IF 1

IF steht für Intermittierendes Fasten. Und das steht für das Loch im Bauch, das ich zum jetzigen Zeitpunkt habe. Denn meine Fastenperiode geht jetzt seit 14 Stunden. Gestern Abend um kurz vor 19 Uhr habe ich zu Abend gegessen. Seitdem gab es Wasser, schwarzen Kaffee und grünen Tee.

Letztes Wochenende haben wir begonnen, die 16/8-Methode zu praktizieren. Warum überhaupt? Weil ich immer mehr zunehme und damit sehr unglücklich bin. Noch unglücklicher bin ich aber mit Diäten und Ernährungskonzepten, die mir bestimmte Lebensmittel versagen möchten.

Low Carb hat bei mir dazu geführt, dass ich zugenommen habe. Fast 5 Kilo haben mir damals die zwei Monate eingebracht, die wir auf Kohlenhydrate fast völlig verzichtet habe, bzw. nur tagsüber und „guten Stoff“ zu uns genommen haben. Vollkornnudeln und Co. sind geschmacklich nicht meins und ich liebe Kartoffeln.

Meine Ärztin sagte, dass ich eben die Kohlenhydrate bräuchte. Es gäbe einfach Menschen, die aufgenommene Nährstoffe unterschiedlich verwerten. Jo, hab ich gemerkt.

Doch egal, was ich gemacht habe, es hat nichts gebracht, denn ich esse gern und mit Genuss, Verzicht auf bestimmte Lebensmittel macht mir schlechte Laune und mich sklavisch an Essenspläne zu halten, ruft bei mir Bockigkeit hervor. Und kommt mir nicht mit Punkte zählen: wenn ich esse, möchte ich nicht rechnen. Essen mit Punkten gleichzusetzen, nimmt mir die Sinnlichkeit des Essens. Es reduziert das Essen auf Nahrungsaufnahme.

Vor zwei Jahren erzählte mir eine Kollegin, sie würde intermittierend fasten. Einen Tag Essen, einen Tag nicht. Äh, aha. Ja, das sei für sie die einzige Möglichkeit der Diät und um ihr Gewicht zu halten.

Die Vorstellung, einen ganzen Tag (bzw. in diesem Fall sogar 36 Stunden, denn die Nacht davor und danach gehören zur Tastenperiode dazu) hat mich in einen schockähnliches Zustand versetzt. Im Hinterkopf blieb es aber hängen.

Irgendwann begann ich, mich mit dem Thema zu beschäftigen: Es gibt verschiedene Arten des IF. Verschiedene Konzepte. Gemein haben alle, dass Essen und Fasten sich abwechseln und es wichtig ist, diese Fastenperiode strikt einzuhalten.

Natürlich gibt es viele wissenschaftliche Untersuchungen dazu, viele Erklärungen zu Insulinausschüttung, Blutzuckerwerten, Bluthochdruck und Co. Für mich war aber ein simpler Gedanke überzeugend: Erst seit relativ kurzer Zeit steht uns Menschen permanent Essen in unbegrenzter Menge zur Verfügung. Wir können jederzeit alles konsumieren, was wir wollen – und müssen dafür kaum noch was machen. Im Gegensatz zu früher: damals stand man morgens auf, um sein Essen zu jagen, zu sammeln und herzustellen. Oder dafür zu arbeiten. Erst dann konnte man es essen. Man konnte nicht aufstehen und zum Kühlschrank gehen.

Das bedeutete eine längere Periode des Nicht-Essens. Denn es war schlicht nichts da. Wenn was da war, hat man gegessen. Das Zeitfenster war aber recht gering, denn auch abends auf der Couch (haha) stand eben nicht die Chipspackung bereit.

Unser Körper, unser Stoffwechsel, ist nicht auf unbegrenzt zur Verfügung stehende Nahrung ausgelegt und lagert ein, weil er für die nächste Hungerperiode vorsorgen möchte – die aber nicht kommt und daher die Reserven nicht angegriffen werden.

Ich spreche jetzt hier nicht von Sportlern, körperlich hart arbeitenden Menschen, die die zugefügten Kalorien auch direkt verwenden können. Ich spreche von jemandem wie mir, der von morgens bis abends am Schreibtisch sitzt und dann mal eine Runde Wandern geht.

 

 

Für mich durchaus nachvollziehbar und durch den Mangel an Verboten auch akzeptabel.

So sind wir bei der 16/8-Methode gelandet, die bedeutet, dass wir 16 Stunden keine Kalorien zu uns nehmen, aber viel trinken müssen (Wasser, Tee und Kaffe – aber ungesüßt und ohne Milch) und in den übrigen 8 Stunden normal essen.

Zusätzlich haben wir unsere alten Regeln wieder hervorgekramt, dass es in der Woche weder Alkohol, noch Süßigkeiten gibt.

Die erste Woche ist jetzt rum und ich kämpfe. Ich kämpfe nicht wirklich, weil mir etwas fehlt, ich habe keinen Mangel, sondern weil ich wieder lerne, was es bedeutet, Hunger zu haben und auszuhalten. Nicht beim kleinsten Appetit in die Küche zu gehen und einen Apfel, eine Banane, einen Joghurt zu essen. Oder ein Brot, einen Riegel Schokolade oder einen weiteren Kaffee mit Milchschaum und Zucker zu trinken.

Tatsächlich trinke ich jetzt viel mehr als vorher, aber anders. Statt zwei Tassen Kaffee trinke ich einen Kaffee schwarz und danach Tee. Ingwertee, Schwarzen Tee, grünen Tee. Und Wasser. Ich habe noch nie so viel Wasser am Tag getrunken, wie diese Woche. Ich merke, dass das Hungergefühl morgens nachlässt, wenn ich ein Glas Wasser trinke und frage mich, ob ich nicht oft eher einen Mangel an Flüssigkeit hatte, als einen Mangel an Nahrung.

Ich kämpfe also mit meinen Gewohnheiten. Oder gegen sie.

Interessanterweise hat sich einiges bei mir verändert: Der Kaffee mit Milch und Zucker, den ich mir nachmittags gönne, schmeckt mir fast schon zu süß und so reduziere ich schon den Zucker da drin. Ich süße mein Müsli nicht mehr extrem nach. Und ich habe keinen Heißhunger auf Schokolade, Kekse oder Chips. Der Verzicht auf Zucker morgens hat also bei mir bewirkt, dass mein Bedürfnis nach Zucker weniger wird.

Trotzdem habe ich gebacken (zum Valentinstag 8 Muffins), von denen ich zwei Stück insgesamt gegessen (und genossen) habe. Der letzte Muffin ist jetzt so angetrocknet, dass ich ihn wohl wegschmeißen muss.

Ansonsten esse ich normal. Es gibt zwei Mahlzeiten am Tag (eine mittags und eine abends), die aber ohne irgendwelche Einschränkungen. Wir kochen nicht anders, wir essen nicht anders. Durch den Wegfall einer Mahlzeit (Frühstück), bzw. meinem Frühstückersatz Kaffee, ist die Kalorienzufuhr automatisch reduziert. Ich hoffe, dass das bei mir eine Gewichtsreduktion bewirkt und der Verzicht auf einige Mengen an Zucker bei mir die Blutwerte verbessert. Wobei ich sehr gute Blutwerte habe. Aber, wie immer gibt es Optimierungspotenzial.

Ich werde also hier ab und zu über unser IF-Experiment schreiben. Vielleicht hat ja der ein oder andere damit schon Erfahrung und möchte sie teilen. Ich bin gespannt, wann das Tief kommt. Denn bisher merke ich eher, dass ich aktiver werde. Besonders morgens…

Mögen die Spiele beginnen.

 

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8 Gedanken zu “IF 1

  1. Ich habe liw carb auch probiert. Und erst fühlte sich das gut an. Aber ich bin ein Brot-Kartoffel-Müsli-Nudel-Junkie. Und mir fehlt ohne Kh einfach was. Über das Fasten habe ixh auch nachgedacht aber ich habe echt doofe Arbeitszeiten für solche Experimente. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei. :-)

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      1. Ich stehe um vier auf und muss um halb sechs auf der Arbeit sein. Bis 14.00 Uhr. Und dann muss das warme Essen mit der Familie kompatibel sein. Passt einfach nicht. Aber ich habe auch so eine ganz gute Lösung gefunden und bin auf dem Weg.

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  2. ich habe 16/8 vor 1,5 jahren begonnen weil mich das sofort überzeugt hat ubd sehr gut zu meiner art zu essen passt – nämlich dann alles zu essen was ich essen will wenn ich esse :) mittlerweile ist das ein völlig natürlicher rhythmus für mich geworden :)

    viel erfolg wünsch ich dir! 😘

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    1. Ach, sieh an. Irgendwie wundert mich das jetzt nicht :) Ja, ich finde auch, dass es irgendwie passt. Die einzige Möglichkeit für mich, meine Esslust zu kanalisieren.

      Wie war es denn am Anfang bei Dir? Und hast Du Veränderungen an Dir festgestellt?

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      1. ich bin da so reingerutscht. das war währned des italienurlaubs…ich hab da nie gefrühstückt bez. erst so gegen 11 manchmal 12. und dann erst abends wieder was gegessen. ich hab dann gemerkt, dass es mir ohne frühstück super geht, dass ich das irgendwie nicht brauche. ich hab das dann beibehalten und erst monate später von diesem fasten erfahren. ich lasse das frühstück weg ubd esse mittags was kleines – das passt super weil ich sonst nicht mehr arbeiten könnte sondern schlafen müsste :))) ubd am abend esse ich dann normal warm. ich hab festgestellt, dass ich grundsätzlich weniger hunger habe aber noch besser: ich spüre viel besser mein körpergefühl. ich bin da so oft über grenzen – sportlich, gesundheitlich und auch von der selbstkasteiung her. das hat sich völlig verändert. für mich ist diese art zu essen genau das richtige – ich kann essen was ich will halt eben nur zu bestimmten zeiten die aber zufällig super passen für mich ;)

        vom gewicht her kann ich nichts sagen, ich hab ja seit jahren keine waage mehr. aber ich hab scheints zumindest nicht zugenommen :))

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  3. Pingback: IF 2 | Petrolgrau

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