Lachsröllchen mit Gurke und eingelegtem Ingwer, eine grandiose Handkästerrine (für die hessische Stimmung!), eine Grüne-Soße-Terrine mit Ei, Schokomuffins mit Vanilledeckel, eine Mango-Mascarpone-Creme (Rezept gleich unten), und Espresso-Mohn-Kuchen.

Und natürlich Punsch! Den habe ich mir mal so zusammengemischt:

1,5 Liter Apfelsaft naturtrüb
0,75 Liter Weißwein
100 ml Triple Sec
200 ml weißer Rum
100 ml Fruchtlikör (Orange, Marille, Pfirsich…)
4 EL Zucker
Zimtstange
Nelke

Insgesamt wurden fast 15 Liter angesetzt und übrig blieben nur ca. 4. Zum Glück haben wir Nachbarn, die dann nochmal zum Punschtrinken kamen ;)

Nun zum Rezept für die Mango-Mascarpone-Creme, weil doch viele immer wieder danach fragen:

400 Gramm Obstpürree (Mango oder gemischt mit Pfirsich. Alternativ auch einfach nur Pfirsich) mit
2–3 EL Limettensaft verrühren

250 Gramm Mascarpone mit
3 EL Amaretto und
2 EL Zucker glatt rühren

200 Gramm Schlagsahne steif schlagen und
unter die Mascarponemasse ziehen.

Obstpürree und Mascarpone abwechselnd in Gläser schichten.

Cantuccini oder Amarettini klein bröseln und am Schluss drüberstreuen.

Ich glaube, dass alle Gäste satt und selig nach Hause gegangen sind. Jedenfalls wurde uns nichts anderes gesagt ;)

Im Dezember gab es noch ein Saumagenessen bei Pfälzer Freunden ein paar Orte weiter – mit einer zauberhaften Maronensuppe mit Chili, danach Saumagen mit Leberknödeln (und den üblichen Beilagen) und einem Apfelstrudel. Passend dazu Pfälzer Weine, die ich leider nicht so gut vertrage.

Auch noch passiert: eine Lesung (Dietrich Faber bat ins Theater am Park in Bad Nauheim) und ein Kabarettabend von Horst Schrot.

Dazwischen: Essen, Einladungen, Essen, Wein, Essen, Wein, Wein, Essen. Und leider eine OP, die den WTM für fast 2 Wochen niederstreckte. Aber ok, es war ja nur Weihnachten und ich kann auch kochen… Und so gab es das Weihnachtsessen im Liegen für ihn ;) Öfter mal was Neues.

Und am Ende klassisches Fondue mit den Nachbarn.

Silvester war bei mir der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr konnte. Zu viel Essen, zu viel Wein. Der Dezember, so schön er war, forderte seinen Tribut und ich schwor mir, dass ich erstmal viel kürzer treten müsse. Und genau das mache ich, bzw. machen wir, seit dem.

Von Montag bis Freitag gibt es keinen Alkohol und kein Süßes. Kein Glas Wein zum Abendessen, kein Dessert, keine Schokolade und auch keine Plätzchen! Statt dessen: Reduzieren des Zuckers im Kaffee, viel Kräutertee und Wasser, viel Gemüse (Ottolenghi ist unser bester Freund im Kochbuchregal) und so gut wie kein Fleisch.

Und Sport! Hier wird wieder 3x pro Woche gesportelt, um die angefutterten Kilos abzutrainieren und den Körper wieder aufzubauen.

Am Wochenende ist Schonzeit. Wobei ich sagen muss, dass unser Konsum von Genussgütern selbst am Samstag stark zurückgegangen ist. Der Weinkeller dankt es uns.

Apropos Wein: So langsam hat sich herauskristallisiert, dass ich von Franzosen Kopfschmerzen bekomme und Bordeaux Weine nicht mag. Vielleicht ist ein Weinkenner anwesend, der mir sagen kann, warum französische Weine bei mir diese Wirkung haben, dass ich sie zwar trinken kann und mir der ein oder andere auch schmeckt (tatsächlich finde ich Weine aus dem Languedoc-Roussillon ganz lecker), ich aber tatsächlich auch von geringen Mengen Kopfschmerzen bekomme. Ideas?

Wobei ich das wirklich schade finde, denn die ekstatischen Verbalergüsse mancher Bordeaux-Liebhaber animieren mich doch immer wieder, mich mit diesen auseinander zu setzen. Erfolglos. Ob mir die feine Zunge für die komplexen Bordeaux fehlt? Oder ob die Leute einfach nur so ekstatisch sind, weil man das bitte bei einem Bordeaux zu sein hat?

Wie dem auch sei: wir können zwar auch mit Alkohol lustig sein, ohne aber auch. Der Entzug von Wein tut tatsächlich nicht weh – einzig der Entzug von Schokolade macht mich fuchtich… Aber daran arbeite ich. Außerdem ist morgen Wochenende.

Eingekauft wird vorher auch noch und dafür geht es heute ins Frischeparadies. Kann ja nicht sein, dass wir dort noch nicht waren. Ok, vielleicht liegt es an der Entfernung. Für den simplen Einkauf nehmen wir normalerweise den Wochenmarkt. Aber da wir eh unterwegs sind, wird das Wochenendessen eben dort geplant. Lassen wir uns inspirieren.

Ach, und wegen der gehäuften Nachfragen zu meiner Meinung zum Perfekten Dinner halte ich es mit dem Grundsatz einer weisen Frau aus dem Ruhrgebiet: „Wenn man nichts Positives zu sagen hat, sagt man besser nichts.“

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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2 Gedanken zu “Wir sind ja auf „Entzug“

  1. Ich wohne jetzt ja quasi mit Sicht aufs Médoc, jedenfalls bei gutem Wetter und wenn ich an den Strand gehe. Aber hab ich eine Antwort auf deine Frage?
    Eher Ideen. Ich mag die Bordeaux-Weine meist auch nicht, ich finde sie zu schwer und auch irgendwie zu erdig. Da fehlt mir das Quäntchen Frische, das beispielsweise die Burgunder-Weiner mitbringen. Die Weine aus dem Aude oder Languedoc-Roussillon sind auch leichter.
    Aber in Deutschland haben wir eh mehr eine Kultur der reinen Rebe und Lage, während die französischen Winzer ihre Weine komponieren, um möglichst jedes Jahr eine ähnliche Note zu produzieren. Manchmal sogar aus mehreren verschiedenen Jahrgängen, oft aus verschiedenen Trauben, Hauptsache gleiche Lage.
    Und biologischer Weinbau ist in Frankreich ziemlich unbekannt. Bio? Klar, wächst doch am Strauch. Aber eben auch mit tausend Pestiziden (die böse Reblaus hat meiner Wohngegend sämtliche Weinstöcke kaputtgemacht, vor ungefähr 75 Jahren), mit Schwefel im Wein etc. Ungeschwefelter Wein schmeckt den Franzosen vermutlich ebensowenig wie ungechlortes Wasser.
    Das ist zusammen schon ziemlich kopfschmerzwürdig…

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  2. Bei mir löst jeder Franzose, äh, im Glase meine ich, sogar Migräne aus. Und zwar unverzüglich.

    Und was Wolfram da schreibt, ist mehr plausibel, als dass es nur als Idee taugt….

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