Ab in den Süden?

Little B schrieb vor einigen Tagen bei Twitter:

Und ich sehe das ähnlich, aber vielleicht aus anderen Gründen. Oder doch nicht?

Für mich bedeutet das nämlich Resignation. Die Aufgabe, bevor es überhaupt passiert ist. Ein vorauseilendes Eingestehen des Scheiterns gegen die Idioten dieser Welt.

Wenn ich jetzt schon überlege, auszuwandern, sollte ein rechtsorientiertes Wahlergebnis bei uns passieren, dann versetze ich mich selbst in die Bedeutungslosigkeit und kapituliere vor denen, die das wollen.

Es gibt diesen Spruch „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ und es liegt an uns, ob wir den Rechten das Feld kampflos überlassen wollen. Wollen wir das? Wer das möchte, soll bitte direkt gehen. Er zeigt mir damit, dass er weder unsere Demokratie verstanden hat, noch für sie einstehen möchte oder die Konsequenzen trägt.

Ja, es ist nicht schön, wenn rechtsorientierte Parteien bei uns 20% holen. Aber es liegt an uns anderen, das zuzulassen.

Wenn wir nicht gegen den Rechtsruck angehen, wird er sich manifestieren in den Wahlergebnissen. Und dagegen angehen kann man nicht, in dem man den Kopf in den Sand steckt. Wir müssen also nicht nur wählen gegen rechts, sondern auch gegen rechts einstehen. Wir müssen kämpfen gegen den Hass, die Vorurteile und die vielen Parolen, die scheinbar in unserer heutigen Zeit der Unzufriedenheit mehr wirken, als Tatsachen und eine unaufgeregte Politik.

Und welches Zeichen setze ich, wenn ich so etwas wie oben sage? Dass ich auswandere, wenn es soweit kommen sollte? Genau: das falsche.

Ich sage damit, dass ich nicht für meine Überzeugungen einstehen würde, wenn Gegenwind käme. Ich sage damit, dass ich feige bin. Ich zeige damit, dass ich diejenigen im Stich lassen würde, die unter einer rechten Regierung leiden müssten. Körperlich leiden. Emotional leiden. Ich würde gehen und denen das Feld überlassen, die nur ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen. Ich, die ein Teil der Mehrheit wäre, würde mich von der Minderheit einschüchtern lassen. Mich vertreiben lassen.

Und genau das passiert jetzt gerade in ganz Deutschland. Ein kleiner Teil der Menschen gröhlt, ist laut und schreit ihre Propaganda ins Volk und die Mehrheit schweigt, schaut zu und schüttelt den Kopf. Aber mit Kopfschütteln kommen wir nicht mehr weiter. Wir müssen von unserem hohen Ross herunterkommen und auf die zugehen, die auch ein Recht haben zu wählen, aber dies unter falschen Vorzeichen tun.

Mir müssen den Unentschlossenen zeigen, dass wir keine schweigende Mehrheit sind, sondern eine, die zu ihren Überzeugungen steht. Dass es auch andere gibt, die laut sein können.

Und eins sollten wir nicht sein: diejenigen, die das Feld räumen.

 

PS: Noch was hinterher. Ein Zitat des heute verstorbenen Leonard Cohen:

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3 Gedanken zu “Ab in den Süden?

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