Splitter.

  • Das Jahr beginnt mit einer Schwiegermutter, die sich mühsam wieder zurückkämpft nach Krankenhausaufenthalt und einem Gewichtsverlust von fast 7 Kilo in fünf Wochen. Und viel Ärzteärger, weil Medikamente verschrieben werden, die sich nicht gut vertragen und die ihre Symptome noch verschlimmert haben. Dank hochkalorischer Flüssignahrung und Absetzen einiger Medikamente nach Rücksprache mit dem Internisten unseres Vertrauens, geht es langsam bergauf. Aber wenn das alles so weitergeht, kann ich bald fließend Befundsprech. Jetzt hat sie noch eine fette Bronchitis dazubekommen.
  • In den letzten 10 Tagen kamen dann drei Todesfälle hinzu, die uns nicht direkt betreffen, aber deren Angehörige liebe Freunde sind. Zuhören, trösten. Mir fehlen da oft die Worte, weil Schmerz so persönlich ist. Jeder empfindet einen Verlust anders und geht anders damit um. Und so sprechen wir über die schönen Dinge, um der Trauer einen Boden zu geben, um nicht zerstörerisch zu sein, sondern als Boden für einen beginnenden Prozess des Abschieds.
  • Beruflich wird es unruhig gerade. Es kündigen sich Dinge an, von denen ich noch nicht weiß, wohin es gehen wird. Es kann gut gehen, es kann schlecht laufen. Ich habe es nicht in der Hand und jeder Selbstständige weiß, wie schwierig genau das zu handhaben ist. Planlos. Aber zwangsoptimistisch.
  • Per Mail bekam ich Beschimpfungen geschickt, die mir vor allem eins zeigten: zu viele Menschen fühlen sich von zu vielen Dingen persönlich angesprochen und haben verlernt, das normale Gespräch zu suchen, um Differenzen auszuräumen.
  • Wenn die Filterblasen im Internet zum Angriff blasen, scheint es kein Halten mehr zu geben und der Ratschlag unserer Eltern „ignorier ihn einfach“ verwandelt sich in „ich hau dem jetzt auch ein Förmchen auf den Kopf“. Und wir alle lassen uns so schnell dazu hinreißen, Partei zu ergreifen und mitzukämpfen, weil uns der Mensch in unserer Filterblase symphatisch ist oder man seine Überzeugungen teilt, man ihn unterstützen und ihm das Gefühl geben möchte, er sei nicht allein. Leider machen das alle so, aber leider können nicht alle zwischen Sache und Person unterscheiden. Und plötzlich wird es persönlich, verletzend oder übergriffig.
  • Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen beginnen würden, nicht alles zu glauben, was ihnen erzählt wird. Besonders nicht über Dritte.
  • Der Mann wird 50. Er hat sich dazu entschlossen, einen kleinen Kreis lieber Menschen einzuladen. An zwei Tagen. Und ich hoffe so sehr, dass die Freunde aus der Ferne (aus Thüringen, Bayern und NRW) die Zeit und die Möglichkeit finden, es einzurichten. Es ist  für sie ein Kraftakt: weite Anreise, mindestens eine Übernachtung (Himmel, ich hoffe, sie buchen kein Hotel in unserem Ort hier!) und das alles für ein paar Stunden Geselligkeit und Essen. Apropos Essen: Immerhin wird dieses Mal nicht selbst gekocht, sondern ein Caterer engagiert… Die Einladungen sind im Druck und gehen dann hoffentlich diese Woche noch raus. Lassen wir uns überraschen.
  • Ich habe immer noch keine adäquate Befestigung für meinen Lego-Raumgleiter gefunden.
  • Mein Yoga-Vorhaben liegt immer noch auf Eis. Die VHS-Kurse sind voll und die Yoga-Schulen kosten so irre viel. Aber ich möchte das machen. Immerhin hat mir eine liebe Freundin schon Tipps gegeben und zur Einstimmung eine CD mit Meditationen geschickt.
  • In Ermangelung von Reise-Ideen liegt die Planung des Sommerurlaubs auf Eis. Immerhin geht es bald nach Barcelona für vier Tage und der Housesitter ist auch schon engagiert.
  • Vorher geht es aber auf ein, Obacht, UB40-Konzert und ich bin mir nicht sicher, was das so geben wird. Ich hoffe, es wird so gut, wie erhofft. Aber, im Ernst: die möchte ich wirklich noch mal sehen in meinem Leben. Oder ihrem. Was auch immer.
  • Ich habe mit Besorgtbürgern über Naziparolen, Gewaltstatistiken, Unterstützung für Hartz-IV contra Flüchtling contra Rente und „Alternative Fakten“ gesprochen. Online bei einem Nachrichtenportal. Und es endete wie immer: Behauptungen wurden in den Raum geworfen, von jemandem widerlegt, das dann aber konsequent ignoriert und die nächste Behauptung in den Raum geworden, die widerlegt wurde, tbc. Am Schluss haben diese Schlechtmenschen dann angefangen, die übrigen Kommentatoren zu beleidigen und persönlich anzugreifen. Wenn die Argumente ausgehen, schlägt man eben zu. Und ich wurde gefragt, warum ich mir das überhaupt antue. Und ich antworte: damit ich mir nie vorwerfen (lassen) muss, dass ich nichts gegen diese Neurechten getan habe. Ich möchte nicht einer von denen sein, die alles schweigend ansehen, wegsehen, übersehen. Und sich nachher fragen lassen müssen, wie das passieren konnte oder wie es so weit kommen konnte.
  • Mein neues Smartphone macht mich fertig. Ja, ich kann es aufgrund der Größe nicht mehr in die Hosentasche stecken – aber, ey, ich kann es wegen der Größe in so gut wie keine Tasche mehr stecken! Der Mann sagt, ich habe kein Smartphone, sondern einen Speckbrettschläger mit Online-Funktion angeschafft. Ich fürchte, er hat Recht.
  • Das Auge der Katze ist besser geworden. Was für uns heißt: wir werden uns jetzt wieder dem Kater widmen und den Verdacht auf einen Herzfehler prüfen lassen.
  • Ein langer Spaziergang gestern über die Felder, eiskalte Luft und strahlend blauer Himmel, dann ein Sonnenuntergang vom Feinsten und später dann müde Beine: das Wochenende haben wir damit beendet, dass wir uns Zeit für uns und für Bewegung genommen haben. Die Bewegung kommt gerade deutlich zu kurz und ich merke, wie ich immer träger werde. Dagegen half dann gestern die 8-Kilometer-Runde und das freie Atmen ohne Trubel um uns herum. Bitte bald wieder.
  • Mir fallen noch tausend andere Dinge ein, die passiert sind. Aber ich bin müde. So müde.

Von Wegen.

Ich war mal ein Teil einer kleinen Internetgruppe (in den Zeiten vor WhatsApp), in der sich einige Freundinnen und Bekannte über dieses und jenes ausgetauscht haben. Alltagssorgen, Dummzeuchs, Lustiges, alles mögliche.

In dieser Gruppe gab es eine Teilnehmerin, nennen wir sie A, die gerade eine Hausarbeit in ihrem Studienfach BWL schrieb. Irgendwas mit Ökonomie, Banken, Derivate, keine Ahnung. Und sie litt. Sie litt sehr unter diesem Thema – nicht ihrem Studienfach – weil es wirklich völlig an ihrer eigentlichen Spezialisierung vorbeiging und das Thema ihr nicht lag.

Sie verzweifelte. Und ließ ihren Ärger, ihren Frust immer mal wieder im Chat heraus.

„Scheiß Bankengedöns. Wenn ich nur von Banken lese, bekomme ich Herpes.“ oder „Wenn ich nur lesen muss, was Banker von sich geben, könnte ich kotzen. Es nervt, nervt, nervt.“ oder „Kann die nicht mal wer in ihre Schranken weisen?“

In dieser Gruppe gab es auch eine Mitarbeiterin einer Bank.

Nach einiger Zeit, es dürften zwei, drei Wochen gewesen sein, kam eine wutentbrannte Mail an mich, in der die Bankangestellte sich darüber beschwerte, dass es scheinbar niemanden interessiere, ob die Bekannte A ständig und sogar offen über sie lästere. Und sie sei diese Andeutungen und versteckten Beleidigungen leid. Sie sei nicht blöd und hätte durchaus verstanden, dass es um sie ginge. Und wenn jemand so über sie als Person reden würde, müsse sie sich sowas nicht antun.

Ich dachte darüber nach. Wie kann es sein, dass Menschen völlig aneinander vorbeischreiben? Wie kann es sein, dass jemand über Wochen eine Wut und Verletzung aufbaut, ohne einfach mal anzuklopfen und was dazu zu sagen? Oder nachzufragen? Woher kommt überhaupt die Idee, man sei bei allem, was ein anderer macht und sagt und schreibt, das Ziel?

Der Mann hat eine Theorie: Diese Missverständnisse, paranoiden Ideen oder Kränkungen entstehen meist dann, wenn man Geschriebenes liest, ohne das Gegenüber wirklich zu kennen. Wenn man nur ein Bild von ihm hat. Das aber hauptsächlich auf den eigenen Interpretationen fußt. Oder ihn nur vom Geschriebenen her kennt und seine eigenen Erfahrungen als Interpretation nimmt.

Menschen, die sich nahe stehe, viel Kontakt haben (besonders auch persönlich und vis-à-vis), missinterpretieren weniger oder beziehen auch weniger auf sich. Oder wissen es einzuschätzen. Im Zweifel fragen sie nach. Sie kennen den Tonfall, den Humor, wissen einzuschätzen, wie der andere das meint. Das alles fehlt beim Lesen. Besonders, wenn es auch noch um keine langen Texte, sondern um kurze Statements geht.

Daraus resultiert für mich, dass beim Geschriebenen eine besondere Verantwortung mitspielt. Sowohl beim Autor, als auch beim Leser. Die Konsequenz wäre ein zensiertes Schreiben – oder nicht zensiert, aber vielleicht missverständnisfrei. Also ein Ding der Unmöglichkeit.

Vielleicht muss man sich jedes Mal bewusst machen, dass es Menschen gibt, die Dinge falsch verstehen können und sich getroffen fühlen.

Vielleicht muss man das aber auch einfach in Kauf nehmen. Oder mal miteinander reden. Bei einem Kaltgetränk.

 

 

2017

Viel los 2017:

  1. Neue Projekte liegen schon auf dem Tisch
  2. Bald ist mein Geburtstag
  3. Ich werde mit Yoga anfangen (stehe schon auf der Warteliste)
  4. Konzerte, Konzerte, Konzerte:
    Depeche Mode, Coldplay, Simple Minds, UB40, Laith Al-Deen (tbc)
  5. Der Mann wird 50
  6. Wir fahren nach Barcelona
  7. Im Sommer ruft das Meer oder die Toscana
  8. Im Herbst die Berge

Dann stehen noch so einige Pläne hier: mein Englisch auffrischen, Französisch lernen (mais oui!) – wenigstens die ersten Brocken, Münster besuchen, neue und alte Freunde wiedertreffen.

Außerdem habe ich mir groß auf die Fahne geschrieben: Mehr Menschen ignorieren, die mir nicht gut tun und dafür mehr Menschen treffen, die es tun.

Warten wir es ab.