Wo ist die Blogzeit hin?

Vor einigen Jahren, als ich begann mit dem Bloggen (damals noch bei Blogspot, danach bei WordPress), war es für mich Usus, morgens mit dem Kaffee in der Hand meine Blogrunde zu drehen. Erstmal schauen, was so los war, Inspirationen sammeln für meine tiefdunklen Posts und hier und da kommentieren.

Dann begann das Blogsterben derjenigen, die ich täglich besuchte. Einige hörten ganz auf und schlossen ihre Blogs, andere bekamen Kinder und reduzierten und bei wieder anderen habe ich keine Ahnung, warum seit zwei Jahren nichts mehr passiert. Vielleicht sind sie einfach schreibmüde oder haben ihren Fokus auf ein echtes Leben gerichtet. Vielleicht haben sie jetzt auch einfach einen Job. Oder was zum Poppen.

Ich habe es verpasst, mir neue Blogs zu suchen. Blogs, die spannend sind, böse schreiben, hinterfragen oder einfach nur Appetit machen. Mir fehlt aber auch tatsächlich die Lust, mich in neue Blogs einzulesen, deren Inhalt aufeinander aufbaut. Wenn ich den Post Nr. 283 nur verstehen kann mit seinen kryptischen Andeutungen, wenn ich den Blogpost Nr. 175 gelesen habe.

Dazu kommt, dass es irgendwie immer weniger Blogs gibt, die über alles mögliche schreiben, nicht nur über Kochen ODER über Reisen ODER über Kinderschiss ODER über Politik. Bei vielen Blogs damals war es so, dass man an einem Tag einen flammenden Post über die Ungerechtigkeiten der Europapolitik lesen konnte und am nächsten was über den neuen Wäschetrockner. Es war ein bisschen wie Boulevardzeitung lesen: bunte Bilder, ein bisschen Promis, viel Party und als Alibi was für die Bildung und zum Diskutieren.

Viele Kontakte von damals bestehen immer noch – doch sie bloggen nicht mehr. Irgendwer schrieb neulich mal, dass die Zeit des Bloggens vorbei sei. Es wäre „damals“ was anderes gewesen.

Bei vielen Kontakten weiß ich über andere soziale Netzwerke, was los ist. Ein Blogpost, sollte er mal erscheinen, wird direkt als Link importiert und so muss ich den Blog selbst nicht mehr besuchen oder abonnieren, um zu sehen, ob was passiert.

Die meisten der Blogs haben mittlerweile statt dessen Facebookseiten, die sie mit kurzen Häppchen füllen. Leider meist einfach nur mit Bildern von anderen Facebookseiten, die sie teilen oder blöden Statements, die man nach dem vierundrölfzigsten Mal in der Timeline auch nicht mehr sehen möchte. Oder es sind eben die Verlinkungen zu den Blogs. „Hier, guck mal, ich habe gebloggt!“

Die meisten dieser Facebookseiten umgehe ich daher wie Fertigessen. Und sehne mich immer mehr nach mehr Wörtern, personalisierteren Posts, echten Inhalten.

Wenn Bloggen wie Kochen ist, ist F***book wie Tütensuppe. Schnell serviert, von anderen gewürzt und ohne bleibenden Eindruck. Schnell, schnell zwischendurch, ein Mal mit dem Löffel gerührt und dann vergessen.

Es entsteht selten eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Man klickt weg, blendet aus und lässt unangenehme, unappetitliche oder unbequeme Kost lieber links liegen.

Twitter? Auch dort setzt sich die Kultur der wenigen Worte durch. Auch dort gibt es die Kultur des Verlinkens auf Blogposts, weil 140 Zeichen eben nicht für das reichen, was man wirklich mitteilen möchte. Kurz mal reingelunst, die Timeline happenfertig zusammen gestellt und zum Glück kann man einen Tweet schnell mal überlesen.

Aber man möchte ja nicht überlesen werden. Daher greift man dann doch wieder zur Tastatur und tickert ein bisschen mehr. Ein bisschen tiefer. Kommt eine neue Lust aufs Bloggen? Wo sind die Blogger, die noch Lust auf Vermischtes und die bunte Seite haben?

Über Tipps, liebe Leser und Gelesene, bin ich dankbar.

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17 Gedanken zu “Wo ist die Blogzeit hin?

  1. wie wahr!

    und gerade dich bzw. deinen alten blog über quasi alles habe ich immer sooo gerne gelesen! :)

    ich habe auch erst letztens darüber nachgedacht: vor ein paar jahren, da war ich in so einer richtigen (mami)blogrunde: man hat sich gegenseitig gelesen und kommentiert, aufeinander verwiesen und sich irgendwie „gekannt“, es war ein ständiger austausch. langsam sind einige blogs weggebrochen, ich bin selber schreib- und kommentierfauler geworden, die themen haben sich geändert… mittlerweile kommentiere ich bei zwei drei blogs regelmäßig und umgekehrt habe ich noch weniger kommentare. ;)

    es fällt schwer, da wieder anzuknüpfen.

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  2. Ich habe früher auch einen Blog gehabt und über mein Leben im Ausland geschrieben. Querbeet. Alles, was mir so auffiel. Hat mir einfach Spass gemacht. Bei mir waren es ein persönlicher schwerer Tiefschlag und auch eine Häufung komischer Mails von komischen Leuten, die mich veranlasst haben, meinen Blog zu beenden.

    Ihren habe ich immer gerne gelesen. Und wenn jetzt vielleicht der Tiefpunkt des Tiefschlags überwunden wird, was ich hoffe, dann werde ich vermutlich doch noch mal wieder anfangen. Sollte mir demnächst ein Blog unterkommen, der so ist, wie Sie ihn sich zurückwünschen (und ich auch), dann gebe ich gerne Bescheid.

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    1. @Nina
      Ist es nicht ärgerlich, wenn Leute von außen uns so beeinflussen können, dass man das beendet, was man mag? Es gab eine Zeit, in der ging es mir auch so. Mittlerweile sind sie mir egal geworden – dank lieber Menschen, die mich in meinen Gedanken, Ansichten und Gefühlen bestärkt haben.

      Die Tiefschläge kenne ich leider auch. Und auch hier gilt wohl das Motto: Immer ein Mal mehr aufstehen, als man hinfällt. Ich wünsche Ihnen jedenfalls genau dieses Aufstehen (und sicher dabei fühlen!)

      Und das Agebot mit dem Blog nehme ich gern an! ;)

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  3. Also ich blogge über alles und jedes – eben das, was mir in den Sinn kommt und was ich schreiben möchte. Ich finde auch, es gibt einige Blogs, die das nach wie vor tun!
    Deinen Blog habe ich erst heute kennengelernt und mir gefällt, was ich gesehen habe – ich folge Dir jetzt mal und bin auf viele weitere tolle, unterschiedliche und auch kritische Posts gespannt!
    Einen schönen Abend
    Gabs

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  4. Liebe Barbara, ich habe dein Blog immer noch in meinem Feedreader-Abo, auch wenn ich von dir schon vor längerer Zeit als Leiche aussortiert wurde. ;)

    Mein Blog ruht schon seit über drei Jahren, weil irgendwie alles eintraf: Zuerst viel zu tun im Job (was ja grundsätzlich gut ist), drei Krankenhausaufenthalte (nicht so toll), ganz normaler Familienstress (der Gatte, der sein Studium nicht zuende bekommt; der leicht hyperaktive Erstgeborene, der mittlerweile ein Schulkind ist; der so lang erwartete Zweitgeborene, der jetzt 9 Monate alt ist, ein Extra-Chromosom besitzt und mich zur Zeit sehr beansprucht), Umstruktierungen in der Firma… Ich hätte also eigentlich ziemlich viel unterschiedlichen Stoff zum Bloggen, habe aber eben auch keine Zeit, um Postings zu schreiben, die meinen eigenen hohen Ansprüchen genügen. Und Ansprüche runterschrauben, um überhaupt zu bloggen? Hmmm. Ick weeß ja nich…

    Soziale Netzwerke habe ich bisher erfolgreich umgehen können. Jedoch lese ich noch recht viele Blogs, nur das Themenspektrum hat sich, meiner Lebenssituation entsprechend, in den letzten Jahren etwas verschoben. Für mich Unwichtiges und Uninteressantes wird rigoros entsorgt. Um dir Blog-Tipps geben zu können, müsste man allerdings wissen, wonach du suchst. Mit Koch-Blogs kann ich z.B. nicht dienen. ;)

    Liebe Grüße aus Berlin,
    Martina

    PS: Das war mein erster Kommentar seit mindestens zwei Jahren.

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  5. Zausi! Hallo :)
    Das ist ja schön, dass Dein erster Kommentar seit zwei Jahren auch noch bei mir ist. Da bin ich ein bisschen gerührt!

    Wow. Das nenne ich aber mal eine Menge an Stoff, die für einen Blog dicke reichen würde. Aber ich kann verstehen, dass die Zeit da fehlt. Und die Kraft oder Motivation. Für manche ist Schreiben eine Entlastung, für manche eben Aufwand.

    Ich hoffe, es war nichts zu ernstes bei Dir mit dem Krankenhaus! Und warum bekommt der Gatte sein Studium nicht fertig? Bist Du noch in dem Job von damals? Wie wuppst Du das mit dem zweiten Kind? Himmel! Wie die Zeit rennt! Ein Schulkind schon? Und dann auch noch ein Zweiter hinterher! Wie sehr ist er beeinträchtigt? Geht es ihm gut?

    (Ich merke gerade: jaaa, da wäre tatsächlich viel zu lesen bei Dir ;) Vielleicht kommt Deine Blogzeit irgendwann mal wieder.)

    Schön Dich zu lesen!

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    1. Interessanterweise kenne ich zwar die Namen, habe sie aber nie aktiv gelesen. Draußen nur Kännchen und Das Nuf habe ich jetzt mal in die Liste aufgenommen! Danke für die Tipps und die Erinnerung. Deinen behalte ich auch mal im Blick.

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  6. Ich weiß was Du meinst. Es gehörte einfach dazu morgens erstmal seine Blogrunde zu drehen. Meistens nach dem Gassi gehen, zum Frühstück. Erstmal gucken was in der Blogwelt so los ist. Dann wurde es ruhiger, bei mir – und bei den anderen. Allerdings verfolge ich die Blogs weiterhin – nur zum kommentieren fehlt mir leider oft die Zeit, weil ich ja „nur mal schnell vorbeischneien“ wollte.
    Leider fehlt mir zum Selberbloggen tatsächlich einfach im Moment total die Zeit. Ich hoffe das wird irgendwann wieder besser. Aber ich freue mich sehr, dass ich noch in Deiner Blogroll drin bin, auch wenn es bei mir im Moment eher verdammt ruhig zu geht! Danke *drücker*

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  7. Ach, Du Liebe! Immerhin gehörst Du zu denen, bei denen ich zum Glück auch so noch auf dem Laufenden bin – und mit der ich schon seeeehr bald einen Jägi zusammen trinken werde :D Und Du postest ja schon ab und zu mal was.

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  8. Ich sehe tatsächlich eher das Problem bei Facebook. Viele haben dort ja auch jetzt ihre Blogs/Seiten und schreiben ihre Ergüsse. Aber leider nicht mehr mit dieser Zeit und Intensität. Viele nehmen sich auch nicht mehr die Zeit und Muße zu diskutieren, nachzufragen, etc. Ein Like ist eben schnell geklickt und zwischendurch erledigt.

    Das hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Ich habe auch getwittert. Teilweise, weil mir auch nicht die Muße zum Bloggen blieb. Diese kommt aber wieder. Ich ruhe wieder mehr und habe einen Weg. Das äußert sich auch im Schreiben.

    Ja, vielleicht ist die Zeit.

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  9. Ich sehe das Problem auch bei Facebook. Ich merke es ja an mir selbst. Und trotzdem habe ich ja den blog wiederbelebt (Danke für die Aufnahme in Deine Blogroll). Vielleicht auch gerade deswegen. Bestimmte Theme will ich nicht auf Facebook erörtern, die brauchen eine anonymere Platform.
    Außerdem merke ich wie mir das Schreiben fehlt und ich auch wieder mehr Ruhe und Zeit dafür habe bzw. mir die nehmen will.

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