Urteil.

Interessant ist nicht nur das Verhalten eines Menschen gegenüber anderen, wenn er am Boden ist und Hilfe benötigt.

Interessant ist sein Verhalten, wenn das danach nicht mehr so ist.

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Propaganda.

Ein Ereignis heute hat mich beschäftigt. Auf Facebook hat eine Bekannte ein Bild mit einem Zitat geteilt:

Screenshot1

Wenn man sich dieses geteilte Bild nun genauer anschaut, z.B. auf der Facebookseite, die das veröffentlicht hat, dann sieht man das:

Screenshot2

Auf der Seite „Grüne! Nein Danke“ wird in groß angezeigt, was man schon beim Lesen vermutet haben könnte: es ist Satire. Und wer nutzt diese Satire für sich? Die, denen so ein angebliches Zitat in die Hände spielt: die Kritiker.

Und es zeigen sich viele Mechanismen, die sofort greifen, wenn man etwas liest oder hört, das die eigene Meinung oder Ansicht untermauert. Man glaubt. Und wenn man nicht glaubt, sondern die Satire gesehen hat, dann veröffentlicht man es trotzdem und hofft, dass genug andere glauben.

Ungeprüft geht der Shitstorm los, es wird geteilt und gehasst, kommentiert und verdammt. Man übertrifft sich in gegenseitigem Applaus und vereint sich im scheinbar bestätigten gemeinsamen Glauben und Wissen. Schwarmintelligenz ad absurdum.

Weiterhin steht da, von über 1000 Leuten nach 13 Stunden geliked und fast 800 Mal geteilt: „In Satira by…“

Screenshot3

Es haben sich also hunderte Menschen „instrumentalisieren“ lassen von jemandem, der ein Zitat scheinbar erfunden hat, um, tja, was eigentlich? Ich denke mir mal, zu trollen.

Troll: Als Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, welche Kommunikation im Internet fortwährend und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträgeverfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion enthalten. Dies erfolgt mit der Motivation, eine Reaktion der anderen Teilnehmer zu erreichen. In darauf bezogenen Bildern wird oft der aus der Mythologie bekannte Troll dargestellt. Ein im Englischen gelegentlich gebrauchtes Synonym ist twit (engl.: Dummkopf).

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)

Unüberlegt, ungeprüft und ungefiltert haben sie das, was da steht, für den Beweis für ihre angeblich richtige Sichtweise genommen. Und verbreiten diese Unwahrheiten im Netz. Es muss ja stimmen, es sieht ja aus wie ein echtes Zitat, veröffentlicht wohl von einer Nachrichten-/Infosendung der Öffentlich-Rechtlichen.

Selbst, wenn die wenigen Stimmen, die den Kommentatoren entgegen treten und auf die „In Satira…“-Fußnote hinweisen, alle erreichen würden, bliebe bei vielen anderen, die das bei Dritten gelesen haben das Gefühl zurück, dass die angeblich Zitierte ja merkwürdige Ansichten habe.

Es bleibt etwas hängen. Und schon haben wir eine 1a-Propaganda.

Propaganda (von lateinisch propagare ‚weiter ausbreiten, ausbreiten, verbreiten‘) bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, öffentliche Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten oder Herrscher erwünschten Reaktion zu steuern.[1] Dies im Gegensatz zu Sichtweisen, welche durch Erfahrungen und Beobachtungen geformt werden. Der Begriff „Propaganda“ wird vor allem in politischen Zusammenhängen benutzt; in wirtschaftlichen spricht man eher von „Werbung“, in religiösen von „Missionierung“. Entscheidend ist dabei die geschickte Auswahl und gegebenenfalls die Manipulation der Nachricht und nicht ihr Wahrheitscharakter.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Propaganda

Die Medienkompetenz vieler Internetnutzer scheint leider nicht mitzukommen mit den technischen Möglichkeiten, jederzeit an fast jede Information im Internet heranzukommen. Es war noch nie so einfach, den Wahrheitsgehalt von Aussagen zu überprüfen, wie durch das Internet. Informationen werden in unglaublicher Geschwindigkeit von vielen Quellen online gestellt und sind so verfügbar. Es dauert in der Regel bei diesen „Zitaten“ keine 5 Minuten, um die Quelle zu prüfen, den Inhalt zu checken oder den Wahrheitsgehalt zu verifizieren.

Statt dessen drückt der gemeine User auf „Teilen“ und bläst ungeprüft und ungefiltert alles in die Welt heraus, was dem eigenen Meinungsbild entspricht. Und wird dadurch ein Teil einer manipulierten Wahrheit – denn je mehr Menschen eine Lüge teilen, desto schwieriger wird es, diese als Lüge zu entlarven oder ihr entgegen zu treten.

Was sagt das über die Seite aus, die diesen Beitrag teilt?

Man betreibt eine Themenseite gegen etwas. Nicht für, sondern gegen. Und für diese Seite braucht man Fans. Die bekommt man mit möglichst heftigen Aussagen oder angeblichen Wahrheiten, die auf das unbestimmte Gefühl oder die Meinung vieler abzielen. Gern auch völlig überzogen. Die Zielgruppe ist eh schon so konzipiert, dass Kritiker in der Minderheit sind und daher gnadenlos runtergeputzt werden bei Gegenargumenten. Es treffen sich also Gleichgesinnte, die ein Thema und eine Meinung eint. Gegen das zu sein, wogegen die Seite ist. Was bewirkt ein Beitrag wie der obige? Für mich sollen hier Klicks generiert werden. Mehr nicht. Es soll Stimmung gemacht werden für die eigene Sache und gegen das, wogegen man selbst ist. Propaganda.

Was sagt das über den User aus?

Selbst aufgeklärte und intelligente Menschen fallen auf diese Propaganda rein. Weil sie zu faul geworden sind, zu prüfen? Weil es bequemer geworden ist, sich seine Meinung bilden zu lassen, als das selbst zu tun? Weil man zu faul ist, die Fakten wirklich zu prüfen und zu kennen, bevor man sie sich zu Eigen macht?

Propaganda setzt ihren Hebel dort an, wo ein unbestimmtes Gefühl, eine nagende Angst oder eine darauf basierende Meinung auf Nährboden wartet. Wenn jemand etwas gegen die Farbe Rot hat, wird ihm eine Info, dass diese Farbe Aggressionen hervorruft, den Blutdruck beschleunigt und ungesund für die Augen sei vielleicht gerade recht kommen und sein Gefühl untermauern. Aus einem unbestimmten Gefühl würde ein vermeintliches Wissen basierend auf angeblichen Beweisen.

Und im Rudel meckert es sich doch gleich viel einfacher. In der Gruppe fühlt man sich bestätigt. Und schon ist man Teil eines Ganzen und das Ganze kann doch nicht irren. Schwarmintelligenz…? Ach, das hatten wir ja schon.

Mich macht es einfach nur wütend. Es nervt mich, dass Medienkompetenz und der Umgang mit Meinungen, Lügen und Propaganda zu kurz kommen im täglichen Leben. Man kann zwar super betriebswirtschaftlich handeln und Entscheidungen in Millionenhöhe fällen, fällt aber auf jedes Fake-Zitat und jeden Hoax im Internet rein.

Und nun? Ganz einfach: Siehe hier. Je mehr erst lesen, dann recherchieren und dann nachdenken, desto weniger teilen den Scheiß.

Außerdem:

Dont-Believe-Everything-You-Read-on-Internet

 

In Satira Veritas

Wenn das draufsteht auf einem Zitat, dann ist das wahr: Dann ist das wirklich Satire. Auch bei Facebook.

Facebook hat es geschafft, auch intelligente und aufgeklärte Menschen zu Nachblökschafen zu machen. Kaum hat ein Zitat den Anschein, es könne echt sein oder von der angegebenen Quelle, dann muss es wahr sein. Ungeprüft. Und darf im Netz verbreitet werden. Am liebsten mit Hasskommentaren darunter.

Dabei helfen drei Dinge, sich nicht selbst lächerlich zu machen:

  1. Lesen
  2. Recherchieren
  3. Nachdenken

Also für das nächste Mal: einfach mal beherzigen, bevor man beim gewollten Shitstorm mitblökt.

Danke.

Was?

Was fehlt eigentlich den Menschen, die kaufen und konsumieren, als ob es kein Morgen gäbe? Die Dinge anhäufen, nur weil sie es können oder kaufen, weil es geht? Die etwas sehen, haben wollen und es sich dann auch erfüllen?

Was fehlt diesen Menschen, wenn sie sich ihre Träume und Wünsche immer direkt erfüllen und nie das Gefühl erleben, was es bedeutet, wenn man auf etwas verzichten muss oder für etwas spart?

Geht ihnen der Wert der Dinge verloren? Oder ist es nur etwas wert, wenn es was kostet? Ist der Wert dann gleichgesetzt mit der Summe? Was schenkt man Menschen, die Unsummen ausgeben für alltägliches, nur um es zu besitzen? Und verlieren die Dinge, die man dann kauft, ihre Besonderheit?

Ich erinnere mich, dass ich als Kind ein Fahrrad wollte. Ich wollte es unbedingt. Ein rotes 24-Zoll-Fahrrad von Radiant. Mit Speichenschutz in Form von Fäden. Fragt nicht, war so. Und ich habe mich irrsinnig gefreut, als es endlich da war. Als ich es zur Einschulung bekommen habe. Ich putzte dieses Fahrrad blitzblank in jeder Woche, schloss es ab, wenn ich es nicht sehen konnte und fühlte mich wie die Prinzessin in der Kutsche. Ok, zum Selbertreten. Aber Kutsche!

Dieses Gefühl, wenn man sich etwas ganz besonderes kauft oder es bekommt, versuche ich mir zu bewahren. Doch wie ist das mit Leuten, die sich halt einfach ein Fahrrad kaufen, wenn sie es möchten? Und im nächsten Jahr wieder eins? Einfach, weil es ihnen gefällt oder es eben geht? Oder weil sie ein anderes haben wollen? Pflegen und hegen sie ihr Rad dann immer noch mit dieser Hingabe? Oder wird aus der Erfüllung dieses Traumes nur der Grundstein für den nächsten Traum, der erfüllt wird?

Wie viel ist diesen Menschen ihr Fahrrad dann noch wert? Können sie diesen Wert noch wertschätzen oder reiht es sich ein in die Fahrradanschaffungskette.

Das Fahrrad ist natürlich nur ein Symbol. Ein Symbol für die konsumgesteuerte, kaufgeile Gesellschaft, für die alles nur so lang besonders ist, bis man es hat und dann vergisst.

In letzter Zeit merke ich immer öfter, wie mir diese Art des Konsums, des Lebens, fremd geworden ist. Ich betrachte z.B. die Luxusgüterkonsumenten, wie sie fressen, fressen, fressen ohne satt zu werden. Und wie fahl sich bei ihnen Worte wie „dankbar“ und „gesegnet“ anhören.

Bin ich die einzige, die es absurd findet, dass ein Spielfilm, der eh schon durch Product Placement finanziert wird, von Werbefilmen unterbrochen wird, die mir Waschmittel, Zahnbürsten und Schokoriegel verkaufen sollen? Wir sind umgeben von Waren und Gütern, werden zum Kauf verführt, gezwungen und gelockt und wissen immer weniger zu schätzen, was wir haben.

Und ich betrachte die Menschen, die alles verloren haben uns ich über die wirklich wichtigen Dinge freuen, die sie bekommen.

Diese Kluft zeigt mir mit einer Wucht und Heftigkeit, wie weit weg wir uns von einer gesunden Haben/Wollen-Balance entfernt haben.

Ich gehe jetzt in meinen (geliehenen) Garten und kümmere mich um mein angebautes Gemüse. Freue mich über die kleinen Salate, die endlich sprießen, die Möhrchen, die wachsen, die Zwiebeln, die stecken und die Kräuter, die wuchern. Ich denke an die Arbeit, die darin steckt und freue mich auf die Ernte.

Wie viel wert doch eine Gurke sein kann.