Barcelona

Eintauchen ins pure Leben, eine pulsierende und lebendige Stadt erleben, katalanische Küche genießen und Sonne tanken: in Barcelona geht alles und mehr.

Lange stand Barcelona auf unserer Liste und jetzt endlich haben wir es geschafft: vier Tage in dieser wunderschönen Stadt. Und lauten.

Tag 1:

Wer den Frankfurter Flughafen gewohnt ist, freut sich über den verhältnismäßig kleinen Aeropuerto Barcelona-El Prat. Von dort aus hat man verschiedene Möglichkeiten in die Stadt zu kommen, denn der Flughafen liegt leicht außerhalb.

Unser Hotel lag „zentral und verkehrsgünstig“ am oberen Rand des gotischen Viertels, des Barri Gòtic. Das bedeutete für uns, dass wir zu Fuß sowohl durch das Barri Gòtic, als auch durch das Viertel Gràcia, das Künstler- und Studentenviertel, direkt vom Hotel aus streifen konnten. Es bedeutet in einer Stadt wie Barcelona aber auch: Lärm. Man kann keine Metropole besuchen und zentral wohnen, ohne Stadtlärm. Bei uns war eine Metrostation unter dem Haus (in Barcelona ist die Metro unter dem Haus nicht ungewöhnlich), vor der Tür ein Taxistand, eine Bushaltestelle und eine dreispurige Einbahnstraße. Fenster auf war kaum möglich und die Metro ließ durchaus mal die Glastüren der Dusche klirren. Hier kommt es wohl darauf an, wie weit oben man im Hotel wohnt. Unseres war eben nur im ersten Stock.

Ich erlaufe mir gern Städte, die ich besuche. Daher sind bequeme Schuhe das erste, das ich einpacke. Dieses Erlaufen bringt so viele Eindrücke einer Stadt, man sieht auch die hinteren Ecken, die kleinen Gassen, die Hinterhöfe. Kleine Läden, Cafés, Galerien. Außerdem bekommt man ein Gefühl für die Stadt. Irgendwie.

Barcelona bietet hier unglaublich viel zu erlaufen, da die Altstadt und auch die anderen Stadtviertel oft so enge Gassen haben, dass kein Bus dort fährt. Und warum auch nicht in Ruhe flanieren? Wer sein Programm nicht so eng steckt, dass er in Zeitnot gerät, sollte sich einfach mal treiben lassen.

Einige Termine sollte man sich trotzdem fix machen, wenn man etwas von innen besuchen möchte. Wer glaubt, er könne mal eben in die Sagrada Familia gehen, wird enttäuscht. Die Wartezeit für Karten beträgt mitunter einige Stunden. Wohl dem, der sich Karten vorab online bestellt hat und zu einem festgelegten Termin mit wenig Anstellen reingelassen wird. Bei der Sagrada Familia empfehle ich dazu noch den Audio Guide. Nur durchlaufen und gucken ist schön, aber die Erklärungen sind noch besser. Wer noch Fragen beantwortet haben möchte, kann auch eine geführte Tour machen. Alles eine Frage des Preises.

Preise, ja. Die Eintritte sind nicht ohne. Daher sollte man sich wirklich überlegen, was einen interessiert, ob man das fünfte Gaudí-Haus wirklich besichtigen möchte… Gaudí ist allgegenwärtig und jede Hauswand, gegen die er mal gepinkelt hat, wird mit Eintrittsgeldern zur Besichtigung angeboten. Wer nicht wirklich architekturaffin ist und ein Gaudífan, kann sich die Gebäude auch gern online ansehen. Reicht.

An unserem ersten Tag liefen wir von unserem Hotel aus Richtung Arc de Triompf, konnten den Straßenartisten und -künstlern eine Weile zuschauen, wie sie Seifenblasen machten oder Hebefiguren übten, gingen dann weiter durch den Parc de la Ciutadella, der beim kleinsten Sonnenstrahl voll ist mit jungen Menschen, die auf den Wiesen rumliegen, um dann Richtung Hafen zu stromern. Ein bisschen die Hafenpromenade rauf und runter, ein Eis im Gocce di latte und dann ein Rundgang durch das Barri Gòtic (die Altstadt, das gotische Viertel), ein kleiner Aufenthalt im Mercat de Santa Caterina dessen Gebäude auch ein gutes Restaurant beherbergen soll, ein Blick in das Museu d’Historia de la Ciutat, Essen im Casa Lolea mit typischem Absacker in Form von Vermut. Dann zurück zum Hotel.

Geschmeidige 15 Kilometer waren es dann am ersten Tag auch.

Tipps:

  • Nehmt den Aerobus für die Fahrt zwischen Stadt und Flughafen. Dieser kostet pro Fahrt zwar mehr, als der normale Bus, ist aber auch doppelt so schnell und bringt Euch in ca. 30 Minuten direkt zu den drei Haltepunkten in Barcelona. Welche Linie man nimmt, hängt vom Terminal ab, an dem man landet oder abfliegt: Zu Terminal 1 fährt A1 (Aerobus 1), zu Terminal 2 der A2.
  • Holt Euch keine Tageskarte für die Metro. Oder Mehrtageskarte. Holt Euch 10er-Karten. Die kosten knapp 10 Euro und so lange man im Metro-Netz unten ist, fährt man mit ein Mal stempeln fast überall hin. Wir hatten zwei 10er-Karten für vier Tage und hatten am Ende noch zwei Fahren übrig. Generell ist das Metronetz wirklich gut ausgebaut und man kommt problemlos und schnell quer durch die Stadt, wenn man weitere Strecken zurücklegt. Das System ist denkbar einfach: man stempelt seine Karte beim Betreten der Metro ab – und bewegt sich dann unten frei.
  • Tickets vorab online kaufen für die Sehenswürdigkeiten.
  • Den Mercado de la Boqueria kann man sich anschauen. Sollte man sich vielleicht auch mal anschauen. Aber wer sehen möchte, wie es auch geht, besucht einen der zahllosen anderen Märkte, die nicht so touristisch überlaufen sind.
  • Spart Euch den Hopp-on-hopp-off-Bus. Er kostet verdammt viel am Tag und man schafft eh mit den Wartezeiten und Besichtigungen nur zwei bis drei Sehenswürdigkeiten am Tag, wenn man aussteigt. Und nur zum Rumfahren in der Stadt ist es schon teuer. Wenn Ihr natürlich wahnsinnig gerne Sightseeing per Bus macht, dann bitte.
  • Als Vorbereitung auf den Städtetrip haben wir uns eine Google-Maps-Karte gemacht, auf der wir alles markiert und eingetragen haben, was wir sehen wollten. Inklusive Bars, Tapas-Restaurants, Sehenswürdigkeiten und Märkte.
  • Wer kulinarisch begeisterungsfähig ist, sollte eine Food-Tour machen mit Guide.

 

Tag 2:

Wir hatten Karten für eine Audiotour durch die Sagrada Familia. Man sollte pünktlich sein, da man nur eine halbe Stunde Zeitfenster für den Einlass hat. Wir waren zu früh und mussten deswegen noch einen Cava trinken in einem Café. So ein Mist…

Drinnen dann nochmal Warten auf das Abspielgerät. Dann los.

Außer „Wow“ fiel mir die erste halbe Stunde nicht viel ein. Es ist beeindruckend. Farbenfroh. Unglaublich. Anders. Unfassbar. Und voll. In die Sagrada Familia passen ca. 10.000 Menschen. Die waren zwar nicht alle da, aber von „leer“ waren wir weit entfernt.

Was für ein Meisterwerk. Man kann dort viel Zeit verbringen, auch wenn man sonst keine sakralen Bauten mag. Oder sich nicht für Architektur interessiert. Es ist ein Erlebnis und ein Mal sollte man die Sagrada Familia besuchen, wenn man schon in Barcelona ist. Es lohnt sich trotz des Eintrittspreises.

Von der Sagrada Familia geht es „um die Ecke“ zum Hospital de Santa Creu i de Sant Pau. Das sind ca. 1,5 Kilometer. Dieses Hospital hat Maßstäbe gesetzt in seiner Zeit. Man kann die Gebäude besichtigen, die wundervollen Kacheln anschauen und die Tunnel unter dem Hospital, die jedes Gebäude mit den anderen verbindet. Natürlich ist es nicht interessant, wenn einen alte Gebäude und Architektur, Geschichte etc. nicht interessieren. Ansonsten ist es auf jeden Fall einen Besuch wert. Allein der Duft zwischen den Gebäuden durch die Orangenbäume und Lavendelbüsche ist wunderbar.

Wir hatten noch das Glück, dass es den Perspective Playground von Olympus im Hospital gab. Ein wirklich gelungener Parcour mit optischen Täuschungen, verschiedenen Perspektiven und Installationen, die man mit (geliehener Olympus-)Kamera entdecken konnte.

Danach ging es zur Boqueria, um auch diesen Markt mal gesehen zu haben. Es war sehr voll, sehr teuer und nicht so schön, wie erhofft. Die Auswahl ist natürlich sensationell und man sollte in jedem Markt auf jeden Fall essen, trinken und rumschlendern. Aber sind wir mal ehrlich: die kleineren Markthallen haben mehr Charme… Der Mercado de La Boqueria geht von La Rambla ab. Entsprechend voll ist es. Auch bei Regen. Oder besonders bei Regen.

Den hatten wir erstaunlicherweise auch an einem Tag. Oder wie die Katalanen sagten: So was gibt es sonst nicht. Abends gab es ein so heftiges Gewitter, dass die Metro nicht mehr fahren konnte.

Zum Abschluss ging es für uns natürlich noch ein bisschen durch die Stadtviertel und dann über das Casa Alfonso zurück zum Hotel. Und wer denkt, dass wir ja ständig Tapas aßen – der hat Recht.

Wer in Spanien ist und keine Tapas isst, ist doof. Ehrlich. Das Gute an den verschiedenen Tapas-Bars ist ja auch, dass man die gleiche Speise immer wieder bestellen kann und sie immer wieder anders schmeckt. In unserem Fall waren das die Patatas Bravas. Sehr typisch und immer anders. Und ich liebe sie.

Tag 2 waren dann auch wieder 15 Kilometer.

Tipps:

  • Vorher informieren, ob einen eine Sehenswürdigkeit wirklich interessiert. Manche Gebäude sind nur für Fans interessant.
  • Achtung vor Taschendieben. Barcelona ist ein heißes Pflaster und man sollte sich ruhig abgucken, wie die Katalaninnen ihre Taschen tragen: vor dem Körper und quer über die Schultern. Viele tragen sie auch unter der Jacke. Wir hatten den Eindruck, einige Male abgecheckt worden zu sein und waren froh, dass wir unsere kleinen Taschen sehr körpernah tragen konnten und die nur das Minimum an Wertsachen dabei zu haben.
  • Mit Englisch kommt man überall sehr gut durch. Über ein paar Brocken Spanisch oder Katalanisch freuen sich die Leute aber. Wie überall.

 

Tag 3:

Ab mit der Metro Richtung Park Güell! Wir haben den Fehler gemacht, hier keine Karten vorzubestellen… Wobei man sagen muss, dass es einen öffentlichen Teil gibt und einen kleineren, kostenpflichtigen Teil. In diesem kostenpflichtigen Teil stehen wieder, genau, Werke Gaudís. Trotzdem mussten wir nur insgesamt 35 Minuten warten, weil wir zum Start da waren.

Die Anreise ist leicht: mit der Metro zu einer der zwei Haltestellen (Vallcarca oder Lesseps – wobei ich die erste empfehlen würde) und dann den Schilder nach. Nach oben. Hier ist man so freundlich und hat irgendwann Mitleid mit den Lauffaulen in Form von Rolltreppen. Nutzt sie. Wirklich. Man läuft schon genug…

Auch beim kostenpflichtigen Teil kommt man um Wartezeit nicht drumherum, da man auch bei vorbestellten Tickets nur zu einer bestimmten Zeit eintreten darf und immer nur eine bestimmte Anzahl von Gästen. Es kann also sein, dass man eine Stunde am Kassenhaus warten muss und dann nochmal eine halbe Stunde oder Stunde vor dem kostenpflichtigen Teil.

Ich persönlich würde nur noch in den öffentlichen, kostenlosen Teil des Park gehen und dort rumbummeln. Anders als im kostenpflichtigen, ist es nicht so überfüllt und die Leute haben mehr Platz. Hinzu kommt, dass die Kampftouristen, wie z.B. die Asiaten, die Europa in 8 Tagen gebucht haben, sich selten in diesen Teil verlaufen und man daher nicht umgerannt oder angebrüllt wird.

Wer sagt, dass Asiaten zurückhaltend und höflich sind, stand wohl noch nie mit 30 Asiatinnen vor einem Klo an…

Im öffentlichen Teil des Parks sind wir dann noch ein bisschen rumspaziert, bevor wir zurück zur Metro liefen, um uns zum Tibidabo zu begeben.

Der Tibidabo, der größte Berg Barcelonas, trennt die Stadt vom Hinterland. Er ist allgegenwärtig, sichtbar und ich finde, man muss oben gewesen sein. Allein wegen der Aussicht auf diese beeindruckende Stadt.

Mit der Metro fährt man bis zur Endstation, der Avinguda del Tibidabo. Von hier hat man drei Möglichkeiten: zu Fuß hoch, mit dem Bus oder mit der Tramvia Blau. Diese historische Tram kostet ordentlich, ist aber eben auch ein bisschen was typisches. Alle Wege führen durch das Villenviertel den Berg hoch. Die Fahrt dauert ca. 10–15 Minuten.

Am Ende der Fahrt kommt man an einem Platz an, an dem man entweder ganz entspannt nochmal was trinken geht und schon dort die Aussicht genießt, oder direkt mit der Funicular (Seilbahn) hoch auf den Tibidabo fährt. Oben auf dem Tibidabo finden sich der Parque d’Atraccions, ein Vergnügungspark, und die Sagrada Corazón. Der Vergnügungspark ist mit Eintritt (ordentlich!) und lohnt in erster Linie für Kinder. Man kann sich aber auch einfach dort oben kostenlos auf dem Aussichtsplateau aufhalten und das Panorama der Stadt genießen, den Blick aufs Meer oder die Kirche. Die Kirche kann ebenfalls besichtigt werden und ist innen klein und bunt.

Wieder runter vom Berg bis zur Metro läuft man einfach. Man kann die Straße gehen oder direkt durch einen kleinen (hässlichen) Park laufen. Ist günstiger und es geht bergab. Wer dann schon mal in der Ecke ist, sollte unbedingt im Stadtviertel Gràcia aussteigen und dort das Leben genießen. Kleine Gassen, kleine Plätze, viele kleine Cafés und Bars. Live-Musik an vielen Ecken, die Menschen sitzen auf dem Boden, den Mäuerchen, auf Stühlen und essen und trinken. Kleine Läden zum Shoppen, viel Kultur, viele junge Menschen. Ein wundervolles Gewusel. Wir waren, natürlich, eben mal was essen – dieses Mal im L’Anxoveta. Danach durch das Viertel, treiben lassen. Einen Abstecher in die Pastisseria Principe, die arabische Leckereien für einen Euro pro Stück anbietet.

Wir haben uns natürlich ein paar mitgenommen, um diese dann nach dem Fußweg zurück ins Hotel nach der Ankunft mit einem Bier auf dem Minibalkon unseres Zimmers zu essen.

Abends haben wir uns dann nochmal ins gotische Viertel begeben (quasi aus dem Hotel rausgefallen und rein ins Gerüsel). Wer Barcelona am Tag schon lebhaft findet, wird an einem Samstag Abend überwältigt sein. Das ganze Viertel vibrierte von Menschen, Musik und Gerüchen nach Essen, Trinken – und Kiff.

Barcelona ist für mich die Stadt der Kiffer und Köter. Jeder zweite Einwohner scheint einen (großen) Hund zu haben, mit dem er dann meist leinenfrei durch die Innenstadt läuft. An jeder zweiten Ecke steigt einem der Geruch von Cannabis in die Nase und die Katalanen laufen wie selbstverständlich mit Joints durch die Straßen.

In Barcelona ist kiffen zwar nicht explizit erlaubt, aber der Anbau und Konsum für den Eigenbedarf ist erlaubt. Also sind über 300 „Privatclubs“ entstanden, die „für den Eigenbedarf ihrer Mitglieder“ (hust) Cannabis anbieten. Wer also ein Problem mit Kiffen hat, ist in Barcelona definitiv falsch. Besonders abends.

Gassen, die am Tag fast leer waren, sind abends voll. Die Läden öffnen oft erst zum Abend hin, die Siesta wird ernst genommen. Aber abends erwacht diese Stadt und alles scheint auf den Beinen zu sein. In Kirchen finden Predigten statt, während Touristen durch die Kirche laufen, Straßenmusikanten an allen Ecken, vor den Tapas-Bars stapeln sich die Menschen.

Wir haben ein bisschen was getrunken, haben uns von den Menschen mitziehen lassen durch das Viertel und sind dann wieder ins Hotel.

Tag 3 hatte 17 Kilometer Fußweg insgesamt.

Tipps:

  • Den kostenpflichtigen Teil des Park Güell empfehle ich nur, wenn man die Werke wirklich von nahem sehen möchte und keine Scheu vor Touristenmassen und Warterei hat. Ansonsten kann man die Bauten auch von außerhalb, also vom öffentlichen Parkteil sehen und dort die kleine Auszeit von der Stadt genießen.
  • Nehmt Euch kaltes Bier mit. Ernsthaft. Sich in der Sonne auf eine der Bänke im Park niederzulassen, den Blick über Barcelona zu genießen und dabei ein kaltes Bier zu trinken, ist toll. Gleiches gilt für den Tibidabo. Die Kosten für Getränke sind da oben ordentlich. Wohl dem, der was dabei hat.
  • Im Frühling ist es auf dem Tibidabo deutlich kühler, als in der Stadt! Der Berg ist 520 Meter hoch und da merkt man schon den Unterschied, wenn es gerade erst Frühling wird.
  • Spart Euch La Rambla. Wer shoppen gehen will, sollte in die Viertel gehen. La Rambla ist wie die Zeil in Frankfurt. Ketten haben hier ihren Sitz und es ist eben einfach nur eine Einkaufsmeile. Hinzu kommt, dass sich hier auch die Touristenfallen finden – und die bekannten Taschendiebe. Es ist ohne wirklichen Charme.
  • Jeder in Barcelona kennt übrigens die beste aller Tapas-Bars. Jeder. Und es sind immer andere. Von daher: schaut, wo es voll ist…

 

Tag 4:

Wir haben den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück begonnen und sind dann zum Mirador de Colom aufgemacht, dem Kolumbusdenkmal. Das nicht unumstrittene Denkmal steht am Jachthafen und bietet eine kleine Aussichtsplattform in 50 Meter Höhe. Für ca. 6 Euro können eine Handvoll Menschen oben den Blick auf Barcelona genießen. Jeweil zu zweit wird man mit dem Aufzug nach oben gefahren und kann dort innen und geschützt durch Fenster runtergucken. Man sieht von dort dann direkt die Rambla die Mar, auf der man um ein kleines Einkaufszentrum mit Essensmöglichkeiten durch den Jachthafen laufen kann. Wer, wie wir, das „Glück“ hat, eine der größten Privatjachten der Welt zu sehen, kann dann mal Flaggenraten machen. Ok, es ist nicht sehr schwierig, denn die größten Jachten fahren meist unter der Flagge der Cayman Islands und gehören irgendwelchen Oligarchen.

Trotzdem ist dieser Spaziergang am Hafen entlang auch sonntags toll, denn dann findet dort ein Flohmarkt/Trödelmarkt statt und man kann entspannt Schnickeldei und Killefitti angucken oder sich auf eine Bank in die Sonne setzen.

Das haben wir dann auch gemacht, bevor wir uns wieder ins gotische Viertel begaben und einen letzten Spaziergang dort unternahmen. Ja, man entdeckt immer wieder neue Ecken und Läden. Es ist so verwinkelt, dass man sich freuen kann, wenn man den gleichen Weg zwei Mal findet ;)

Ein Abschieds-Kaffee in einem der Cafés, in denen die Katalanen ihr Frühstück einnehmen, wieder in der Sonne sitzen, Cava süppeln oder sich lautstarkt unterhalten. Gerade sonntags finden in den Vierteln viele Veranstaltungen statt, wie z.B. Tango- und Flamenco-Vorführungen, Ausstellungen (Achtung, auch bei einem geplanten Museumsbesuch am besten die Karten vorbestellen!) und Vernissagen. Es ist bunt und wild, sogar am Sonntag Mittag.

Danach ging es für uns wieder mit dem Aerobus zum Aeropuerto zurück. Leider (wie wohl häufig dort) mit Gate-wechsel-dich. Aber, hey, die Füße waren ja trainiert…

Am Tag 4 waren es dann auch nur 8 Kilometer…

Tipps:

  • Nicht zu früh abreisen – oder erst montags. Am Wochenende ist noch viel los in Barcelona.
  • Barcelona ist eine sehr modische Stadt. Und es gibt immer viel zu sehen…
  • Ab in die Seitengassen und die kleinen Cafés.
  • Am Flughafen gibt es noch viele Möglichkeiten, was zu trinken und zu essen. Auch Shopping kommt nicht zu kurz.
  • Die Sicherheits-Checks am Flughafen sind sehr intensiv und zeitaufwändig. Inklusive Schuhe ausziehen, Koffer aufmachen und Co. Jedenfalls bei uns im März.

Danke, Barcelona. Wir kommen wieder. Auf jeden Fall.

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Links mit Infos, die wir gut fanden:

https://www.barcelona.de/de/index.html

https://www.barcelona-tourist-guide.com/de/index.html

http://devourbarcelonafoodtours.com/

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Vom Tod

Ich schiebe diesen Artikel schon lange vor mir her. Nicht, weil er mich nicht interessiert und ich unbedingt dazu mal was schreiben muss, sondern weil mich das Thema so beschäftigt in den vergangenen Jahren.

Wir haben viele Menschen verloren in den letzten fünf bis sechs Jahren. Menschen, die uns nahe standen und Menschen, zu denen wir eine berufliche oder entfernte Verbindung hatten. Und keiner von ihnen ist an Altersschwäche gestorben. Ich glaube, das gibt es in unserer heutigen Zeit eh immer seltener.

Es gab zwei Selbstmorde, einen Verkehrsunfall, ein schreckliches Unglück – und viel Krankheit. Oft Krebs. Von den wenigsten konnte man sagen, dass sie ihr Leben noch nicht zu Ende gelebt habe und mittendrin von Krankheit und Tod überrascht wurden.

Bei mir hat das bewirkt, dass ich nicht mehr auf das Alter warte und „endlich in Rente gehen will, um dann zu leben“, sondern versuche, mir jeden Tag bewusst zu sein, dass es der letzte sein kann.

Ich habe eine Patientenverfügung, ich bin Organspender, ich habe eine Vorsorgevollmacht und Vollmachten für alle finanziellen Belange ausgestellt. Ich habe eine Liste, wer zu benachrichtigen ist im Falle meines Todes – und es ist eine Liste mit meinen Online-Passwörtern hinterlegt, damit der, der meinen Scheiß dann regeln muss, meine Konten löschen kann. Ich habe mitgeteilt, dass ich in einem Friedwald meine letzte Ruhe finden möchte und bis zu welchem Grad man mich noch retten soll, bevor man mich sterben lässt.

Was ich nicht regeln kann, ist die Trauer.

Die Trauer der Hinterbliebenen. Zu oft war ich eine davon. Und weiß, dass man nichts sagen kann, was wirklich hilft. Ja, es ist gut zu wissen, dass man nicht alleine ist. Dass da Menschen sind, die man anrufen kann, die offene Ohren haben. Trotzdem bleibt man mit seiner Trauer allein. Man muss selber durch diese Schmerzen durch und versuchen, weiterzumachen.

Ich stelle bei jedem Tod fest, dass es keinen Patentweg gibt, um zu trauern oder mit der Trauer fertig zu werden. Jeder geht seinen eigenen Weg und mir wird klar, dass jeder Weg richtig ist. Was aber alle Wege, die durch die Trauer gehen und dann aus ihr heraus, gemeinsam haben, ist, dass sie mit dem Begreifen des Verlusts beginnen.

Manche begreifen früher, andere später, manche nie. Und viel hat damit zu tun, wie der Tod kam.

Wenn man vom Tod überrascht wird, ist der Schock groß. Die Frage nach dem „Warum?“ und dem „Was hätte man anders machen können?“ steht lange vor dem Begreifen. Wenn ein Mensch lange krank war und vielleicht sogar palliativ behandelt wurde, es klar war, dass er nicht überleben wird, dann fällt das Begreifen leichter. Die Zurückgebliebenen konnten Abschied nehmen. Der Verstorbene auch.

Und wieder bin ich dankbar für die Umstände, unter denen mein Schwiegervater gestorben ist. Es gab eine Zeit des Abschieds für beide Seiten. Es gab eine ambulante palliative Betreuung und es gab eine Sterbebegleitung, die uns allen die Angst nahm und den Tod mit dem, was kommt, erklärte.

Nicht nur nach den letzten Jahren weiß ich, dass das eine Gnade war. Denn gestern hat mir wieder gezeigt, dass der Tod zu plötzlich kommen kann, als dass man ihn bald verstehen und begreifen könne. Ich hoffe, dass die Hinterbliebenen ihren Weg der Trauer gehen können.

Heute ist daher für mich wieder einer dieser Tag, an dem ich mir besonders bewusst mache, wie wichtig jeder einzelne ist.