Niederknien, bitte!

Selten bin ich skeptisch in Sachen Essen. Noch seltener überrascht. Neulich war es soweit: Ich war beides.

Ich bin kein Fan von süß-herzhaften Dingen. Nudeln mit Apfelmus ist etwas, das ich nicht runterbekomme. Milchreis mit Zucker und Zimt erzwingt Brechreiz. Und ein Käsebrot mit Marmelade landet direkt im Biomüll.

Dann gab es in der „Lust auf Genuss“ (10/2013, Ofenfrisch serviert, Feine Quiches und Tartes) ein Rezept für „Tarte flambée mit Salsicce und Apfelspalten“. Apfel mit Wurst mag ich nur in Ausnahmefällen. Dann bin ich in Münster, der alten Heimat, und esse Wurstebrot oder Leberbrot. Mit Apfel. Oder eben bei Blutwurst. Aber sonst kommt mir so eine Kombi eigentlich nicht auf den Teller. Und das auch noch auf einer Tarte? Ohnööö.

Peter meinte jedoch, er müsse das ausprobieren und ließ mich allein mit Skepsis und Magenknurren.

Das Rezept geht so:

(Zutaten laut Angaben für ein Backblech, 4 Portionen)

Boden:
2 TL Fenchelsamen
275 g Mehl und ein bisschen Mehl für das Blech
20 g Hefe
Zucker
3 EL Öl für das Blech
Salz

Belag:
3–4 Zweige Salbei
3–4 Zweige Rosmarin
2 kleine säuerliche Äpfel
2 EL Butter
Pfeffer
150–200 g Schmand
175 g Salsiccia
Salz

Mal vorweg: Ich finde diese Angaben immer sehr merkwürdig. Entweder haben die Leute sehr kleine Bleche oder sie mögen nur sehr dünne Teige. Für mich jedoch darf es ruhig etwas dicker sein und so nehme ich meist das eineinhalbfache der angegebenen Menge. Und beim Belag durchaus mal das doppelte. Aber jeder so, wie er möchte. Meist experimentieren wir eh mit den Mengen, weil Geschmäcker verschieden sind und wir in Sachen Kräutern mit einem Garten voll davon gesegnet sind. Und so kommen oft mehr Kräuter und Gewürze rein.

Zur Zubereitung:

Für den Teig die Hälfte der Fenchelsamen mörsern/zerstoßen und mit dem Mehl mischen.
In eine Schüssel geben und die Hefe dazu.

Stopp. Auch hier: Wir haben Trockenhefe genommen, weil gerade keine frische zur Hand war. Daher ist es mit dem Bröckeln hier etwas schwieriger gewesen. Weiter geht’s.

Ein bisschen Zucker drüberstreuen und mit etwas warmem Wasser einen Teil des Mehls verkneten. 10 Minuten gehen lassen.
Dann das Öl mit 120 ml warmen Wasser und 1/4 TL Salz verquirlen, zum Vorteig gießen und alles ein paar Minuten kneten.
Dann eine gute halbe Stunden abgedeckt gehen lassen.

Stopp: Ich bin ehrlich. Bei uns kam einfach alles in die große Maschine und wurde von einem ollen Haken verknetet. Alles zusammen. Ganz ohne Vorteig.

Die Blätter von den Kräutern abzupfen und hacken.
Äpfel schälen, entkernen und in Spalten oder Scheiben schneiden. Himmel, völlig egal. Wenn einer Würfel mag, soll er eben würfeln. Gott würfelt angeblich ja nicht – denkt also drüber nach, was Ihr tut.

Die Butter erhitzen in einer großen Pfanne, die Äpfel mit den Kräutern darin kurz anbraten, alles pfeffern.

Den Backofen vorheizen (220 °C Ober-/Unterhitze oder 200 °C Umluft), den Teig nochmal kneten und dann auf dem Backblech ausrollen. Hier bitte Backpapier drunter legen oder eben einfetten und bemehlen. Oder heißt es in diesem Fall mehlieren?

Auf den Teig kommt dann Schmand. Einfach pur.  So viel man eben mag. Dann mit der übrig gebliebenen Fenchelsamenhälfte bestreuen.

Jetzt kommt die Salsiccia: das Brät aus der Pelle holen und in kleinen Kügelchen/Portiönchen auf dem Teig verteilen. Den Apfel mit den Kräutern ebenfalls darauf verteilen.

Wir haben dann noch die Butter aus der Pfanne darüber gegeben.

Das Ganze dann für 20–25 Minuten in den Ofen, danach salzen und direkt servieren.

Gut, kommen wir nochmal zum Anfang: Ich mag nicht gerne süß-herzhafte Sachen und bin nicht leicht zu überraschen. Hier aber war ich beides. Es war so unfassbar lecker und gut, dass ich am liebsten nicht aufgehört hätte zu essen. Also, mal unter uns Rezeptbuchsammlern: Die besten Gerichte sind die einfachen, schlichten. Und das hier, ja, das ist eins davon. So einfach, so lecker und so herbstelig, dass mir ganz warm ums Herz wurde.

Wir sind nun noch auf der Suche nach einer vegetarischen Alternative zur Wurst. Vielleicht Ricotta mit Oliven vermischt und in kleinen Häufchen draufgesetzt? Ich würde ich freuen, wenn es noch mehr Ideen dazu gäbe.

Wir jedenfalls sind uns sicher, dass es das wohl häufiger geben wird. Diesen Winter. Für die Seele und für den Ofen.

TarteSalsicceApfel

 

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6 Gedanken zu “Niederknien, bitte!

  1. Ich komme direkt vom Tisch.
    Zwar gab es normale grobe Bratwurst als Belag, weil ich zu faul war in der Provinz nach Salsicca zu suchen, aber es war sehr, sehr lecker – wirklich !
    Wird es auf jeden Fall auch hier wieder geben.
    Statt der Wurst würde ich einfach Camembert nehmen.
    Danke für dieses Rezept !
    Unglaublich satt und sehr zufrieden grüßt auch eine Barbara

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    1. Na, das freut mich doch! Wobei ich sagen muss, dass die Salsicca doch noch mal ein anderes Aroma dazu gibt, weil sie würziger ist. Aber das könnt Ihr ja sicher nochmal irgendwann probieren ;) Dafür nehme ich die Idee mit dem Cambembert auf und werde das mal probieren. Super Idee!

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