Mutterfail.

Wenn ich als Kind von ca. 4 bis 5 Jahren im Supermarkt mit meiner Mutter einkaufen gewesen wäre und einem andere Menschen zwei Mittelfinger gezeigt hätte, hätte meine Mutter mich zur Seite genommen, mir gesagt, dass ich da etwas gemacht habe, was beleidigend sei und mich aufgefordert, mich zu entschuldigen. Ich hätte zerknirscht, ertappt, schuldbewusst Entschuldigung gesagt und mich in Grund und Boden geschämt.

Was meine Mutter niemals gemacht hätte, wäre mein Verhalten zu rechtfertigen oder schönzureden.

Scheinbar ist es heute aus der Mode gekommen, dass Eltern ihren Kindern klar machen, dass es Regeln im Miteinander gibt. Jedenfalls muss man das denken, wenn die Mutter mit Mann und zwei Kindern gerade uns angegangen ist, weil wir es gewagt haben, ihrem Sohn zu sagen, dass wir die zwei Mittelfinger uns gegenüber nicht sehen möchten.

Es könne gar nicht sein, dass er das gemacht hätte. Er hätte sowas ja noch nie gemacht. Außerdem wisse er gar nicht, was das bedeuten würde.

Tja, es mag sein, dass er die genaue Bedeutung nicht kennt. Aber er wusste ganz genau, dass es etwas ist, was man nicht macht. Und er hat es bewusst gemacht, denn er schaute uns an und zeigte und direkt beide Mittelfinger. Danach versteckte er sich grinsend hinter seiner Mutter.

Dass ein Kind sowas macht, passiert. Aber als Eltern ist es an euch, ihn in diesem Moment zu zeigen, dass so ein Verhalten Konsequenzen hat. Dass man das nicht macht. Und dass man sich entschuldigt, wenn man jemanden beleidigt.

Leider hast du weiter dein Kind vor den bösen Menschen im Supermarkt beschützt und lautstark erzählt, dass er sowas gar nicht kenne! Auf meinen Einwand, dass er das vielleicht im Kindergarten aufgeschnappt haben kann, wolltest du mir die Telefonnummer des Kindergartens geben, damit ich mich dort über die Erziehung deines Sohnes beschweren könne.

Ja, ist klar. Merkste das eigentlich noch selber?

Was hat dieser Junge heute im Supermarkt gelernt?

  1. Er kann Menschen beleidigen, ohne dass es Konsequenzen hat.
  2. Wenn sich jemand über sein Fehlverhalten beschwert, ist der andere schuld.
  3. Seine Mutter glaubt, dass der Fehler nie bei ihm liegt.
  4. Schuld am Erziehungsfail ist der Kindergarten, nicht die Eltern.

Mir sagt das viel über diese Eltern. Und es ist nichts, was ich auch nur annähernd gut finden kann. So langsam wundert es mich nicht mehr, warum Lehrer in Schulen verzweifeln am Benehmen und Verhalten von Kindern – und deren Eltern.

Wer die Befindlichkeiten seines kleinen Prinzen oder seiner kleinen Prinzessin über alles andere stellt und seine Fehler auf andere schiebt oder Entschuldigungen für sein Verhalten sucht, raubt sich selbst vieler Gelegenheiten, sein Kind zu einem sozialkompetenten, respektvollen und reflektierten Menschen zu machen.

Irgendwann wird dieses Kind damit dann auf die Schnauze fallen. Oder er geht in den Vorstand einer Bank, eines Autokonzerns oder einer Versicherung und glänzt da mit seinem rücksichtslosen Ego auf Kosten anderer.

 

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