Empört euch nicht.

Oder anders.

Wenn man oft in den Sozialen Netzwerken unterwegs ist, fällt einem irgendwann zwangsläufig auf, wie viele Menschen sich empören. Empören scheint ein Volkssport geworden zu sein. Man empört sich über politische Themen genauso, wie über den Nachbarn mit der anderen Meinung.

Nein, eigentlich empört man sich sogar noch lieber über den mit der anderen Meinung.

Und am liebsten empört man sich über den mit der anderen Meinung bei anderen, die sich auf über den mit der anderen Meinung empören, wenn der mit der anderen Meinung sich empört.

Was niemand mehr macht, ist einfach mal die Meinung des anderen stehenzulassen, sie auzuhalten.

Jetzt zum Jahreswechsel ist die Empörung wieder themenabhängig:

  • über Böllern
  • gegen öffentliche „Böllern, nein danke“-Meinung
  • gegen die Meinung, gegen „Böllern, nein danke“ zu sein
  • über gute Vorsätze
  • über diejenigen, die gute Vorsätze haben
  • über diejenigen, die ihre guten Vorsätze öffentlich sagen
  • über diejenigen, die gegen diejenigen sind, die ihre guten Vorsätze…

Ach, Sie wissen schon.

Es ist so unfassbar müßig. Ich verstehe einfach nicht, was es Menschen bringt, sich ständig über andere Menschen zu empören, die ihre (andere) Meinung kundtun, nur um dann seine eigene Meinung kundzutun, sich dabei für besser zu halten, obwohl man das gleiche tut?

Muss immer alles kommentiert werden? Halten wir uns und unsere Meinung für so wichtig, dass wir zu jedem Furz des anderen unseren Blasebalg anwerfen müssen?

Es geht den wenigsten Menschen noch um den Austausch. Die meisten möchten einfach nur ihre Ansichten loswerden. Und wenn sie nichts zu sagen haben, empören sie sich eben darüber, dass andere was zu sagen haben. Oder nichts zu sagen habe und es trotzdem tun.

Worüber sich kaum jemand wirklich empört, sind die wichtigen Themen: der Abbau der Sozialpolitik, die Folgen der jahrelangen Einsparungen bei der Bildung, der Abbau von Polizeistärke und sozialem Wohnungsbau, die Gentrifizierung, Kinder- und Altersarmut, die schlechte Bezahlung der Stützen der Gesellschaft, der Rechtsruck in der Gesellschaft, die Toleranz gegenüber rechten Gewalttaten, die Beeinflussung der Entscheidungen dieses Landes durch Lobbyisten und Parteispenden, die Diskrepanz zwischen Arm und Reich, die gravierend unterschiedlichen Bildungschancen, Ungleichbehandlung von Frauen und Männern, gesellschaftliche Akzeptanz von (sexualisierter) Gewalt, die Ausbeutung anderer Länder zu Gunsten unseres Wohlstands, unsere Wegwerfmentalität, unser Konsumverhalten, fehlende Inklusion, Gleichberechtigung aller Menschen, Schutz unserer Umwelt, Aufhalten des Klimawandels…

Die Liste ist so lang und doch sind diejenigen, die sich darüber empören, in der Minderheit. Dafür sind diejenigen, die sich über andere aufregen, die einfach nur ihre Meinung sagen, so viele.

Ich wünsche mir mehr Empörung und weniger Empörung für 2018. Und nehme mir vor, öfter die Meinung anderer einfach mal stehen zu lassen, statt sie zu kommentieren. Und das alles, nachdem ich nicht geböllert habe zu Silvester, weil ich das für die größte Geldverschwendung und Umweltverschmutzung, für Tierquälerei und absolut überflüssig halte.

So.

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2 Gedanken zu “Empört euch nicht.

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