.

Der gestrige Tag war einer der denkwürdigsten, die ich je erlebt habe. Morgens aufstehen und erfahren, dass jemand vermisst wird. Nein, eigentlich wissen, dass er bereits weg ist und den Kampf gegen seine dunkle Wolke verloren hat. Telefonieren mit Menschen, die ihm nahe standen und den ganzen Vormittag bei Twitter verfolgen, wie die Suche verläuft und wie viel Anteil die Menschen nehmen, war das einzige, was ich tun konnte.
Dazwischen Traurigkeit und Kopfschütteln.
2015 hat er mir geschrieben: „Aufgeben liegt mir auch fern, dafür hänge ich viel zu sehr am Leben.“ Eineinhalb Jahre später war es zu viel für ihn. Seine Abschiedsworte treffen ins Herz und wirken doch so gedanklich abgeklärt, dass sie in mir den Eindruck hinterlassen, dass er sie schon seit langem formuliert hat. Der Gedanke schien ihm nicht neu.
Für ihn scheint ein großes Thema die Selbstliebe gewesen zu sein. Die er wohl nicht empfand. Und damit einhergehende die Frage danach, ob ein – ob sein – Leben etwas wert sei, wenn er es nicht lieben würde. Wenn man sich selbst nicht lieben würde. Wenn man ein wunderbares, erfolgreiches Leben führt, aber das Gefühl hat, dass man es nicht verdient.
Dabei hat man selten jemanden erlebt, der es mehr verdient hätte. Er war ein Onlineaktivist, der das Netz besser gemacht hat. Er hat dazu aufgerufen, dass wir das Netz zu einem guten Ort machen können. Er war einer von denen, die das Netz dafür genutzt haben, um Menschen Gutes zu tun.
Das Netz wird kein schlechter Ort, weil er nicht mehr da ist. Aber es wird kein guter Ort, wenn wir es nicht dazu machen.
Advertisements

Ein Gedanke zu “.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s