Nachgang.

Besuche in der alten Heimat hinterlassen bei mir immer etwas Irritation. Besonders dann, wenn es sich um eine Beerdigung handelt (also eine verdammt traurige Sache), ich dort viele alte Freunde wiedertreffe und wir uns so viel zu erzählen haben, dass wir ständig lachen müssen (also eine verdammt lustige Sache).

Und so schwirren mir immer noch die verschiedenen Augenblicke dieses Besuchs im Kopf herum, ich versuche die Eindrücke zu verarbeiten und fühle mich furchtbar leer und übervoll zugleich.

Ich war das erste Mal in Münster in einem Hotel, wunderte mich über den unterkühlten Empfang, bis mir einfiel, dass ich ja in Westfalen bin. Ich fand die Situation, in der die Tochter des Schwiegersohns der Verstorbenen aus dem väterlichen Auto stieg und eine Urne in der Hand hielt und sagte, sie wisse jetzt gar nicht genau, was sie damit machen solle, sehr bizarr. Dieser Moment auf dem Parkplatz vor der Trauerhalle, im Regen und völlig ohne Idee, wie das jetzt weitergehen soll.

Die Urne, auf einem Hocker in der Trauerhalle, weil niemand da war, der sich darum kümmerte, bis die Tochter der Verstorbenen und ihr Mann zurück kamen und sie „aufbahrten“ mit Blumen und Bildern.

Meine ältesten Freunde und Nachbarn, mit denen ich in der Trauerhalle über verloren gegangene Public Enemy-Kassetten redete, saßen neben mir und wir wunderten uns über das Fehlen eines Trauerredners oder einer Rahmenzeremonie und die unwirkliche Stimmung.

Dafür war der Trauerkaffee danach in einem Gasthaus so urwestfälisch, dass ich hätte heulen können: Streuselkuchen, Schnittchen mit Mett, Salami Kaffee. Da saßen die weißhaarigen Westfalen und tranken Bier und Kurze in ihren Beerdigungsanzügen. Und wir lachten weiter über alte Geschichten, die wir gegenseitig zum Besten gaben.

Ich weiß noch nicht, wie ich das alles einordnen soll. Ich weiß nur, dass ich noch lange daran zu knabbern habe.

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