Weihnachten (noch 9 Tage)

Gestern schrieb ich von meinem Wunsch nach Schnee an Heiligabend. Heute möchte ich von meinem einzigen Weihnachten mit richtig Schnee erzählen:

Ich weiß nicht mehr, wie alt ich damals war. Aber ich war schon in der Grundschule. Es mag Anfang der 1980er Jahre gewesen sein. Und ich erinnere mich, dass wir nach der Bescherung nach draußen gingen zum Heiligabendspaziergang.

Es lag Schnee.

Schnee an Heiligabend. Und wir Kinder saßen auf unseren Schlitten, die Eltern zogen uns über die dicke Schneedecke auf den Straßen. Alle waren draußen und genossen diese Stille im Schnee. Schnee dämpft alles. Die Geräusche, die Schritte. Schnee ist wie eine Decke, die sich gnädig über alles legt und den Blick auf uns selbst freigibt.

Eingepackt in dicke Winterjacken, den Wollschal vor der Nase, die Mütze auf dem Kopf und die Handschuhe, die von den ganzen geformten und geworfenen Schneebällen langsam hart frieren. Der warme Atem, der im Wollschal kondensiert und kleine Eiskristalle entstehen lässt. Die Schneeflocken, die hypnotisch aus dem verwirrend hellen Schneewolkenhimmel nach unten tanzen, vorbei an den Lichtkegeln der Straßenlaternen, nur um kurz zu zeigen, dass sie scheinbar keiner Richtung folgen möchten.

Das Stapfen durch den Schnee, wenn einem warm wird von der Anstrengung und kalt von außen. Das Knirschen der Schuhe auf der Schneedecke. Man blickt hinab und und beobachtet, wie die Schuhe kleine Schneeberge vor sich auftürmen. Als ob die Winterstiefel kleine weiße Zipfelmützen vorne tragen würden. Bis sie abfallen und untergehen in dem Schneemeer.

Man hört seinen Atem und sieht ihn auch. Er verscheucht immer für einen kleinen Moment die Flocken vor dem Gesicht und dann versucht man ganz ruhig zu atmen, dreht sein Gesicht nach oben Richtung Himmel und streckt die Zunge raus, um Schneeflocken zu fangen. Ganz feine kleine Stiche gibt es dann, die sofort zu einem kleinen nassen Punkt auf der Haut werden.

Alles ist ruhig, nur das Knirschen der Füße im Schnee und das leise Kratzen der Kufen. Autos fahren kaum – und wenn, dann nur ganz langsam, leise und vorsichtig über den Schnee. Alles lebt in Zeitlupe. Im Tempo der Flocken in den Straßenlaternen. Glück pur.

An einem Schneespaziergang an Heiligabend. Irgendwann in den 1980er Jahren.

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