Kommt Zeit, kommt Entspannung?

Wer mich beschreiben soll, wählt wohl kaum Attribute wie ausgeglichen, ruhig, entspannt. Eher hektisch oder angespannt.

Mein ganzes Leben kämpfe ich mit meiner inneren und äußeren Anspannung. Als Kind schickte meine Mutter mich daher ins Kinder-Autogene-Training und ich begab mich auf entspannende Traumreisen.

Nun bin ich nicht so der Traumreisen-Typ. Ich bin auch nicht so der Gruppenmensch, der es genießt, mit „Gleichgesinnten“ einer Tätigkeit nachzugehen. Die Vorstellung, mit zehn anderen auf Yogamatten zu turnen und die ganze Zeit darauf zu achten, dass ich nicht pupen muss, stresst mich schon gedanklich.

Die Vorstellung vor unserem Fernseher auf dem Boden zu aalen, während mir über Dolby Surround 5-Kanal-ich-blas-dich-wech jemand erzählt, ich solle meine Atmung kontrollieren, ist auch nicht so meins. Die Vorstellung, wie eine Katze dabei auf mir rumturnt (und erfahrungsgemäß tun Katzen das genau in dem Moment), macht mich jetzt auch nicht zwingend gelassener.

Nun habe ich aber innerhalb einer Woche von zwei Ärzten und einem Physiotherapeuten aka Masseur unabhängig voneinander hören dürfen, ich müsse mich entspannen. Ich sei zu angespannt, meine Muskulatur zu hart, zu verkrampft.

Der letzte Kommentar dieser Art kam von meiner Gynäkologin, die (bitte Kopfkino ausschalten) sagte, dass meine Beckenbodenmuskulatur außergewöhnlich gut ausgeprägt sei. Ja, man könne fast sagen: Zu ausgeprägt.

Ich bin also ein Muskelwunder – ohne dass man es mir ansieht. Das wäre ja nett, wenn ich die Supermuskeln so hätte, dass sie mir nutzten. Statt dessen sind sie so verspannt, dass ich unter Schwindel, Nackenschmerzen und Einschlafproblemen leide – statt unter Knack-Po und definiertem Six-Pack-Bauch.

Die gedankliche Entspannung kommt das seit Jahren auch zu kurz und so steht für mich nun im Raum, was ich dagegen machen könnte. Operation Muscle Mouse. Oder auch Operation Entspanntes Erdhörnchen. (Tschuldigung, ich alliteriere wieder unkontrolliert.)

So stehen nun Yoga, Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung im Raum und  ich versuche mein inneres Unwohlsein beim Gedanken an Käsefüße auf Gummimatte und Gongschlagen zu Makramee-Tee zu verdrängen.

Phase 1: Googlen.

Ich habe mir zuerst mal das örtliche Yoga-Entspannungs-AT-PM-Angebot angeschaut und komme zu dem Schluss, dass ich keinen blassen Schimmer habe, was ich mir unter Pranayamas vorstellen soll oder warum überall immer Buddhas und Kerzen rumstehen müssen.

Die Kosten für so einen Kurs sind auch nicht ohne und die VHS ist hier wohl die günstigste Variante. Leider auch die unflexibelste. Wann es wieder Kurse gibt, verrät uns das demnächst erscheinende Kursbuch. Dafür gibt es die Einsteigerkurse bei anderen Yogaschulen am laufenden Band, aber eben nur Mittwochs zwischen 9.27 und 11.38 Uhr. An ungeraden Daten. Ist man erstmal dabei, kann man jederzeit in die Mittelstufenkurse oder Ramtamtamkurse überwechseln, die deutlich häufiger stattfinden.

Wofür man jedoch bei Progressiver Muskelentspannung einen 10-teiligen Kurs benötigt, ist mir tatsächlich schleierhaft und so liebäugle ich mich einem iTunes-File.

Was bleibt nach zweistündiger Recherche? Das Gefühl, dass mich dieses Entspannen wirklich stresst.

Von der Bequemlichkeit, Dinge nicht zu ändern

Ich habe, seit ich 16 (und das ist nun schon über 20 Jahre her…) war, dieselbe Mobilnummer. Und habe in dieser Zeit genau ein Mal den Anbieter gewechselt.

Bei meinem jetzigen Kreditinstitut bin ich seit über zehn Jahren und war davor bei der anderen Zweigstelle im anderen Bundesland. Aber: gleiches Institut.

Über den Sinn und Zweck meines Mobilfunkvertrags denke ich schon länger nach. Über den meines jetzigen Kontos ebenfalls. Was mich davon abhält, hier was zu ändern, ist wohl meine Bequemlichkeit.

Ich denke ernsthaft darüber nach, mein Smartphone abzuschaffen. Wenn ich meine Nutzung Revue passieren lasse, fällt mir auf, dass ich in erster Linie surfe, wenn ich unterwegs bin. Aber nur dann, wenn ich nicht gerade im Auto sitze. Also meist nur dann, wenn ich warte.

Ich telefoniere sehr selten unterwegs. Ich nutze das Smartphone als Wegweiser, als Schrittzähler, als Wander-Routen-Planer, als Terminkalender und als Wetterinfo. Zum Telefonieren eher selten. Und auch die genannte Nutzung scheint mir bei näherer Betrachtung eher unwichtig zu sein. Brauche ich wirklich einen Wegweiser beim Wandern?

Heute musste ich meine Termine koordinieren. Die stapeln sich zur Zeit doch sehr und ich hatte das Gefühl, dass ich den Überblick verliere. Das liegt zum Teil an der Onlineverwaltung. Klar ist es schön, wenn die Termine direkt synchronisiert werden, wenn ich unterwegs den Massage-Termin eintrage und er am Rechner aufzurufen ist. Aber das hab ich auch bei einem Papier-Kalender.

Dort habe ich aber, gefühlt, einen besseren Überblick über die Termine. Jedenfalls kommt es mir so vor. Und heute war der Moment da, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, mir wieder einen klassischen Kalender im A5-Format anzuschaffen.

Warum zögere ich? Warum kündige ich nicht meinen Vertrag und lasse das Smartphone zuhause? Bin eben nicht mehr unterwegs online und erreichbar?

Bequemlichkeit. Und die Angst, dass ich etwas nicht schnell genug mitbekommen könnte. Was verpassen könnte. Aber was?

Gleiches beim Thema Kreditinstitut.

Warum wechsle ich nicht? Meine Bank kostet horrende Gebühren und hat einen desolaten Service. Ich fühle mich nicht gut beraten oder betreut und habe auch nicht den Eindruck, dass meine Bank mit Gewissen das Geld investiert, das sie verdient.

Warum wechsle ich nicht zu einer der „sozial engagierten“, grünen oder ethisch-moralisch korrekten Banken? Auswahl gäbe es genug und die Mär von den fehlenden Geldautomaten hat sich mit den Zusammenschlüssen auch aufgelöst. Warum also zögere ich?

Bequemlichkeit. Und vielleicht der Graus vor zu viel Bürokratie, das Ändern der Geschäftspapiere, etc.

Und doch nagt da etwas an mir. Schon seit längerer Zeit. Ich verspüre immer mehr den Wunsch, mich aus Zwängen zu befreien und einen anderen Weg zu gehen. Raus aus der gewohnten Bahn der Bequemlichkeit, rein in mehr Selbstbestimmung.

Mal sehen, wann der Zeitpunkt kommt, dass der Wunsch nach Freiheit größer ist als die Bequemlichkeit.

Vom Haben und Wollen

Fragt man sein Gegenüber, vielleicht bei einem Glas Wein in gemütlicher Atmosphäre zu vorgerückter Stunde, nach dem, was wirklich wichtig ist im Leben, so hört man meist zuerst: Gesundheit.

„Was hilft mir alles Geld der Welt, Gesundheit kann man sich nicht kaufen.“

Das stimmt. In gewisser Weise. Man kann auch für alles Geld der Welt keine Heilung bekommen, wenn man unsterblich krank ist.

Trotzdem drängen wir jeden Tag nach Konsum, nach Materiellem. Wir gehen arbeiten, um uns etwas zu kaufen. Selten nur das, was wir wirklich zum Leben brauchen. Oft die Dinge, von denen wir denken, dass wir sie brauchen, aber in Wirklichkeit nur haben wollen.

Es lief vor ein paar Tagen eine schöne Sendung über die Marketingkönige und die, die uns zum Konsum verführen. Wir werden verleitet. Jeden Tag, überall. Und können uns diesen Reizen kaum entziehen.

Es heißt, der Rasen des Nachbarn sei immer grüner, als der eigene. Und so werden bei uns Begierden geweckt, Wünsche geboren, die wir ohne den Nachbarn – oder den Konsumverführer – nicht hätten: Das neue Smartphone, die neuen Schuhe, der neue Kapselkaffee oder das sparsame Auto für 32.450 Euro.

Bis der Einschlag kommt, der uns zeigt, dass es wirklich die Gesundheit ist, die das Wichtigste ist im Leben. Knallt er direkt in uns oder neben uns ein, werden wir ruhig, werden wir gelähmt, werden wir demütig. Wir lamentieren, dass wir alles geben würden, wenn damit die Gesundheit wiedererlangt werden könnte. Man würde alles geben, um… ja, um das Leben von vorher zu führen mit der Sorglosigkeit, mit dem Konsum, mit dem Hamsterrad, das wir jeden Tag laufen lassen.

Die Frage ist, wie wir das Hamsterrad anhalten können, ohne den Einschlag.

Wie werden wir zu einem zufriedenerem Menschen, wenn wir nicht mehr auf denjenigen hören, der uns erzählt, was wir brauchen, um zufrieden zu sein? Wenn wir innehalten und uns fragen, was uns wichtig ist. Wirklich wichtig ist.

Auf was würden wir verzichten und auf was auf keinen Fall?

Ich stehe gerade an einem Punkt, an dem ich mich genau das frage. Was ist mir wichtig, wo stehe ich im Leben und wo möchte ich hin. Dieser Punkt ist das Ergebnis einer Reise der letzten drei, vier Jahre, auf der ich immer mehr die Dinge, die mir vorher wichtig waren, in Frage gestellt habe.

Nun sitze ich hier und denke über die Zukunft nach und was darin einen Platz haben könnte. Oder Platz haben will.