Was?

Was fehlt eigentlich den Menschen, die kaufen und konsumieren, als ob es kein Morgen gäbe? Die Dinge anhäufen, nur weil sie es können oder kaufen, weil es geht? Die etwas sehen, haben wollen und es sich dann auch erfüllen?

Was fehlt diesen Menschen, wenn sie sich ihre Träume und Wünsche immer direkt erfüllen und nie das Gefühl erleben, was es bedeutet, wenn man auf etwas verzichten muss oder für etwas spart?

Geht ihnen der Wert der Dinge verloren? Oder ist es nur etwas wert, wenn es was kostet? Ist der Wert dann gleichgesetzt mit der Summe? Was schenkt man Menschen, die Unsummen ausgeben für alltägliches, nur um es zu besitzen? Und verlieren die Dinge, die man dann kauft, ihre Besonderheit?

Ich erinnere mich, dass ich als Kind ein Fahrrad wollte. Ich wollte es unbedingt. Ein rotes 24-Zoll-Fahrrad von Radiant. Mit Speichenschutz in Form von Fäden. Fragt nicht, war so. Und ich habe mich irrsinnig gefreut, als es endlich da war. Als ich es zur Einschulung bekommen habe. Ich putzte dieses Fahrrad blitzblank in jeder Woche, schloss es ab, wenn ich es nicht sehen konnte und fühlte mich wie die Prinzessin in der Kutsche. Ok, zum Selbertreten. Aber Kutsche!

Dieses Gefühl, wenn man sich etwas ganz besonderes kauft oder es bekommt, versuche ich mir zu bewahren. Doch wie ist das mit Leuten, die sich halt einfach ein Fahrrad kaufen, wenn sie es möchten? Und im nächsten Jahr wieder eins? Einfach, weil es ihnen gefällt oder es eben geht? Oder weil sie ein anderes haben wollen? Pflegen und hegen sie ihr Rad dann immer noch mit dieser Hingabe? Oder wird aus der Erfüllung dieses Traumes nur der Grundstein für den nächsten Traum, der erfüllt wird?

Wie viel ist diesen Menschen ihr Fahrrad dann noch wert? Können sie diesen Wert noch wertschätzen oder reiht es sich ein in die Fahrradanschaffungskette.

Das Fahrrad ist natürlich nur ein Symbol. Ein Symbol für die konsumgesteuerte, kaufgeile Gesellschaft, für die alles nur so lang besonders ist, bis man es hat und dann vergisst.

In letzter Zeit merke ich immer öfter, wie mir diese Art des Konsums, des Lebens, fremd geworden ist. Ich betrachte z.B. die Luxusgüterkonsumenten, wie sie fressen, fressen, fressen ohne satt zu werden. Und wie fahl sich bei ihnen Worte wie „dankbar“ und „gesegnet“ anhören.

Bin ich die einzige, die es absurd findet, dass ein Spielfilm, der eh schon durch Product Placement finanziert wird, von Werbefilmen unterbrochen wird, die mir Waschmittel, Zahnbürsten und Schokoriegel verkaufen sollen? Wir sind umgeben von Waren und Gütern, werden zum Kauf verführt, gezwungen und gelockt und wissen immer weniger zu schätzen, was wir haben.

Und ich betrachte die Menschen, die alles verloren haben uns ich über die wirklich wichtigen Dinge freuen, die sie bekommen.

Diese Kluft zeigt mir mit einer Wucht und Heftigkeit, wie weit weg wir uns von einer gesunden Haben/Wollen-Balance entfernt haben.

Ich gehe jetzt in meinen (geliehenen) Garten und kümmere mich um mein angebautes Gemüse. Freue mich über die kleinen Salate, die endlich sprießen, die Möhrchen, die wachsen, die Zwiebeln, die stecken und die Kräuter, die wuchern. Ich denke an die Arbeit, die darin steckt und freue mich auf die Ernte.

Wie viel wert doch eine Gurke sein kann.

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