Blockiert.

Ich könnte jetzt über meine zahllosen Wirbelblockaden schreiben, die mich begleiten. Über das erleichternde Knacken und das schöne Gefühl, wenn der Bereich wieder warm wird.

Aber es geht tatsächlich um emotionale Blockaden bei mir, Handlungsunfähigkeit, wenn es um meine Gesundheit geht.

Der Mann ist ein vorbildlicher Vorsorge-Patient: Zahnarzt, Internist, Dermatologe, Kardiologe, Proktologe, Urologe – sie alle besucht er regelmäßig. Ich bin da eher so unterengagiert. Das ist vielleicht meiner Historie geschuldet, die geprägt davon ist, dass mit jedem Arztbesuch eine Hiobsbotschaft kam.

Seit Kindheitstagen bin ich wegen diverser Baustellen in Behandlung. Immer noch. Ich bin alle sechs Monate beim Gynäkologen, beim Zahnarzt, beim Internisten, beim HNO. Und jeder neue Kontrolltermin macht mir Druck. Das Kopfkino fängt an, die wildesten Filme aufzuführen, das Gedankenkarussell dreht seine Runden. Ich gebe mich locker und bin doch angespannt.

Am Ende des letzten Jahres hatte ich dann die Arztblockade: Ich konnte und wollte einfach keine Kontrolltermine mehr ausmachen. Als ob in mir eine Mauer wäre, die jeden Arzt aussperren wolle.

Ich hatte das Gefühl der Ohnmacht, des Kontrollverlustes und wurde bockig. Ich blockierte. Ich wusste, dass ich Anfang des Jahres eine neue Mammographie machen sollte. Und müsste. Ich wollte nicht. Ich konnte einfach nicht. Nicht mehr.

Scherzhaft nannte ich es Arztmüdigkeit. Ich war die letzten zwei Jahre so oft bei Ärzten, Chiropraktikern, Osteopathen und Physiotherapeuten, dass ich die Termine nicht mehr zählen kann. Dass für die Steuererklärung 1400 Kilometer an Arztwegen in den zwei Jahren zusammenkamen, sagt wohl schon alles. Denn wir wohnen städtisch…

Der Gedanke an jede Art von Vorsorge, Kontrolle oder Check haben mir Bauchschmerzen gemacht. Und jeder sagte mir, dass es doch aber nichts brächte, wenn man es schieben würde, weil dann könnte es ja noch schlimmer werden, wenn war wäre. Und, ja, ich weiß das. Aber es war auch des öfteren schlimm, wenn ich regelmäßig gegangen bin.

Dieses innere Gefühl der Blockade lähmte mich völlig. Und weitete sich auf andere Bereiche aus. Seit Ende letzten Jahres fehlte mir der Elan, Dinge umzusetzen, anzugehen oder voranzutreiben. Keine Kraft, kein Elan, keine Lust. Völlige innere Verweigerung.

Jetzt, vier Monate später, löst sich der Knoten langsam.

Ich habe heute die ersten Kontrolltermine ausgemacht für Radiologie, Gynäkologie, Dermatologie und Dentologie. Die internistische Kontrolle habe ich schon hinter mir. Alles in den nächsten vier Wochen. Fehlen noch Proktologie und Kardiologie…

Ich habe bei der Yogaschule angerufen und werde den nächsten Anfängerkurs besuchen (leider erst ab Juli), um herauszufinden, ob Yoga was für mich ist.

Ich habe eine interessante Stellenanzeige gesehen und werde mich wohl einfach mal bewerben. Auch, wenn es nur zu 50% meinen Erfahrungen entspricht.

Und, was das wichtigste ist, ich habe seit knapp vier Wochen eine Ernährungsumstellung auf eine proteinreichere, aber kohlehydratärmere Ernährung vollzogen und endlich die zwei Kilo wieder runter, die ich vom intermittierendem Fasten zugelegt hatte. Und es fällt mir nicht mal schwer. Im Gegenteil. ich fühle mich besser.

Vielleicht ist das dieses Alter. Oder diese Midlife-Crisis. Oder was auch immer.

 

 

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2 Gedanken zu “Blockiert.

  1. Manchmal sind es bestimmt einfach nur die Hormone, die den Körper so durcheinander bringen und die Motivation in ein Loch werfen. :-D Das mit dem Bewerben finde ich gut. Auch wenn die Stelle vielleicht nicht passt, finde ich es positiv, wenigstens ein feedback zu bekommen.

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  2. Hormone? Ein knappes halbes Jahr lang? :D Ach, herrje. Die Dinger sind aber auch hartnäckig.

    Bewerbung? Witzigerweise hatte ich gestern so viel zu tun, dass ich die Bewerbung nicht hinbekommen habe :D

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