Futtern wie bei Muttern

Stell Dir vor, Du bist im Taunus. Irgendwo in Usingen-Eschbach. Und hältst an einer Eckkneipe mit dem Namen „Zum Deutschen Haus“ an, weil irgendwer Dir irgendwann mal erzählt hat, dass es da net so schlecht sei, wie man meinen könnte.

Du betrittst diese Eckkneipe an der Dorfstraße durch den Hintereingang im Hof, gehst vorbei an der Küche und kannst einen ersten Blick risikieren: Dort stehen zwei Damen nicht mehr ganz so jungen Alters in Mitten ihrer Küchenutensilien und rufen ein „Hallo“ heraus.

Im Schankraum ist kein Platz frei. Es ist voll und ein bisschen leiser wird es, weil die Gespräche kurz verstummen beim Eintritt von Dorffremden. Verstohlene Blicke von den Tischen in die Richtung der neuen Gäste und dann ein Lächeln der Bedienung. „Hallo, wollen Sie einen Platz? Hier ist nichts frei, der Tisch da vorne ist reserviert. Aber nebenan können’se sitzen.“

Gesagt, getan. Ja, wir sind die Eindringlinge dort oben im Taunus. Dort in Usingen-Eschbach. Aber wir wollen das jetzt ausprobieren. Rückzieher machen gilt nicht.

Wir nehmen Platz an Holztischen, die aus den 50er Jahren stammen können. Die Wände vertäfelt, die Scheiben bunt. Auf den Tischen bunte Deckchen mit den üblichen Tischmittelgedecken. Wie zur Hölle heißen die eigentlich? Es stehen dort Salz, Pfeffer und „Würze“ in der Tischmitte. Schön im Holzimitatträgerchen. Daneben der Teller mit Papierservietten und Besteck.

Wir bekommen die Karte. Klein, und oho. Die Klassiker: Handkäs, Tartar mit Ei, Strammer Max. Dann Schnitzel, Rumpsteak, Cordon Bleu und Rippchen mit Kraut. Dazwischen noch einige andere Leckerchen.

Wir bestellen ein Kotelett und ein Cordon Bleu, beides mit dem hausgemachten Kartoffelsalat, den es nur donnerstags gibt. Da muss man zugreifen. Wir hören, wie in der Küche jemand das Schnitzel klopft. Vorfreude macht sich breit.

Die Getränke kommen, im Schankraum wird es wieder lauter. Ab und  zu kommt eine der Köchinnen aus der Küche und sagt durch die Durchreiche hinter der Theke Bescheid, dass was fertig ist. Die Bedienung flitzt. Sie ist schnell. Hinter der Theke steht eine Dame und macht die Getränke fertig, die Bedienung serviert fröhlich.

Draußen ein paar Tische, die sich auch noch füllen.

Die Toiletten im Hof, ganz typisch. Das Ambiente ist so typisch Apfelwein-Eckkneipe, dass es fast weh tut. Alles in die Jahre gekommen, Gemütlichkeit im urigen Sinne geht anders. Hier sitzt man, weil es so Tradition ist und man eben das Übersichtliche mag. Diese unprätentiöse Art.

Nicht-Hessen sind manches Mal entsetzt, wenn sie das erste Mal in so eine typische Kneipe hier kommen. Es ist eben alles noch so, wie es mal war. Da ist kein Schnickeldickel. Da ist kein moderner Chichi. Da ist es so, wie es schon immer war. Und bleibt auch so. Wem es nicht passt, der kommt net. Aber die annern schon. Und die sind in der Überzahl.

Es gibt ja solche und solche Apfelweinkneipen: die ganz urigen, hölzernen, alten. Die mit dem dunklen Holz und den eigenen Bembeln aus früheren Jahren, mit alten Bildern an der Wand und Devotionalien an der Wand. Und die anderen, die irgendwann mal modernisiert wurden. Vor 50 Jahren. Und es danach haben sein lassen.

Zum Deutschen Haus gehört gefühlt in die zweite Kategorie. Aber alles ist richtig so, wie es ist. Man erwartet genau das und jetzt das Essen.

Was kommt, haut uns um:

Kotelett

Das Kotelett ist so groß, dass ich es gerade aufbekommen habe. Es schmeckt großartig, die feine Panade ist gut gewürzt und das Fleisch sehr lecker. Der Kartoffelsalat ist hausgemacht und schmeckt zwar sehr salzig, aber auch sehr gut. Genau so habe ich es mir erhofft.

Cordon Bleu

Das Cordon Bleu? Na, seht selbst. Nicht schlecht, sehr lecker (sagt der Mann) und zart.

Selten hat „Futtern wie bei Muttern“ so gut gepasst, wie dort. Es schmeckt genau so, wie es früher geschmeckt hat. Ja, auch mit den üblichen Würzen und Brühen. Aber eben genau richtig. Ein Kindheits-Flashback deluxe. Eine kleine Zeitreise.

Der Preis? Nicht der Rede wert. Kotelett und Cordon Bleu 6,50 Euro, der Kartoffelsalat 2,80 Euro. Das ist vielleicht auch nur dort möglich. Im Taunus. Fern ab von den Routen, die Fremde normalerweise so nehmen. Und in Speisegaststätten, die hauptsächlich von Einheimischen besucht werden.

Kein Chichi. Ehrlich. Wir gehen wieder hin. Vielleicht, so in 5 oder 6 Jahren, verstummen auch die Gespräche nicht mehr, wenn wir eintreten ;)

Advertisements

5 Gedanken zu “Futtern wie bei Muttern

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s