Franzosen.

Ich weiß nicht, warum. Aber ich habe ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Franzosen. Ich fürchte, es liegt daran, dass ich noch keinem begegnet bin, der wirklich nett war.

Die Franzosen begegnen einem, besonders den Deutschen, gern mit einer Arroganz, die sie  hässlich macht. Angeblich sind sie ein ganz charmantes Völkchen (glauben sie), sprechen die Sprache der Liebe (wenn man auf Würgelaute steht) und meinen, sie machten den besten Wein (manchmal).

Einzig der Elsass lockt mich.

Und nun ist es soweit. Wir fahren nach Straßburg. Dummerweise mit 0,0 Sprachkenntnissen Ja, ich gehöre zu den Leuten, die Latein als erste Fremdsprache hatten und Englisch als zweite, nur um dann froh zu sein, Sprachen ab der 9. nicht mehr machen zu müssen. Der Gatte hat französische Sprachkenntnisse, bei denen ich mich wundere, wie er damit zwei, drei Schuljahre überhaupt weitergekommen ist.

Und so sitze ich hier, hin- und hergerissen zwischen Vorfreude auf eine wunderschöne Stadt, leckeres Essen und spannende Begegnungen – und der Angst vor den Franzosen.

Letztes Wochenende waren wir in Frankfurt auf der Land & Genuss, um als erste Amtshandlung einer Französin in die Arme zu laufen, die sich laut darüber freute, dass ein ausgestellter Obstbaum einen französischen Namen hatte.

Ein Obstbaum.

Seit „fürzüsch Jahrröön“ wohne sie in Deutschland, verheiratet mit einem „‚amburgöh“ und fände es „kraußaaahm“, wie wenig Französisch hier wäre. Nur Englisch. „Angliiisch, Angliiisch, wie fürschtbaar“.

„Nun“, versuchte ich ihren Redeschwall mit zu unterbrechen, „nun, in Frankreich sieht man auch selten Fremdsprachen an irgendwelchen Orten.“

„Doooch“, widersprach sie mir vehement und erging sich in einer Litanei, warum es für die Deutschen immer so schwer wäre, Französisch zu sprechen. Wir würden ja auch wollen, dass alle Deutsch sprächen.

„Nun“, versuchte ich es erneut, „wenn ein Tourist mich etwas auf einer anderen Sprache fragt, mache ich ihm keinen Vorwurf, sondern versuche, ihm zu helfen. Zur Not mit Händen und Füßen. Die Franzosen sind da anders. Sie erwarten, dass jeder in ihrem Land ihre Sprache spricht.“

„Wo ist das Problööm?“

„Nun“, sagte ich, „nicht jeder spricht Französisch und hatte es in der Schule. Und viele haben auch aufgrund der schlechten Sprachkenntnisse Hemmungen, überhaupt was zu sagen. Aber dafür gibt es dann ja Wein. Nach einem Glas lockert sich die Zunge.“

Sie lief burgunderrot an. „Ihr Deutschöön! Immer müsst Ihr Alkohoool trinköön, um zu sprechöön mit uns Französisch! Könnt Ihr nischt einfach mit uns sprechen in unsere Sprachöö? Wo ist das Problööm? Statt dessen müsst ihr arrogantön Deutschöön zu uns kommen und mit uns sprechööön Deutsch oder Angliiisch! Da ist es doch selbstverständliiisch, dass wir nicht mit Eusch redöön!“

In dem Moment wusste ich, warum ich zu den Franzosen ein gespaltenes Verhältnis haben: Die frühstücken quasi Wein, aber wenn jemand anders Alkohol trinkt, ist es doof. Man muss mit ihnen Französisch sprechen, auch wenn man es nicht kann. Und sie weigern sich zu kommunizieren, wenn es in einer anderen Sprache, als der ihren ist.

So ein unflexibles und gastunfreundliches Völkchen.

Himmel. Ich habe zwei Möglichkeiten: Ich lerne in zwei Wochen Französisch – oder ein Koch spuckt mir wahrscheinlich in mein Essen, die Rezeption im Hotel gibt uns das schlechteste Zimmer und wir bekommen nur Foie gras, Froschschenkel und Schnecken zum Frühstück.

Vielleicht sage ich auch einfach ab und fahr nach Sachsen. Da werden Fremde wenigstens noch mit Tamtam begrüßt.

Ach, nee, Sächsisch sprech ich ja auch nicht…

 

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2 Gedanken zu “Franzosen.

  1. chrchrchr.

    Da hast Du aber wieder mal ein Prachtexemplar erwischt. Im Elsass ist da aber wirklich nicht so schlimm (Hauptsache, du kannst glaubhaft belegen, dass keiner Deiner Ahnen den Franzosen mal diesen Landstrich streitig machen wollte).

    Und zur nur spiele ich Deine Übersetzungs-App :)

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    1. Irgendwie bekomme ich immer diese Prachtexemplare ab. Sie hörte auch gar nicht mehr auf zu erzählen, wie störrisch ihr Mann sei und wie unfreundlich die Deutschen.

      Ich war dann höflich genug, sie nicht zu unterbrechen…

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