Geschützt: Höh?

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Gespräche und Monologe

Dieser Blogpost handelt von der Unfähigkeit vieler Menschen, ein Gespräch zu führen. Und mit Gespräch meine ich wirklich das Interagieren mit einer andere Person und das Reagieren auf das Gesagte.

Hier scheint es bei vielen Menschen ein großes Defizit zu geben. Anders kann ich mir nicht erklären, warum es vielen nicht möglich ist, auf das, was man sagt, einzugehen.

Hören sie nicht hin? Hören sie nicht zu? Finden sie das Gegenüber so langweilig, dass es sie nicht interessiert, was der andere sagt? Aber warum interessiert es sie auch nicht, wenn der andere zu dem Thema was sagt, was sie gerade angesprochen haben?

Ich habe in den letzten Jahren immer wieder erleben dürfen, wie sich mein Gegenüber mitten im Gespräch umdreht und zu jemand anderem was völlig anderes sagt. Oder überhaupt nicht auf das eingeht, was ich gerade erzählt oder gesagt habe, sondern mit etwas kommt, was nichts damit zu tun hat.

Gestern war wieder so eine Situation, in der mein Mann einen Bekannten zu einem medizinischen Thema etwas fragte, dieser was dazu sagte, mein Mann dazu was fragte – und der Bekannte sagte, er müsse noch seinen Anhänger verkaufen.

Mir signalisiert so ein Verhalten vor allem Desinteresse, Unaufmerksamkeit.

Immer häufiger fällt mir auf, dass die Menschen einem jeden Sermon erzählen möchten, aber nicht mehr bereit sind, zuzuhören. Oder einem Thema mal mehr als zwei Sätze zu folgen. Ich höre von Problemen bei der Kindererziehung, Autoreparaturen, Jobproblemen, Hausrenovierungen, Tierhaarallergien und dem Einkauf der letzten Woche.

Wenn ich nachfrage, was sie denn gegen die Allergie unternehmen oder was die Erzieherin im Kindergarten dazu sagt oder wie sie das Problem mit der Kollegin angehen wollen, ernte ich: nichts. Oder direkt einen Themenwechsel.

In rasender Geschwindigkeit wird über dem Gegenüber alles rausgewürgt und verbal ausgekippt, aber nicht mehr zugehört, wenn eine Antwort kommt.

Wenn das Gegenüber von sich erzählt, ist spätestens beim zweiten Satz Schluss mit Aufmerksamkeit.

Früher, als wir noch jung waren und der Austausch über den Schwarm in der Schule aktuell war, haben wir uns stundenlang über das T-Shirt vom tollen Jungen aus der 8b unterhalten, über seine Hobbys informiert und darüber fabuliert, was wäre, wenn er uns ansprechen würde. Und es war so wichtig, was die beste Freundin dazu sagte, einem riet.

Einige Jahre später konnten wir stundenlang zusammen sitzen, Musik hören und uns über die Songs unterhalten. Die Texte analysieren oder uns fragen, warum es jetzt zwei Gitarristen gab in der Band. Und wir sprachen miteinander und hingen an den Lippen desjenigen, der was neues gelesen hatte.

Heutzutage entladen die Menschen ihr Füllhorn an Unverbindlichkeiten auf dem anderen, ohne Interesse daran, was derjenige dazu zu sagen hat. Wir informieren unser Gegenüber. Wir bellen uns Statusmeldungen entgegen, ohne auf die Kommentare zu warten. Und wenn wir sie doch bekommen und nicht ignorieren können, sind wir nicht in der Lage, mehr als ein Like zu produzieren.

Sich auseinander zu setzen mit dem, was der andere sagt? Sich wirklich mal dazu Gedanken zu machen oder nachzufragen? Fehlanzeige.

Jeder möchte seine Meinung kundtun, aber keiner möchte andere hören. Jeder möchte sich selbst darstellen, aber die wenigsten sind in der Lage, anderen bei ihrer Darstellung zuzuschauen, zu fragen, sich zu interessieren.

Ich merke, wie wichtig mir die Meinung meiner Mitmenschen ist, wenn ich an einem Thema knabbere, wenn mich etwas beschäftigt und ich die Für und Wider abwäge. Ich möchte mehr wissen zu Themen, als nur das Blabla der oberflächlichen Begegnung.

Ich möchte mit Menschen sprechen, mich austauschen, Gedanken weiterspinnen, Informationen austauschen und dadurch neue, andere Erkenntnisse gewinnen. Ich möchte Menschen zuhören, die was zu sagen haben und ihre Worte aufsaugen.

Doch die wenigsten sind noch in der Lage, einem Thema länger als zwei Sätze zu folgen. Egal, ob es ihr eigenes oder das eines anderen ist.

Es ist mir auch unverständlich, wie man sich als Freunde bezeichnen kann, wenn man nicht tun der Lage ist, einen Abend lang zu kommunizieren.

Ich sehe Menschen in Kneipen, Restaurants oder bei einem gemeinsamen Treffen zu Hause – und die Hälfte hat ihr Smartphone in der Hand und führt nebenher WhatsApp-Unterhaltungen oder schaut den Facebookstatus der anderen an. Für mich eine der schlimmsten Angewohnheiten von Menschen ist es geworden, im Gespräch auf sein Smartphone zu schauen.

Wir können uns ja mal ein paar Jahre zurückversetzen, als es die Dinger noch nicht gab und man zum Festnetzanschluss greifen musste, um zu hören, was der andere gerade tut. Man stelle sich nun vor, man sitzt zu viert, sechst oder acht am Tisch, es gab gerade ein leckeres Hauptgericht und alle sitzen glücklich und satt am Tisch mit ihrem Rotweinglas und sprechen über das Konzert, auf dem sie am Abend vorher waren oder irgendeine andere Sau, die gerade durchs Wohnzimmer getrieben wird.

Und zwei sitzen da und telefonieren mit dem Hörer am Ohr.

„Hallo, ich bin’s. Sitze hier gerade mit Freunden beim Essen. Ist lustig. War lecker.“
„Cool. Sitze gerade auf der Couch und gucke den neuen Film mit Schweighöfer.“
„Sehr fein.“

Der Mehrwert dieser Unterhaltung ist Null. Es hat nur eine Auswirkung: derjenige hat seinen Mitmenschen am Essenstisch signalisiert, dass er gerade mal was anderes zu tun hat, was ihn mehr interessiert.

Und so zieht es sich durch alle Bereiche. Der Versuch, mit seinem Gegenüber eine Unterhaltung zu einem Thema zu führen, scheitert meist an der Aufmerksamkeit nach zwei Minuten. Dann kommt das Smartphone, das Kind hat was lustiges gemacht oder es fällt dem anderen ein, was er zu Mittag gegessen hat.

Danke für das Gespräch.

Passiv-aktive Unterstützer

Ich bin ein Unterstützer.

Nicht immer mit meiner Kraft oder mit Zeit, aber oft mit Gesten und kleinen Aktionen.

Es gibt unfassbar viele Dinge, die ich befürworte und bei denen ich es gut finde, dass es Menschen gibt, die sich engagieren. Um mich selbst bei diesen ganzen Aktionen einbringen zu können, bräuchte mein Tag 48 Stunden und mein Konto Millionärs-Status. Beides fehlt.

So sehe ich Tasso, Pro-Hebammen-Unterstützer, Compact gegen TTIP, Pro-Asyl-Verbände, den Verein zur Unterstützung der Schulmensa der Dorfschule Puselduseldorf oder die Leute, die sich voller Herzblut der Rettung der Kulturstätte in der Innenstadt widmen. Und ich möchte am liebsten bei allen mitmachen.

Mir fehlt die Zeit. Und das Geld.

Und so unterschreibe ich Petitionen, like und teile deren Aktionen und verbreite die Botschaft dahinter auf möglichst vielen Kanälen, damit es vielleicht noch mehr Menschen erreicht, die Zeit oder Geld investieren können. Oder um zu sensibilisieren.

Manchmal unterstütze ich aber auch nur optisch, in dem ich z.B. mein Profilbild ändere, wenn ich das Gefühl habe, dass ich damit ein Zeichen setzen kann. Ein Zeichen gegen Ungerechtigkeit oder für Solidarität.

Das war bei den Anschlägen auf Charlie Hebdo der Fall („Je suis Charlie“) oder wie kürzlich der Entscheid des Supreme Court in den USA zur Legalisierung der „Homo-Ehe“. Bei beiden konnte und wollte ich Flagge zeigen, ein Statement abgeben und jedem sofort zeigen, egal ob Freund oder Fein, wie ich zu dieser oder jener Sache stehe.

Die einfachste Art und Weise, Symphatie und Solidarität zu zeigen.

Ich habe mir im zweiten Fall vorgestellt, wie überall auf der Welt Gegner von Homosexualität diese ganzen in Regenbogen-Farben getauchten Profilbilder auf Facebook sehen mussten und vor Augen geführt bekommen haben, wie viele ihren Standpunkt nicht teilen. Um die Welt ging Arnold Schwarzeneggers Regenbogen-Statement und seine Reaktion auf einen dadurch entsetzten Mann: Sein „Hasta la vista!“ aus Terminator.

Leider gesellen sich zu den Flagge-Zeigern und „Neutralen“ auch immer diejenigen, die solche Aktionen kritisieren. Nicht fachlich, wohlgemerkt. Sondern das Prinzip. Was man damit denn erreichen wolle? Warum man als Hetero so tun würde, als ob man was mit Homos und deren Ehe in den USA zu tun habe? Wie albern es sei, das PR-Tun von Facebook mit der Bereitstellung des Regenbogen-Flaggen-„Tools“ auch noch zu unterstützen? Und, und, und…

Ich bin in solchen Momenten hin- und hergerissen zwischen Jaja und Oha. Zum Einen glaube ich, dass eine Demokratie andere Meinungen und Äußerungen aushalten muss. Jeder, der öffentlich Stellung bezieht, muss damit rechnen, dass jemand anderes öffentlich Gegenstellung bezieht. Besonders im Online-Bereich hat das bei einigen Gesellen ja schon fast manische Züge angenommen und man kann davon ausgehen, dass sich immer irgendjemand findet, der rumstänkern möchte. Oder eben einfach auch was dazu sagen möchte.

Zum Anderen verstehe ich nicht, woran sich jemand stört, wenn ich eine Regenbogenflagge zeige als persönliches Profilbild? Es gibt Profilbilder mit Stofftieren, bis zur Unkenntlichkeit verfilterten Selfies, Schnappschüssen vor Urlaubskulisse oder nur vom Oberkörper (wobei ich da immer froh bin, dass es nur der ist…). Alle diese Bilder fordern nicht so starke Reaktionen hervor, wie ein politisches oder gesellschaftliches Statement. Und das, obwohl es die Kommentatoren weder betrifft noch Auswirkungen auf sie hat.

Außer, wenn sie homophob sind oder Regenbogen hassen.

Womit wir wieder da sind: Ich stelle mir vor, wie überall auf der Welt die Leute von Statement-Profilbildern überschwemmt werden und sehen, wie viele Menschen etwas unterstützen, was sie selbst doof finden.

Und damit habe ich schon meinen persönlichen Grund gefunden, damit weiterzumachen: Flagge zeigen.

Manchmal bewirkt so ein Statement ja mehr, als man denkt. Vielleicht sogar mal ein Umdenken. Oder dass jemand zum Unterstützer wird und eine gute Sache voran bringt.