Weihnachten (noch 2 Tage)

Ich war die letzten zwei Tage in Münster, meiner Geburtsstadt, die ich viel zu selten besuche. Es ist schön, vor allem mit etwas Abstand betrachtet, wie putzig sich die Stadt präsentiert und was für ein besonderer Schlag diese Münsteraner sind.

Es ist schön, hier zu sein. Es ist aber auch deswegen schön, weil ich weiß, dass ich wieder fahren kann und nicht hierbleiben muss. Dann würde es mich wahrscheinlich wieder etwas anöden…

Auf meiner Liste standen einige Punkte, die ich hier erledigen wollte. Zum Beispiel Mettenden kaufen. Oder über den Weihnachtsmarkt gehen. Und ein großer Punkt, der mir tatsächlich etwas schwer im Magen lag: ein Verwandtenbesuch, außerhalb in einer anderen kleinen Stadt in der Nähe.

Es ist ein Städtchen, durch das man auch gepflegt durchfahren kann ohne anzuhalten. Man verpasst touristisch gesehen nichts.

In meinem Fall wohnt direkte Verwandtschaft dort und da deren Gesundheitszustand nicht gut ist, wollte ich sie nochmal sehen. Das erste Mal seit ca. 20 Jahren. Beide gehen auf die 80 zu, sie leidet an einer Form der Demenz, er an Parkinson.

Und beide haben eine starke Wandlung mitgemacht dadurch: sie sind altersmilde geworden.

Während ich beide nur kenne als Ehepaar, dass sich triezt und piesackt, hat ihre Demenz bewirkt, dass sie über seine Witze lachen kann und voller Interesse an seinen Lippen hängt, wenn er etwas erzählt. Und er sagt, er habe sich in seine Frau verliebt, weil sie wieder so wäre, wie damals, als sie jung waren. Beide lächeln sich an, er zwinkert ihr zu, sie schaut ihn zwinkernd an.

Das hat mich dann auch ein bisschen getröstet während des Besuchs, der viel darin bestand, die immer gleiche Frage nach dem Namen meines Mannes zu beantworten, ihr zu sagen, dass ich nicht meine Mutter bin und mein Vater nicht mein Mann. Klingt verwirrend, war es auch, bis ich merkte, dass sie tatsächlich im Laufe des Gesprächs die Konzentration verlor und deswegen mich für meine Mutter hielt. Die neben ihr saß…

Morgen wollen sie den Baum aufstellen. Ihr Sohn, mein Cousin, hilft ihnen dabei. Er wohnt auch im Haus, jedoch oben. Er ist 53 und sehbehindert.

Knapp zwei Stunden war ich da und bin froh darüber. Und habe immer noch einen Stein im Magen. Aber einen, der nicht mehr so schwer wiegt…

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