WMDEDGT

Heute ist der 5. Und wie immer fragt Frau Brüllen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“

Da heute Tag zum Wegwerfen war – oder eben einer, an dem mir so viel passiert ist, was andere nicht an drei Tagen erleben – mach ich mal wieder mit.

5.45 Uhr.
Der Mann ist schon weg. K1 und K2* sind mit dem Futter nicht zufrieden und kloppen sich lautstark vor meinem Bett. Dann kann ich ja auch gleich aufstehen. Erstmal Kaffee. Beim Weg in die Küche finde ich Katzenkotze. Was für ein Start in den Tag.

6 Uhr.
Ich sitze am Rechner mit dem ersten Kaffee. Internet leerlesen und Mails abrufen. Jaaa! Sie funktionieren! Nachdem ich am letzten Freitag einer Spamattacke ausgesetzt war, freu ich mich jetzt darüber, dass die Mails wieder laufen, ich meine neuen Postfächer korrekt eingerichtet habe und scheinbar keine Mails verloren gegangen sind.

6.15 Uhr.
Mit halboffenen Augen ändere ich die Größen von Anzeigen, die die PR-Agentur mir falsch mitgeteilt hat. Weil es zeitlich eng wird mit der Deadline, bin ich froh, dass die Mail nicht verloren gegangen ist.

7 Uhr.
Erstmal Rechnungen schreiben und Blutdruckmittel nehmen. Und, nein, kein kausaler Zusammenhang.

8 bis 10 Uhr.
Ich pröddel so vor mich hin. Erledige einige Kleinaufträge, mache Buchhaltung und kämpfe gegen leichtes Bauchgrummeln an. Das habe ich seit gestern Abend und fürchte, ich habe einen leichten Magen-Darm-Virus.

11 Uhr.
Pause. Ich räume ein bisschen die Wohnung auf. Und finde zwei Plätzchendosen mit Weihnachtsrestplätzchen von der Schwiegermutter. Ich esse eins – und erstarre: irgendwas hartes! Ich spucke den Brei aus und finde einen kleinen Glassplitter von ca. 2 mm Länge. Als lupenreiner Hypochonder geht das Kopfkino los: Habe ich schon Glassplitter verschluckt? Habe ich womöglich meine Speiseröhre aufgeschlitzt? Meinen Magen perforiert? Innere Blutungen? Drama! Ich versuche zu erbrechen und scheitere. Ich kann das einfach nicht mit dem Finger im Hals. Kurz überlege ich, mein Testament zu machen und mich niederzulegen zum Sterben. Statt dessen frage ich Dr. Google.

12 Uhr.
Dr. Google sagt, dass so kleine Splitter eigentlich nichts machen und so lange ich kein Blut spucke, Schmerzen bekomme oder mir schlecht/schwindelig würde, soll ich mich mal entspannen. Ja, ist ja genau meine Baustelle… Um mein Trauma zu verarbeiten, erzähl ich der Welt über Instastories von meinen Tagesdramen. Reden soll ja helfen. Bei mir bewirkt es vor allem, dass ich die ganze Zeit überlege, ob ich nicht doch da irgendwo Schmerzen bekomme. Oder ist mir nicht irgendwie schwindelig? Vielleicht hilft Essen. Ich koche mir also Kartoffeln zum Erbspürree.

13 Uhr.
Ich muss noch ein bisschen weiterarbeiten und führe ein paar Telefonate, schreibe Mails und bastel an zwei, drei Aufrägen rum.

14.45 Uhr.
Ich fahre Katzenfutter holen. Schließlich sollen die Katzen auch weiterhin Munition für ihre Kotzangriffe haben. Im Anschluss fahre ich den Mann von der Arbeit abholen.

15.30 Uhr.
Ich hole den Mann ab und wir fahren nach Sulzbach. Da ist ein Gastrobedarf und die führen die Wunschteller vom Mann. Der sucht seit Wochen nach den perfekten, schwarzen, großen, matten Tellern. Jetzt hat er die, die er gut findet. Da es aber eine Marke ist, die Restaurants ausstattet und nicht den Privathaushalt, geht es nur über den Gastrobedarf. Oder online.

16 Uhr.
Wir finden die richtigen Teller, geben unseren Auftrag auf, alle glücklich.

16.30 Uhr.
Ich möchte bar zahlen und fahre zur Bank. Karte in den Geldautomaten, PIN, Betrag eingeben, auszahlen, Geld entnehmen, Geld entnehmen, Geld entnehmen, GELD ENTNEHMEN! Geht nicht. Der Automat öffnet einfach nicht das Geldfach und plötzlich steht da, dass das Geld aus technischen Gründen nicht ausgezahlt werden kann. Ich bin ja eher der Zocker, also das gleiche nochmal, dieses Mal mit Erfolg. Beim Blick auf den Kontostand dann aber eher so miese Laune. Denn beide Beträge wurden abgebucht… Ich bekomme schlechte Laune und versuche, die Hotline anzurufen. Erfolglos.

17 Uhr.
Während wir die Teller zahlen, erreiche ich endlich die Hotline. Man sagt mir, ich müsse entweder in der Filiale Bescheid sagen (haha, die ist umgezogen) oder einen Auftrag über meine Hausbank aufgeben.

17.30 Uhr.
Wir fahren zur umgezogenen Filiale. Der nette Jungspund in der Filiale erklärt erstmal freimütig, dass das eine längerfristige Sache wird, weil „Service sei nicht seine Kernkompetenz“. Mir schwant, er meint eher die technische Kundenberatung und nicht den Kundenservice. Er füllt gewissenhaft ein Formular aus, lässt sich von Kollegen noch beraten und verspricht zuversichtlich, dass das bald geregelt sein würde.

18 Uhr.
Wir sind auf dem Rückweg. Ich stelle fest, dass ich wenigstens kurzzeitig vergessen hatte, dass ich ja innerlich verblute und eine geöffnete Speiseröhre habe, bin mir aber kurz darauf wieder sicher, dass es da sicher irgendwo zwickt. Und darüber hinaus fehlen mir 300 Euro. Dafür freut sich der Mann über sein verfrühtes Geburtstagsgeschenk.

18.15 Uhr.
Wir sind zuhause, schaffen Platz in den Küchenschränken in dem wir umräumen und beschließen dann, erstmal was zu essen. Da wir beide mittags schon warm gegessen haben, gibt es Salzbrezn und Spundekäs. Ich kipp einen Schnappes und ruf meine Mutter an. Mitleid ist sooooo wichtig.

18.45 Uhr.
Meine Mutter hat mir sämtliche hypochondrischen Anfälle meines Vaters erzählt und meinte, der Schnaps würde wenigstens desinfizieren. Praktisch denken kann sie ja. Es muntert mich aber nur bedingt auf. Brennt der Schnaps nicht irgendwie an der Stelle, an der sicherlich das Loch in der Speiseröhre ist…? Derweil verräumt der Mann seine neuen Teller.

19 Uhr.
Wir sitzen auf der Couch und reden über das, was wir am Wochenende für Freunde kochen, die zu Besuch kommen. Es wird wohl was mit Terrine und Salat als Vorspeise werden, Dreierlei vom Schwein (Filet sous vide gegart, Bäckchen geschmort und Speckstreifen) als Hauptgericht und zum Dessert Schokoladenmousse, Lavendeleis und was mit Limettenshot. Oder so.

20 Uhr.
Nachrichten, Blogbeitrag schreiben, Rezepte wälzen. Nebenher läuft TV, was keiner von uns wirklich guckt. Wir diskutieren weiter über das Samstagabendmenü und verzweifeln.

20.40 Uhr.
Ich höre auf zu schreiben und gehe wohl gegen 21.15 Uhr ins Bett. Ich bin müde und muss mich außerdem von meinen inneren Verletzungen auskurieren.
*Katze 1 und Kater 2

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3 Gedanken zu “WMDEDGT

  1. Wie die Bank das Vorkommnis am Automaten nachvollziehen wird, dass das Geldausgabefach sich nicht geöffnet hat, die Buchung aber passiert konnte. Nach meinem Verständnis kann das Eine nicht ohne das Andere sein.

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    1. Man erklärte mir, dass Geld, das im Geldfach verbleibt und nicht entnommen wird, wieder eingezogen und in ein Extra-Fach abgelegt wird.

      Vom Prinzip ist die Geldentnahme/-bereitstellung ja nur ein technischer Akt. Die Buchung erfolgt ja vorher, um überhaupt das Geld ausgeben zu können.

      Gefällt 1 Person

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