Es geht was um

Es geht schon länger etwas um, das ich mal „bewusster essen“ nenne.

Was viele schon länger leben und genießen, findet Einzug in die Welt der normalen Küche:

  • Hinterfragen, wo es herkommt.
  • Wenig Fleisch.
  • Mehr saisonal.
  • Mehr regional.
  • Gesund essen.

Begonnen mit den Landmärkten in großen Supermarktketten, in denen Produkte der regionalen Anbieter eine Plattform finden, die sonst keine Chance auf Beachtung hätten, über Berichte und Aufklärung zu Tierhaltung, Gentechnik, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, bis zu Bauernmärkten und Hofläden.

Für mich persönlich muss jeder für sich entscheiden, wie er mit dieser Welt umgehen möchte. Und mit sich selbst. Jeder muss wissen, wie achtsam er ist und wo seine Grenzen liegen.

Ich habe meine gefunden: Ich ernähre mich lecker.

Das bedeutet für mich aber auch, dass ich das Essen, das mir auf den Teller kommt, genießen möchte und nicht nur als pure Energiequelle sehe. Genießen kann ich mein Essen – und hier liegt meine Grenze – dann, wenn ich es guten Gewissens essen kann. Das kann ich, wenn

  • ich weiß, wo es herkommt und es gutheiße
  • ich wenig Fleisch esse
  • ich saisonale Produkte nehme
  • ich regionale Produkte esse
  • ich mich überwiegend gesund ernähre.

Wir haben das große Glück, in einer Region zu wohnen, in der es viele Erzeuger gibt. Der Honig kommt aus dem Nachbarort, das Gemüse vom Bauern im Ortsteil, die Eier von der Oma im anderen Ortsteil und beim Fleisch gibt es einige Lieferanten mit den Ansprüchen, die wir auch haben.

Ich schaffe es nicht mehr, Fleisch aus dem Supermarkt zu konsumieren, egal in welcher Form. Sei es die Wurst mit Bärengesicht oder die Pressfleischwurst. Um Kettenmetzger in den Supermärkten mache ich einen ebensolchen Bogen, wie um die Metzger im Dorf, wenn sie von Kettenschlachtereien beliefert werden. Passiert nämlich auch meistens.

Ab und zu bekomme ich einen Superbock auf Currywurst. Die ess ich dann auch ohne Blick auf die Herkunft. Das passiert aber immer seltener. Aber wer mich kennt, der weiß, dass Wurst vorher eins meiner Hauptnahrungsmittel war. Ich esse sie immer noch gern, aber eben nicht mehr oft.

Neulich gab es dieses grandiose Steak von  TXOGITXU. Dieses Fleisch ist von alten Kühen. Sie müssen zwischen 10 und 18 Jahre alt sein, bevor sie überhaupt geschlachtet werden. Keine Kampfaufzucht in Rekordzeit unter Zuhilfenahme von Mastfutter und Medikamenten. Es war grandios.

Ich esse also Fleisch. Jedoch selten, aber gut. Ich merke, dass mir diese Ernährungsweise gut tut und meine Blutwerte haben sich verbessert. Ich habe darüber hinaus begonnen, mich mehr mit vegetarischer und veganer Kochweise zu beschäftigen und festgestellt, dass sie mit mir wunderbar harmoniert an den meisten Tagen.

Das alles war ein schleichender Prozess und ich fühle mich gut damit.

Neulich in der Kantine der großen Bank gab es ein Gespräch darüber und ein Kollege sagte, er könne sich an keinen Tag erinnern, an dem er kein Fleisch gegessen habe im letzten Monat. Ich konnte ihm sagen, wann ich das letzte Mal Fleisch gegessen habe, was daran besonders war und wo wir es gekauft hatten. Ihn hat das Gespräch darüber nachdenklich gemacht und er sagte, er müsse sein Essverhalten hinterfragen.

Damit liegt er wohl sehr im Trend.

Und ich finde, den kann man durchaus mal unterstützen.

Bei der Onlinelektüre bin ich auf ein Projekt von esskultur gestoßen: der tierfreitag.

tierfreitag

Ich finde, das ist eine feine Sache, klingt nicht so plump wie der geforderte „Veggi-Day“ und hat einen Hintergrund, den ich absolut unterstütze.

Die Initiatoren ist Katharina Seiser, die einige von Euch vielleicht durch das Buch „Deutschland vegetarisch“ kennen.

Das Projekt ist für mich kein Aufruf, dass die Menschen jetzt alle sofort nur vegetarisch zu leben haben. Tu ich selbst auch nicht. Sondern ein Aufruf, sich vielleicht an einem Tag in der Woche über ihr Essverhalten, ihre Lebensmittel, die Wertigkeit der Produkte und deren Produktion Gedanken zu machen. Und einen Tag in der Woche bewusst auf Fleisch zu verzichten.

Für viele wird das kein großes Problem sein, einige werden jetzt wieder die „ich lass mir von niemandem vorschreiben, wen ich esse“-Keule zücken und andere werden beginnen zu diskutieren. Alles ist ok.

Denn jeder sollte für sich herausfinden, wie achtsam er ist und wo seine Ernährungsgrenzen sind.

Advertisements

4 Gedanken zu “Es geht was um

  1. Hier ähnlich. Wir, naja eher ich versuche mehr und mehr auf Fleisch zu verzichten. Ich will nicht zwingend als Vegetarierin enden (vegan als Lebensmodell kann ich mir gar nicht vorstellen), aber ein bisschen mehr ein Gefühl dafür zu bekommen, wo mein Fleisch herkommt, führt eindeutig zu mehr Genuss.
    Der monsieur ist das etwas bigott :) auf der einen Seite jammert er, wie gut er es da in Frankreich hätte (die Familie hat Hühner, der Kumpel ist Fleischbauer) und wüsste, woher die Sachen kommen, und greift dann im Supermarkt doch immer wieder „daneben“.

    Gefällt mir

  2. Das geht mir ganz ähnlich. Ich mag mittlerweile bis auf wenige Ausnahmen dieses Supermarkt/abgepackte Fleisch bzw. die Wurst auch nicht mehr essen. Größtenteils ist ein etwas reduzierter und bewussterer Fleischkonsum meiner Meinung nach auch einfach Gewohnheitssache. Wenn man sich da einmal erfolgreich längere Zeit umgestellt hat vermisst man i.d.R. auch nichts mehr. Ich habe im Gegenteil durch das relativ wenig Fleisch essen viele Lebensmittel wie Bulgur oder auch ein paar Gemüsesorten überhaupt erst für mich (wieder)-entdeckt.
    100%ig konsistent und konsequent bin ich da sicher auch nicht (besagte Currywurst findet sich auch bei mir hin und wieder) und manchmal siegt zugegebenermaßen halt auch einfach die Bequemlichkeit. Aber das ist für mich zumindest momentan eigentlich ein ganz guter Mittelweg um Genuss und bewusstes Einkaufen und Ernähren nicht als Gegensätze anzusehen.

    Gefällt mir

  3. Hast Du diesen Eintrag geschrieben oder ich? ;-) Du beschreibst genau das, wie wir es hier im Hause Landgeflüster seit etwa sieben Jahren praktizieren. Wir haben ja den großen Luxus, in mitten kleiner feiner Demeter-Betriebe zu wohnen. Ein Vorteil, auf dem wirklich platten Lande zu wohnen. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende. Alles Liebe.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s