Weihnachten.

Als Kind war Weihnachten Zauber und Vorfreude, Magendrücken von zu viel Schokolade und Prügeleien um die letzten Bockwürstchen an Heiligabend. Ich kann mich nur an das Gefühl von Weihnachten erinnern, diese Unruhe, Ungeduld. Das Singen vor der Wohnzimmertür, das Klingeln des Christkindglöckchens. Aber nicht an bestimmte Abende. Es gibt kein Weihnachten, das sich mir eingebrannt hätte.

Bis auf eins:

Meine Mutter sang damals in diversen Chören. Im Theaterchor, im Kirchenchor, etc. Ich finde es furchtbar schade, dass sie nicht mit dem Rauchen aufhört und wieder mit dem Singen beginnt, denn für mich gehört das Singen meiner Mutter z.B. bei der Hausarbeit, abends wenn wir im Bett lagen, die Türen einen Spalt geöffnet, damit Licht und Geräusche beim Einschlafen dabei sind, zu den schönsten Erinnerungen an meine Kindheit. Aber das ist eine andere Geschichte.

An diesem Heiligabend waren mein Bruder und ich mit unserer Oma allein zu Hause und warteten darauf, dass unsere Mutter wiederkam von einem Chorauftritt in einer der größeren Kirchen Münsters. Erfahrungsgemäß dauern Standardmessen die üblichen 45 bis 60 Minuten.

Aber sie kam und kam nicht. Wir schielten immer wieder durch das Schlüsselloch in der Tür im Wohnzimmer, wo die Lichter am Baum brannten und den ganzen Raum in ein behagliches Funkeln tauchten. Es wurde immer später. Wir waren müde, aber konnten vor Aufregung nicht schlafen ohne Bescherung. Und meine Oma hatte keinen Wohnzimmerschlüssel.

Den brachte meine Mutter dann spät abends wieder mit, als sie furchtbar traurig zur Tür hereinkam. Der Pfarrer hatte seine Weihnachtsmessepflicht sehr genau genommen und quasi ein Weihnachtshappening abgehalten. Christliche Heiligabendeskalation galore.

Eigentlich waren uns die Geschenke egal. Endlich war Heiligabend und wir alle zusammen unter dem Baum. Trotzdem weiß ich noch, was ich bekommen habe: eine große Mondlampe für den Nachttisch, ein Daunenkopfkissen, Bücher und Spiele.

Jetzt ist bald wieder Heiligabend und wir schenken uns nichts. Außer Zeit. Wir werden gemeinsam am Tisch sitzen und essen, viel Zeit zum Reden nehmen und haben, einen schönen Spaziergang machen, mit den Nachbarn anstoßen und das Funkeln der Lichter am Baum anschauen.

Denn wenn ich eins gelernt habe, dann das unsere Zeit miteinander wichtiger ist, als jedes Geschenk, das man mit Geld bezahlen kann.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s