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Der gestrige Tag war einer der denkwürdigsten, die ich je erlebt habe. Morgens aufstehen und erfahren, dass jemand vermisst wird. Nein, eigentlich wissen, dass er bereits weg ist und den Kampf gegen seine dunkle Wolke verloren hat. Telefonieren mit Menschen, die ihm nahe standen und den ganzen Vormittag bei Twitter verfolgen, wie die Suche verläuft und wie viel Anteil die Menschen nehmen, war das einzige, was ich tun konnte.
Dazwischen Traurigkeit und Kopfschütteln.
2015 hat er mir geschrieben: „Aufgeben liegt mir auch fern, dafür hänge ich viel zu sehr am Leben.“ Eineinhalb Jahre später war es zu viel für ihn. Seine Abschiedsworte treffen ins Herz und wirken doch so gedanklich abgeklärt, dass sie in mir den Eindruck hinterlassen, dass er sie schon seit langem formuliert hat. Der Gedanke schien ihm nicht neu.
Für ihn scheint ein großes Thema die Selbstliebe gewesen zu sein. Die er wohl nicht empfand. Und damit einhergehende die Frage danach, ob ein – ob sein – Leben etwas wert sei, wenn er es nicht lieben würde. Wenn man sich selbst nicht lieben würde. Wenn man ein wunderbares, erfolgreiches Leben führt, aber das Gefühl hat, dass man es nicht verdient.
Dabei hat man selten jemanden erlebt, der es mehr verdient hätte. Er war ein Onlineaktivist, der das Netz besser gemacht hat. Er hat dazu aufgerufen, dass wir das Netz zu einem guten Ort machen können. Er war einer von denen, die das Netz dafür genutzt haben, um Menschen Gutes zu tun.
Das Netz wird kein schlechter Ort, weil er nicht mehr da ist. Aber es wird kein guter Ort, wenn wir es nicht dazu machen.
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Ich habe nichts gegen …

… dieses und jenes, aber…

Bei mir schwillt bei diesen Worten der Kamm, weil er für mich eine vorausschiebende Verharmlosung dessen ist, was derjenige dann doch „gegen dieses und jenes“ hat.

„Ich habe nichts gegen rote Autos, aber…“
„Ich habe nichts gegen Ausländer, aber…“
„Ich habe nichts gegen Dich, aber…“

Man hat also doch etwas dagegen. Man hat nicht „nichts“ dagegen, sondern „etwas“. Allein sprachlich eine absolut überflüssige Wortwahl. Rein inhaltlich darüber hinaus immer die Einleitung, um etwas gegen etwas oder jemanden zu schreiben oder zu sagen, sich aber der Verantwortung zu entziehen, es könnte gegen einen verwendet werden.

Man relativiert seine eigene Meinung. Schon bevor man sie überhaupt kundtut. Die Aussage hebt sich selbst auf, denn man sagt am Ende doch etwas dagegen.

Folgt im Anschluss ein Pamphlet mit einer Pauschalisierung, klinke ich mich mittlerweile aus. Kritikfähigkeit ist hier oft nicht zuhause.

 

 

 

 

Good times <3

Und während ich Auftrag nach Auftrag bearbeite, kommt eine Freelancerbuchung rein und ein Verlag schreibt mir, dass sie meine Mitarbeit in der Medienproduktion nur noch mit der Geschäftsleitung besprechen müssten.

Good times.