Die Geschichte von Max, dem Kater.

Vor 21 Jahren bekam unsere damalige Katze Satie Junge. Es war nicht geplant, sie entwischte uns kurz vor der Kastration und kam so zurück, wie man es sich denken konnte. Sie bekam einen kleinen Wurf – drei.

Zwei dieser kleinen Fellnasen wurden von einer Dame adoptiert, die ein Geschwisterpärchen haben wollte. Sie war glücklich, wir waren glücklich.

Satie lebte noch 16 Jahre und starb dann an einem Tumor.

17 Jahre nach dem Wurf bekam meine Mutter einen Anruf. Die Dame war leider verstorben und zurück geblieben war ein Kater, der sich in der Wohnung verstecke und nur zum Fressen herauskomme. Er miaue laut und kläglich, trauere um sein Frauchen. Sie selber könne den Kater nicht aufnehmen wegen einer starken Allergie. Jedoch wolle sie ihn auch nicht ins Tierheim geben. Der Kater sei ja schon so alt und ihre Mutter, die alte Dame, habe so an den Katzen gehangen.

Man habe beim Ausräumen der Wohnung den Katzenpass gefunden. In diesem war ein Zettel mit der Telefonnummer meiner Mutter. Auf dem Zettel stand auch, dass sie die Katze zurück nehmen würde, wenn was wäre, bevor man sie ins Tierheim gäbe.

Jetzt wolle man anfragen, ob das möglich sei.

Meine Mutter fuhr hin. Kaum, dass sie die Wohnung betreten und den Kater, Max, gerufen hatte, kam er ohne Umweg auf sie zugerannt. Er schmiegte sich an sie, ließ sich hochheben und in ein Transportkörbchen stecken.

Die Tochter der verstorbenen Dame war den Tränen nahe, da der Kater bisher nie rausgekommen war und sich von niemandem hatte anfassen lassen seit dem Tod.

Meine Mutter nahm ihn mit nach Hause.

Max erlebte einen zweiten Frühling. Er schlief an sie geschmiegt am Kopfende des Bettes, er spielte im Garten und fing Mäuse, die er stolz präsentierte. Er bekam seine katertypischen 15 Minuten am Tag, in denen er rumrannte und sprang. Er schlief in der Sonne auf einem Klappstuhl und tigerte mit den Katzen, die ihn im Garten besuchten, umher, als wolle er ihnen alles zeigen.

Vor vier Wochen nun veränderte sich Max. Er wurde sehr anhänglich und fraß nicht mehr viel. Er nahm ab. Meine Mutter ging mit ihm zum Tierarzt und er bekam drei Zähne gezogen, die scheinbar entzündet waren. Danach begann er wieder zu fressen, erholte sich und war fast wieder der alte. Leider nicht lange. Denn nach zwei Wochen wurde er wieder dünner.

Beim Tierarzt entdeckte man ein Geschwür im Maul und einen weiteren Zahn. Man zog diesen und behandelte das Geschwür mit Antibiose und Schmerzmitteln. Und sagte, man solle beobachten.

Eine weitere Woche später nun war Max Gesicht geschwollen. Das Geschwür hatte sich scheinbar vergrößert und nach außen gedrückt. Die Tierärztin war im Urlaub, also ging meine Mutter mit ihm zu einem anderen Tierarzt. Dieser konnte ihn nicht sofort in Narkose legen, da er nicht nüchtern sei, gab Max eine große Menge Schmerzmittel und den Termin für Montag zum Röntgen.

Die letzten Nacht schliefen meine Mutter und Max nicht mehr, da es ihm scheinbar nicht gut ging und er stundenlang von ihr gestreichelt werden wollte.

Als erster Patient wurde Max am Montag Morgen geröntgt. Er hatte einen Tumor im Kiefer. Er  bekam seine letzte Spritze und bevor diese komplett in seinem Körper war, war er schon tot. Meine Mutter streichelte ihn die ganze Zeit, er ließ sich fallen.

Max starb im stolzen Alter von 21 Jahren.