Von der Unfähigkeit einiger Menschen, die Wahrheit zu sagen oder die Konsequenzen zu ziehen.

Freunde kommen, Freunde gehen. Das ist der Lauf der Dinge. Wenige Freunde bleiben für immer. Über die möchte ich gar nicht sprechen, sondern eher über die, die zwar bleiben, aber eigentlich gehen möchten. Oder sollten.

Man hat lustige Zeiten erlebt, man hat nicht so gute Zeiten erlebt und irgendwann lebt man ein Leben, das mit dem anderen wenig zu tun hat. Die Berührungspunkte werden weniger und man verliert sich aus den Augen.

Wenn da nicht die Social Media-Kanäle wären. Über diese bekommt man doch so einiges mit und kann noch ein bisschen teilhaben am Leben des anderen, auch wenn es so fern des eigenen ist. Und damit der andere weiß, dass man noch dabei ist, drückt man mal verpflichtungslos den „gefällt mir“-Button.

Bis auch das aufhört.

Dann kommt der Moment, an dem ich mich frage: Wir besuchen uns nicht, wir telefonieren nicht, wir mailen nicht und wir drücken nicht mal mehr den Like-Button für den anderen. Ist es noch das, was man aufrecht erhalten möchte?

Ich entrümple meine Listen regelmäßig. Menschen, mit denen ich nichts mehr zu tun habe, die kein Interesse mehr an meinem Leben haben, auch wenn ich bei ihnen weiter like oder kommentiere, die fliegen raus.

Bei einigen Exemplaren merke ich aber, dass es mir schwer fällt, den Kontakt abzubrechen. Vielleicht, weil man doch einiges an Energie in die Freundschaft gesteckt hat und mit dem Herz noch dran hängt. Da steht dann die Frage im Raum, ob hier noch was zu kitten ist.

Ich versuche dann immer mal wieder, den Kontakt aufzubauen. Ich schreibe eine Nachricht mit Grüßen, einen Kommentar oder eine Mail. Wenn dieser Kontakt einseitig bleibt, ist es Zeit zu reagieren.

Und immer noch zögere ich bei den Kandidaten und belasse sie, wider besseren Wissens, dort, wo sie stehen: In der Freundesliste und in meinem Herzen.

Warum ich das tue, obwohl ich doch weiß, dass sie mein Leben nicht mehr interessiert? Oder sie sogar doof finden, was ich mache?

Ich glaube, weil ich bei ihnen die Verantwortung sehe, diese Freundschaft zu beenden. Wer kein Interesse mehr hat am anderen oder den Kontakt auf ein Minimum runterfährt, der soll auch den letzten Schritt gehen. Der soll auch die Konsequenzen ziehen und löschen. Der soll sich nicht hinter meiner Entschlossenheit verstecken können und im Notfall sagen „Hey, die hat das ja beendet…“, ungeachtet der Tatsache, dass von ihrer Seite aus so gut wie kein Versucht unternommen wurde, diese Freundschaft aufrecht zu erhalten.

Wer mich nicht will, soll gehen. So viel Anstand sollte sein.

Und wer den nicht hat, der soll weiter meine Katzenbilder und die Fotos von Essen ertragen. Da muss er durch.

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2 Gedanken zu “Von der Unfähigkeit einiger Menschen, die Wahrheit zu sagen oder die Konsequenzen zu ziehen.

  1. Meine Erfahrung ist, dass es für die eigene Seelenhygiene besser ist, es selbst zu beenden und nicht darauf zu warten, dass es die andere Seite macht. Wenn sich Dinge totgelaufen haben, dann ist es egal, ob die andere Seite sagt: „Aber die haben doch…“ Entweder sucht man noch ein letztes Mal den Kontakt und einigt sich auf ein gemeinsames Ende (oder Neuanfang, was aber eher selten ist), oder es sollte einem egal sein, was die anderen denken.
    (Bei fb bin ich dazu übergegangen Leute auf „eingeschränkt“ zu setzen, wenn ich sie aus welchen Gründen auch immer nicht entfreunden will.)

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    1. Ja, das mach ich meistens auch. Und wenn dann keine Rückmeldung kommt, der andere also nicht mal merkt, dass er seit Monaten auf „eingeschränkt“ steht, dann weiß ich Bescheid. Wobei es neulich wirklich ätzend war, weil bei mir ziemlich viele Einstellung durcheinander waren nach einem Update und Leute eingeschränkt waren, die eigentlich bei den „Engen Freunden“ angesiedelt waren. Da war ich schon froh, dass mich jemand ansprach. Wer weiß, wer das alles falsch verstanden hat.

      Das mit dem Neuanfang hat ja bei Euch neulich gut geklappt. Wobei es da weniger um das Nichtmelden und Desinteresse ging. Aber immerhin. Hat mich sehr gefreut, dass es da einen Weg gab.

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