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Von Wegen.

Ich war mal ein Teil einer kleinen Internetgruppe (in den Zeiten vor WhatsApp), in der sich einige Freundinnen und Bekannte über dieses und jenes ausgetauscht haben. Alltagssorgen, Dummzeuchs, Lustiges, alles mögliche.

In dieser Gruppe gab es eine Teilnehmerin, nennen wir sie A, die gerade eine Hausarbeit in ihrem Studienfach BWL schrieb. Irgendwas mit Ökonomie, Banken, Derivate, keine Ahnung. Und sie litt. Sie litt sehr unter diesem Thema – nicht ihrem Studienfach – weil es wirklich völlig an ihrer eigentlichen Spezialisierung vorbeiging und das Thema ihr nicht lag.

Sie verzweifelte. Und ließ ihren Ärger, ihren Frust immer mal wieder im Chat heraus.

„Scheiß Bankengedöns. Wenn ich nur von Banken lese, bekomme ich Herpes.“ oder „Wenn ich nur lesen muss, was Banker von sich geben, könnte ich kotzen. Es nervt, nervt, nervt.“ oder „Kann die nicht mal wer in ihre Schranken weisen?“

In dieser Gruppe gab es auch eine Mitarbeiterin einer Bank.

Nach einiger Zeit, es dürften zwei, drei Wochen gewesen sein, kam eine wutentbrannte Mail an mich, in der die Bankangestellte sich darüber beschwerte, dass es scheinbar niemanden interessiere, ob die Bekannte A ständig und sogar offen über sie lästere. Und sie sei diese Andeutungen und versteckten Beleidigungen leid. Sie sei nicht blöd und hätte durchaus verstanden, dass es um sie ginge. Und wenn jemand so über sie als Person reden würde, müsse sie sich sowas nicht antun.

Ich dachte darüber nach. Wie kann es sein, dass Menschen völlig aneinander vorbeischreiben? Wie kann es sein, dass jemand über Wochen eine Wut und Verletzung aufbaut, ohne einfach mal anzuklopfen und was dazu zu sagen? Oder nachzufragen? Woher kommt überhaupt die Idee, man sei bei allem, was ein anderer macht und sagt und schreibt, das Ziel?

Der Mann hat eine Theorie: Diese Missverständnisse, paranoiden Ideen oder Kränkungen entstehen meist dann, wenn man Geschriebenes liest, ohne das Gegenüber wirklich zu kennen. Wenn man nur ein Bild von ihm hat. Das aber hauptsächlich auf den eigenen Interpretationen fußt. Oder ihn nur vom Geschriebenen her kennt und seine eigenen Erfahrungen als Interpretation nimmt.

Menschen, die sich nahe stehe, viel Kontakt haben (besonders auch persönlich und vis-à-vis), missinterpretieren weniger oder beziehen auch weniger auf sich. Oder wissen es einzuschätzen. Im Zweifel fragen sie nach. Sie kennen den Tonfall, den Humor, wissen einzuschätzen, wie der andere das meint. Das alles fehlt beim Lesen. Besonders, wenn es auch noch um keine langen Texte, sondern um kurze Statements geht.

Daraus resultiert für mich, dass beim Geschriebenen eine besondere Verantwortung mitspielt. Sowohl beim Autor, als auch beim Leser. Die Konsequenz wäre ein zensiertes Schreiben – oder nicht zensiert, aber vielleicht missverständnisfrei. Also ein Ding der Unmöglichkeit.

Vielleicht muss man sich jedes Mal bewusst machen, dass es Menschen gibt, die Dinge falsch verstehen können und sich getroffen fühlen.

Vielleicht muss man das aber auch einfach in Kauf nehmen. Oder mal miteinander reden. Bei einem Kaltgetränk.