Ein Mann wie Blocksatz

Und wehe, ein Schusterjunge käme um die Ecke und würde es wagen, ihn morgens zu ärgern. Dann wäre das Donnergrollen seiner Stimme quer durch den ganzen Satz gedröhnt und hätte der Putzfrau den Lappen aus der Hand geschleudert.

FH.

Ein Mann wie Blocksatz: kompromisslos, schwer zu bändigen und nur auf den zweiten Blick schön. Aber immer ehrlich.

Morgens kam dieser Riese von einem Mann auf seinem kleinen Motorrad angefahren und verbrachte die erste halbe Stunde seines (unseres) Tages damit, zu reden. Laut, unüberhörbar. Und wir mussten zuhören. Nicht nur, weil es kaum ein Entrinnen gab, sondern auch weil das, was er sagte, manchmal interessant war.

Trotzdem waren wir froh, wenn die Putzfrau kam und die beiden sich zum Plausch ins Nachbarbüro zurück zogen und wir am Zeitungsdienstag weiterarbeiten konnten.

Denn Zeit war knapp.

Das hat FH dann auch dienstags immer mitbekommen, wenn es gegen Mittag immer noch Anzeigen gab, die er mit Leidenschaft in die Tasten haute. Im Blocksatz. Schweinebauchartig. Am Fließband, weil wir sie brauchten, um die Zeitung für Coesfeld zu setzen.

Die Zeit war knapp, scheinbar auch für ihn.

Ich habe heute Morgen von seinem Tod Ende Oktober gelesen. Online.

Seitdem denke ich an seine Mails an mich, in denen er von den lokalen Ereignissen erzählte, von seiner Krankheit oder einfach nur davon, wie schön er immer meine Beine fand. Ach, Effhaasche. Gut, dass Du sie nicht mehr gesehen hast. Ich bin keine 22 mehr.

Und Du bist nicht mehr da und fehlst.

Ich hoffe, dort wo Du nun bist, gibt es Bleilettern und genug Zuhörer. Es war schön, Dich kennengelernt zu haben.

 

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2 Gedanken zu “Ein Mann wie Blocksatz

  1. FH trat völlig unerwartet in mein Leben-vor einigen Jahren über ein eMail, wo er seiner Bewunderung über meine „Modellbaukunst“ Ausdruck verlieh. Denn auch er frönte dem Modellbau und hat immer noch gehofft, endlich wieder ein Modell bauen zu können. Und so entwickelte sich rasch eine eMail Freundschaft, die weit über Fragen zur Klebetechnik hinaus gingen. Meine Wohnsitz Wien beflügelte ihn oftmals zu historischen Ausritten und Vergleichen zwischen damals und heute – Preussentum und Habsburgern. Eine Reise nach Wien war ihm gesundheitlich nicht mehr vergönnt-und ich habe einen Besuch in Borken immer wieder vor mir hergeschoben. Genau so wie die Recherche über seinen Verbleib, denn seit einem halben Jahr kam ja gar keine elektronische Post mehr. Ich habe es gefühlt, dass das Unausweichliche wohl eingetreten sein musste, habe es aber verdrängt. Ein Freund, der auch keinen Kontakt mehr herstellen konnte, hat mich nun gefragt, was mit FH denn sei. Also habe ich heute früh den google angeworfen…und die traurige Gewissheit erhalten, dass mein lieber Piefke (so hat er oft unterzeichnet) nicht mehr unter uns weilt. Ich hoffe für ihn, dass er im Herrgott nun einen ebenbürtigen Diskussionspartner gefunden hat und mir verzeiht, nicht eher über sein Befinden nachgeforscht zu haben. Aber so sind wir Ösis halt.

    Mach es gut, vielleicht bis irgendwann….Werner

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    1. Ja, das klingt nach FH, wie ich ihn auch kannte. Ist es nicht traurig, wenn man jetzt zurückblickt und sich fragt, warum man sich nicht doch mal die Zeit für eine Reise genommen hat? Aber man kann es nicht ändern. Müßig, sich deswegen Vorwürfe zu machen.

      Wien, was für eine schöne Stadt. Genießen Sie diese, einen Spaziergang über den Naschmarkt, dann ein bisschen treiben lassen und einfach mal was Schönes machen, um das Leben bewusst zu genießen.

      Danke für Ihren Kommentar. Und schön zu lesen, dass Effha irgendwie immer der Alte geblieben ist.

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