Geschützt: Nie wieder. Oder doch?

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„Es ist nur ein Punkt weniger.“

Die ewige Diskussion zwischen Redaktion und Medienproduktion.

Während die Redaktion ihre Texte um jeden Preis unterbekommen möchte und um jedes Wort feilscht, obliegt es der Medienproduktion das Produkt so zu gestalten und setzen, dass es einem festgelegten Raster entspricht.

Dieses Raster nennt man Corporate Design und es definiert alles. Die Enteilung der Seiten, die Ränder, die Spalten, das Raster, die Schriftgröße, die Zeilenabstände, die Platzierung. Den Stand von Text und Bild, den Stand des Logos, etc. etc.

Ich kenne CDs, in denen gibt es Spielräume. Ich kenne CDs, die sind genau festgeschrieben. Auf den Zehntelmillimeter genau. Die Headline auf einer A4-Seite ist z.B nicht „ungefähr 36 Punkt“, sondern genau 36 Punkt. Mit einem Zeilenabstand von 43,2 Punkt, was 120% der Textgröße ist. Es gibt keine Abweichung, damit das Bild nach außen immer unverändert ist, wiedererkannt wird.

Das ist der Sinn eines CDs.

Jetzt gibt es immer wieder diese Diskussion, warum man nicht einen oder zwei Punkt kleiner werden kann, damit der Text passt.

Klar kann man das. Aber dann stimmt das Gesamtbild nicht mehr. Irgendjemand hat sich mal viele Gedanken gemacht, warum der ZAB 120% betragen soll. Er hat es vielleicht sogar ausgerechnet anhand der übrigen Aufteilung der Seite, der Laufweite der Schrift oder der  Harmonie und Lesbarkeit.

Wenn ich nun in der Medienproduktion sitze und dafür bezahlt werde, dass ich mich an das CD halte – und für einen Schriftsetzer ist das CD in diesem Fall das Gesetz – und ein Redakteur kommt an und will, dass ich dieses Gesetz breche, dann ist es so, als ob ich von ihm verlange, ein Wort falsch zu schreiben, damit es einen Buchstaben weniger hat und besser passt.

Der Redakteur möge also bitte das tun, wofür er bezahlt wird: Schreiben. Und wenn er das nicht so kann, dass es in das vorgegebene Raster passt, ist er sein Geld nicht wert. Er bekommt ja auch nicht vier Zeilen mehr am Ende der Seite, weil er so einen dollen Schlussatz verfasst hat und ihn nicht kürzen will. Er hat nun Mal nur eine begrenzte Anzahl Zeilen.

„Einen Punkt weniger, das sieht man doch gar nicht.“

Mag sein, dass das Auge es nicht wahrnimmt. Aber gibt man ein Mal einem Redakteur nach, verschwimmen die Grenzen immer mehr. Dann kommt der nächste und sagt, man habe das ja schon mal gemacht. Oder die zwei Punkt weniger würde man auch nicht sehen. Oder man könnte doch den Abstand von Subhead zu Copytext einfach um vier Millimeter verringern, damit man eine Zeile mehr unterbekommen kann…

Ich habe genau das immer wieder erlebt. Immer wieder. In zahllosen Diskussionen habe ich es erlebt, wie die Meister der Inhalte meinen, dass nichts so wichtig sei, wie der Inhalt. Erst recht nicht das Erscheinungsbild.

Dass ihre Inhalte aber nur gelesen werden, wenn sie so aufbereitet werden, dass sie gut zu erfassen sind für das Auge, das vergessen sie gerne.

Oder warum gibt es Editorial-Design? Bestimmt nicht nur, um Redaktionen einen Grund zu geben, sich zu ärgern…

 

 

Ich verstehe Eure Säue nicht…

…die Ihr durchs Dorf treibt. Ernsthaft. Während ich es bei wichtigen Dingen noch verstehen kann (sowas wie „Wie wird mein Kind zum UN-Botschafter“ oder „Wie bekomme ich den Legostein aus meinem Fuß ohne zu verbluten“), verstehe ich manches überhaupt nicht. Und dazu gehört gerade Eure Diskussion über Adventskalender.

Euch scheint echt zu langweilig zu sein. Sucht Euch doch mal einen Job. Oder wenn Ihr den habt, ein Hobby. Dann habt Ihr auch nicht mehr so viel Zeit, Euch über Dummfug Gedanken zu machen.

Ich geh jetzt basteln. Ich bastel mir jetzt 24 Tüten.

Nein, ist es nicht.

Nein, 2016 ist kein schlechteres Jahr, als die davor. 2016 ist so gut oder beschissen, wie alle anderen auch.

Eine Musiklegende ist verstorben, Leonard Cohen, und ich lese vermehrt „so ein schlimmes 2016“ in allen Varianten. Und ich frage mich, auf welcher Insel die Leute leben, die sowas schreiben.

In jedem Jahr sterben Leute. Auch berühmte. Für mich, die ich diese berühmten Menschen nicht kenne, nur ihr Werk oder ihre öffentliche Seite, ist das tragisch für ihre Familien und Angehörigen, aber nicht für mich.

Musiker sterben, ach, auch. Ältere Musiker, Leonard Cohen wurde in den 30er-Jahren geboren, sterben auch. Er war über 80. Meine Schwiegermutter ist auch über 80. Mein Schwiegervater war es auch, als er starb.

Für mich ist 2016 bisher ein Jahr, das mich etwas aufatmen lässt. Ja, auch dieses Jahr war ich – wie in den letzten Jahren auch – wieder auf einer Beerdigung. Ich kann mich an kein Jahr in den letzten 10 erinnern, in dem ich nicht auf einer Beerdigung war. Oder mehreren. Es gab Jahre, da haben wir innerhalb von zwei Monaten drei, vier Todesfälle erlebt. Im Familienkreis, im Freundeskreis, im Bekanntenkreis, im Jobumfeld.

Aber es war 2016 nur eine Beerdigung. Das ist eine Erleichterung. Und 2016 lief bisher für mich deutlich besser, als 2015. Beruflich, privat. Alles ist besser in diesem Jahr.

Es sterben in diesem Jahr ebenso viele Menschen, wie im Jahr davor. Und im Jahr davor. Aber ich kenne von denen, die sterben, zum Glück keinen.

Warum kommt es also den Leute so vor, dass es ein schlimmes Jahr ist? Ganz einfach, weil jetzt die Toten diejenigen sind, die uns von klein auf begleitet haben. Die wir bewusst erlebten, die immer da waren, so lange wir denken können. Es sind die, deren Musik wir seit Kindheit an kennen, zu deren Worten wir bei unserem ersten Liebeskummer weinten, die uns mit ihren Liedern am Wochenende begleiteten. Der Soundtrack unseres Lebens, die Erinnerungen an die Kindheit. An Bütterkes auf dem Sofa, an Schwofen auf der Klassenparty, an die ersten eigenen Gitarrenriffs, an Martini aus der Flasche.

Wenn die Leute also sagen, dass 2016 besonders schlimm ist, weil diese Musiklegenden und Künstler sterben, dann betrauern sie eigentlich ihre eigene Vergänglichkeit.

Jetzt sind wir bald die Generation, die als nächste sterben wird. Wir sind die nächsten. Wir werden älter. Unsere Vorbilder gehen schon…

Was nicht geht, wenn sie sterben, sind unsere Erinnerungen an ihr Werk. Und deshalb finde ich auch nicht, dass 2016 ein schlimmeres Jahr ist. Für mich jedenfalls nicht. Nur weil Künstler, Politiker, Musiker oder Schriftsteller sterben. Die sterben jedes Jahr.

Aber sie haben uns vielleicht nicht so geprägt.

 

 

Ab in den Süden?

Little B schrieb vor einigen Tagen bei Twitter:

Und ich sehe das ähnlich, aber vielleicht aus anderen Gründen. Oder doch nicht?

Für mich bedeutet das nämlich Resignation. Die Aufgabe, bevor es überhaupt passiert ist. Ein vorauseilendes Eingestehen des Scheiterns gegen die Idioten dieser Welt.

Wenn ich jetzt schon überlege, auszuwandern, sollte ein rechtsorientiertes Wahlergebnis bei uns passieren, dann versetze ich mich selbst in die Bedeutungslosigkeit und kapituliere vor denen, die das wollen.

Es gibt diesen Spruch „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ und es liegt an uns, ob wir den Rechten das Feld kampflos überlassen wollen. Wollen wir das? Wer das möchte, soll bitte direkt gehen. Er zeigt mir damit, dass er weder unsere Demokratie verstanden hat, noch für sie einstehen möchte oder die Konsequenzen trägt.

Ja, es ist nicht schön, wenn rechtsorientierte Parteien bei uns 20% holen. Aber es liegt an uns anderen, das zuzulassen.

Wenn wir nicht gegen den Rechtsruck angehen, wird er sich manifestieren in den Wahlergebnissen. Und dagegen angehen kann man nicht, in dem man den Kopf in den Sand steckt. Wir müssen also nicht nur wählen gegen rechts, sondern auch gegen rechts einstehen. Wir müssen kämpfen gegen den Hass, die Vorurteile und die vielen Parolen, die scheinbar in unserer heutigen Zeit der Unzufriedenheit mehr wirken, als Tatsachen und eine unaufgeregte Politik.

Und welches Zeichen setze ich, wenn ich so etwas wie oben sage? Dass ich auswandere, wenn es soweit kommen sollte? Genau: das falsche.

Ich sage damit, dass ich nicht für meine Überzeugungen einstehen würde, wenn Gegenwind käme. Ich sage damit, dass ich feige bin. Ich zeige damit, dass ich diejenigen im Stich lassen würde, die unter einer rechten Regierung leiden müssten. Körperlich leiden. Emotional leiden. Ich würde gehen und denen das Feld überlassen, die nur ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen. Ich, die ein Teil der Mehrheit wäre, würde mich von der Minderheit einschüchtern lassen. Mich vertreiben lassen.

Und genau das passiert jetzt gerade in ganz Deutschland. Ein kleiner Teil der Menschen gröhlt, ist laut und schreit ihre Propaganda ins Volk und die Mehrheit schweigt, schaut zu und schüttelt den Kopf. Aber mit Kopfschütteln kommen wir nicht mehr weiter. Wir müssen von unserem hohen Ross herunterkommen und auf die zugehen, die auch ein Recht haben zu wählen, aber dies unter falschen Vorzeichen tun.

Mir müssen den Unentschlossenen zeigen, dass wir keine schweigende Mehrheit sind, sondern eine, die zu ihren Überzeugungen steht. Dass es auch andere gibt, die laut sein können.

Und eins sollten wir nicht sein: diejenigen, die das Feld räumen.

 

PS: Noch was hinterher. Ein Zitat des heute verstorbenen Leonard Cohen: