Regeln.

Ich bin ein großer Fan von Regeln, wenn es um das Miteinander geht. Die Gesellschaft funktioniert nur dann, wenn es Grundsätze, Regeln, Gesetze gibt, an die sich alle halten. Das sind nicht nur Paragraphen, sondern eben auch gewisse Höflichkeitsformen, ein respektvolles Miteinander und das Achten der „Tanzbereichs“ des anderen.

Ich bin auch ein großer Fan von kleinen Grenzüberschreitungen. Manchmal muss man in einer Situation etwas beugen, um etwas Gutes zu bewirken. Manchmal braucht es einen kleinen Nonkonformismus, damit es weitergeht. Generell oder bei einem selbst.

Was mich jedoch kolossal stört, sind Menschen, die Regeln nur dann einhalten, wenn sie zu ihrem Vorteil sind – aber missachten, wenn damit einhergeht, dass sie auf einen persönlichen Vorteil verzichten müssen.

Das gibt es im Großen (Steuerhinterziehung) und im Kleinen (laut Musik hören nach 22 Uhr). Ob diese Regelüberschreitungen damit einhergehen, dass anderen damit ein Nachteil widerfährt oder man sich selbst gegenüber anderen übervorteilt, spielt dabei keine Rolle. Man nimmt sich mehr, als einem zusteht.

Wenn Regelverstöße toleriert werden von der Gesellschaft, dem Umfeld, beginnt beim Verursacher eine „ich komm damit durch“-Haltung. Bis hin zu einem Anspruch auf Recht durch Gewohnheit („Habe ich schon immer gemacht“ oder „Bis jetzt hat sich keiner beschwert“).

Schlimm wird es dann, wenn das Umfeld sehr wohl davon gestört wird und betroffen ist, aber eben gegenüber dem Verursacher schweigt, weil man nicht als Spielverderber, Spaßbremse, Spießer oder Korinthenkacker gelten möchte. Oder Angst vor Konfrontation hat. Noch schlimmer wird es, wenn der Verursacher von anderen Zuspruch bekommt, die ebenso handeln – und damit meint, eine gesellschaftliche Legitimation erhalten zu haben. Auch, wenn es die nur die eigene Filterblase ist.

Wenn dann noch eine provozierende Haltung hinzu kommt gegenüber denen, die sich beschweren und man sich extra falsch verhält, um „es denen zu zeigen“ oder weil man weder weiterdenken will/kann oder für sich selbst der Meinung sei, man sei im Recht auch wenn dieses eigentlich was anderes sagt , sind Probleme vorprogrammiert.

Diese Form des Unrechtsbewusstseins ist in meinen Augen ein Zeichen von so großem Egoismus, dass ich kotzen könnte.

Diese Haltung gibt es mittlerweile überall: Im Netz bei Diskussionen, bei denen man absichtlich gegen die Netiquette verstößt. Im Supermarkt, wenn man sich vordrängelt an der Kasse. Beim Finden eines Portemonaies, wenn man alles zurück gibt, außer dem Geld. Beim legalen „Steuersparen“ großer Firmen durch Ausnutzen von Schlupflöchern. Beim Vorfahrt nehmen im Straßenverkehr. Beim „keine Rücksicht nehmen“, wenn man zu laut und oft feiert. Im Stadion mit der Pyrotechnik. Beim Gassigehen, wenn man die Kacke vor dem Nachbarhaus liegen lässt. Ach, die Liste ist endlos.

Und alle wundern sich dann, wenn sie mal selbst betroffen sind, woher dieser Egoismus kommt. Warum mittlerweile so viele Menschen meinen, sich rücksichtslos und egoistisch verhalten zu können, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.

Mich ermüdet dieses Verhalten. Mich ermüden Menschen, die sich absichtlich so verhalten, dass sie anderen dauernd auf die Füße treten, wohlwissend, dass sie sich nicht regelkonform verhalten. Und noch mehr nerven mich diese Leute, wenn sie im Gegenzug auf die Einhaltung ihres Rechts pochen, wenn andere sich einen Vorteil verschaffen zu ihren Lasten.

Diese zwischenmenschliche Schizophrenie, diese Doppelmoral, diese Rücksichtslosigkeit, wird mehr. Und ich wünschte, man könnte sie mit der Nase in ihre eigenen Scheiße tunken.

Aber das wäre ja nicht regelkonform.

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