Klein-Bloggerdorf

Als ich damals* begann mit dem Bloggen, noch unter meinem ersten Bloggernamen, war das Bloggerdorf recht beschaulich. Auch die Themenblogs (Mode, Lifestyle, Kochen, Windel, Nähen, Politik) waren noch nicht so ausgeprägt. Blogrollen wurden noch gepflegt, die Kommentarkultur war eine bunte und man interessierte sich für den anderen, schrieb sehr offen und teilte viel.

Eine Bloggerin davon war „Der Giftzwerg“. Hinter diesem Namen verbarg sich eine junge Frau, Mutter, die sehr intensiv über vieles schrieb. Anne. Sie gehörte zu den von mir oft amüsiert betrachteten Windelblogs, heute eher Familienblogs. Ich kannte sie, ich las sie als Inspiration, ich war ihr suspekt ob meiner Schreibe und Theme – kurz: eine Wellenlänge war da nicht, auf der wir hätten surfen können. Zu groß waren die Unterschiede, das Alter, die Interessen, die Lebenssituation.

Trotzdem hörte ich immer mal wieder von ihr. Auf Facebook, über zu Freunden gewordene Blogger.

Jahre und diverse Blogs später kam die zweite Schnittstelle (ja, man begegnet sich immer zwei Mal im Leben): Beim sehr lustigen 40. Geburtstag von amidelanuit (jetzt thoughts) kamen viele der alten Bewohner von Klein-Bloggerdorf. Es gab interessantes Kennenlernen, Wiedertreffen und viele „Ach, duuu bist das!“-Ahamomente. Himmel, wir waren alle 5 bis 10 Jahre älter, immer noch schön und zu sagen hatten wir uns auch viel. Wie gesagt, man kannte sich, teilte viel und wusste daher noch mehr von seinem Gegenüber.

Zu diesem 40. Geburtstag war auch Anne eingeladen, die aber nicht kommen konnte. Kurz vorher hatte sie die niederschmetternde Diagnose „Krebs“ bekommen. Nach vielen Monaten Arztrennerei, Fehldiagnosen und nicht erkanntem Tumor. Ein Stadium 4-Krebs im Kopf an der Schädelbasis. Eine niederschmetternde Diagnose. Klein-Bloggerdorf schmiss zusammen und schickte Anne ein Mutmach-Genesungspäckchen.

Anne wurde operiert, sie wurde bestrahlt. Das Ganze in Heidelberg, weil es nur dort die Möglichkeit für diese genaue Bestrahlung für diesen heiklen Tumor gab. Bei einer normalen Bestrahlung wäre sie vermutlich blind geworden (Kollateralschaden) und es hätte mehr drumherum kaputt gehen können.

Alles sah sehr gut aus. Ein großes Wunder, dass der Tumor operiert werden konnte, so nah an der Hirnschlagader.

Ein Jahr später ist der Tumor zurück. Und er hatte schon in einen Lymphknoten am Hals gestreut. In einer OP wurden ihr die Lymphknoten am Hals entfernt und Proben genommen von diesem Ding, das man im MRT wieder gefunden hatte. Leider mit unschönem Ergebnis: ein Wachstum von einem Zentimeter binnen vier Wochen. Die Proben sind eindeutig.

Es beginnt von vorne: Bestrahlung, Hoffen, Bangen.

Anne ist Mutter von zwei Kindern. Sie hatte gerade begonnen, sich eine Existenz als Tagesmutter aufzubauen, als der Krebs kam. Die finanzielle Situation ist die zweite große Sorge neben der neuen Diagnose. Da alles jetzt gerade wegen der lebensbedrohlichen Situation sehr schnell gehen muss, hat die Familie kaum die Chance, sich über ihren weiteren (finanziellen) Weg Gedanken zu machen. Sicher ist nur: ihre Einkünfte sind weggefallen, als Selbstständige ganz am Anfang hat sie noch nicht die Rücklagen aufbauen können oder die Top-Absicherung, um das aufzufangen. Hinzu kommen die Aufenthalte in Heidelberg (nicht im Krankenhaus, sondern in einer Ferienwohnung), die Fahrten von ihrem Heimatort im Norden der Republik dahin und die laufenden Kosten.

Neben der Angst vor dem Tod, der Sorge um die Gefühle der Kinder und die verlorene Jobperspektive, gesellt sich nun ganz plötzlich die Existenzangst.

Klein-Bloggerdorf, das mittlerweile gar nicht mehr nur aus Bloggern besteht, sondern seine Kommunikationskanäle auf Facebook, Twitter und Co. hat, ist wieder da. In Form einer Fundraising-Initiative. Viele Freunde von Anne haben sich zusammen geschlossen, um Geld zu sammeln für die Familie.

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Ja, sie wissen, dass damit die Ursachen der finanziellen Probleme nicht gelöst werden können. Aber sie hoffen, dass man der Familie damit die Zeit verschaffen kann, sich erst um den Kampf gegen den Krebs zu kümmern. Ohne Existenzangst. Und sich dann, wenn Kraftressourcen frei sind, um die finanziellen Nöte zu kümmern und zu überlegen, welche Schritte gegangen werden müssen. Ein kleiner Aufschub.

Ich bin kein Fan von öffentlichen Spendensammlungen und -aufrufen. Es ist oft ein zweischneidiges Schwert, eine Gradwanderung zwischen Hilfe und Übergriffigkeit. Es gibt viele Hater im Netz, die solche Aktionen torpedieren. Und auch ich sehe hier vieles mit Skepsis, wenn man diese Dinge an die Öffentlichkeit bringt. Radio, Fernsehen, Zeitung… Man kann schwer abschätzen, was aus dieser Sache wird, wenn man sie ein Mal losgetreten hat.

Trotzdem sehe ich den Sinn dahinter, die Hilfe, die hier geleistet werden soll. Und möchte deswegen meinen Beitrag dazu leisten, in dem ich helfe, diese Aktion publik zu machen. Hier kann jeder selbst entscheiden, ob er ein, fünf oder hundert Euro spenden möchte, den Link teilt oder sich einfach nur umdreht. Es ist alles ok.

Ich danke jedenfalls allen, die sich hier engagieren und die Aktion auf die Beine gestellt haben. Klein-Bloggerdorf ist eben ein Dorf. Und wir wissen alle, dass man sich in einem Dorf gegenseitig hilft.

Danke.

Hashtag bei Twitter:
#HilfefuerAnne

Weitere Blogs, die darüber berichten:
Thoughts
Frische Brise
Kleines Brüllen
AbraxaFrau Mutti

Daily Pia

*2006

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13

Der 13. Krieger. Freitag, der 13. 13 Himmel.

Für mich wird die 13 jetzt eine Glückszahl, denn ich hatte vorhin 13 Akupunkturnadeln im Körper. 4 im Gesicht, 3 im Ohr, 1 auf dem Kopf, 2 in den Händen, 2 in den Armen, eine im Fuß.

Der Grund ist eine Influenza seit 11 Tagen mit extremen Schmerzen im Kopf, den Nebenhöhlen, Stirnhöhlen und Ohren. Ohne Erkältungssymptome. Kaum waren die Nadeln drin, lief die Nase und die Augen tränten.

Dabei blieb es auch noch zwei Stunden nachdem die Nadeln draußen waren.

Wahnsinn. Oder wie die MTA beim Nadeln ziehen sagte: „Ja, die Chinesen mit ihren alten Heilmethoden wussten schon, was sie taten.“

 

Wie wahr.

Sehr oft erlebt, wie sich Menschen oft melden, wenn sie einen brauchen, weil es ihnen schlecht geht, sie am Abgrund stehen oder eine Krise bewältigen müssen. Wie sie die angebotene Hilfe gerne annehmen. Sich Zeit nehmen für Treffen oder Telefonate, weil sie emotional nicht allein sein möchten.

Wie es dann weniger wird, wenn sie ihre Krise bewältigt haben.

Wie es nur noch dahin tröpfelt, wenn es ihnen richtig gut geht.

Und wieder denke ich mir, dass ich daraus lernen müsste: mich mehr abgrenzen, mich nicht ausnutzen zu lassen, endlich einzusehen, dass man nur so lange Freund ist, wie man nützlich ist. Und wieder weiß ich, dass ich beim nächsten Mal wieder so blöd bin, für andere da zu sein, wenn sie mich brauchen.

 

Was mich momentan nervt.

 

Mich nervt zur Zeit die Unfähigkeit so vieler Menschen, Verantwortung zu übernehmen oder sich einfach um die Dinge zu kümmern, für die sie verantwortlich sind.

Ich kann mich gar nicht genug über den Egoismus der Leute aufregen, wie es sein müsste. Anstandslosigkeit, Verantwortungslosigkeit und Schulterzucken im Rudel.

Ich möchte mich erbrechen.