Rücksicht.

So ist das, wenn man Gäste hat: man nimmt Rücksicht. Auf beiden Seiten. Wenn man zum Essen lädt und weiß, dass Vegetarier kommen, macht man eine vegetarische Alternative. Oder kocht komplett entsprechend. Unhöflich ist es, seinem vegetarischen Gast ein Steak vorzusetzen.

Wenn ein Gast aus religiösen Gründen etwas nicht isst (z.B. Schwein oder Rind), und man das weiß, nimmt man auch darauf Rücksicht und bereitet es eben nicht zu.

Anders herum beschwert man sich als Gast nicht über das Essen, das serviert wird. Man lässt dann vielleicht höflich die Komponente weg, die einem nicht behagt und beißt, haha, in den sauren Apfel.

So gibt es auch andere Besuchts-Regeln: wenn man zu Besuch ist und der Gastgeber darum bittet, die Schuhe auszuziehen, dann macht man das. Anders herum überlegt man sich als Gastgeber, was man machen kann, damit der Gast sich wohlfühlt – und überlässt es dem Gast, ob er seine Schuhe ausziehen möchte.

Gäste zu haben, Gast zu sein, ist immer ein bisschen Rücksicht und Wohlwollen auf beiden Seiten.

Was, wenn zwei Kulturkreise aufeinander treffen?

Aktuell weilte die Kanzlerin in Saudi-Arabien und trug – obwohl es dort so verlangt wird von Frauen – keine Abaya. Auch trug sie kein Kopftuch . Und wurde trotzdem als Staatsgast empfangen.

Wer also muss sich anpassen, wenn zwei so unterschiedliche Ansichten aufeinander treffen? Der Gast? Der Gastgeber? Wenn man die Gepflogenheiten und Regeln eines Landes missachtet, weil sie gegen die eigenen verstoßen, was ist dann?

Wie schwierig es wird, seinen Ansichten treu zu bleiben, wenn man als Gast Rücksicht nehmen möchte auf die Ansichten des Gastgebers. Und andersherum.

Gerade tobt die Leitkultur-Debatte durch die Medien, hervorgerufen durch einen Minister, der in meinen Augen mehr Brände legt, als für die innere Sicherheit zu sorgen. Der schreibt, dass wir nicht Burka seien.

Wer also muss sich anpassen? Und ab welchem Zeitraum? Dürfen Hidschab und Co. getragen werden, wenn man für ein halbes Jahr zu Besuch kommt? Oder für zwei Wochen? Muss das genauso akzeptiert werden, wie eine Kanzlerin (mit weiblicher Delegation), die sich den Bekleidungsvorschriften in einem islamischen Land widersetzt?

Muss man für seine Ansichten, z.B. in Bezug auf Frauenrechte, einstehen – ungeachtet des Umfelds? Gilt das auch für Frauen, die Hidschab, Niqab und Co. aus Überzeugung tragen? Müssen sie dafür einstehen, ungeachtet des Umfelds?

Ist es nicht sogar unsere Aufgabe als bekennende Pluralisten, diese Unvereinbarkeiten auszuhalten? Und immer wieder zu thematisieren?

Wo beginnt Toleranz, wo endet Überzeugung?  Und andersherum.

 

 

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