Veränderung.

Veränderungen kommen schleichend. Um sich dann sehr deutlich zu zeigen.

Wenn Interesse einseitig ist, wenn Kontakt nur besteht, weil einer sich müht – und der das dann nicht mehr weitermacht – war die Veränderung auch nicht mehr aufzuhalten.

Es sei denn, der andere springt über seinen Schatten.

Was bleibt ist die Gewissheit, einer schönen Zeit.

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Wir wollten doch noch Kuchen essen.

Annie, ey Du. Hattest Du mir nicht vor ein paar Tagen erst den WhatsApp-Chat mit Sprachnachrichten vollgetextet, weil Du nicht gucken konntest, was Du schreibst? Ich habe Tränen gelacht bei Deinen Worten und mich über jede Deiner Nachrichten gefreut. Auch wenn Du nicht anders konntest, als Dich für sie zu entschuldigen, weil Du niemanden zuspammen wolltest.

Vor zwei Jahren, als Amis Geburtstag kurz bevor stand und Du absagen musstest, weil Deine Kopfkröte operiert werden sollte und jemand auf die Idee kam, Dir ein Päckchen zu schicken, in das jeder auf dem Geburtstag was reinpackt – da war ich skeptisch.

Skeptisch, weil unsere Geschichte ja nicht ganz unproblematisch begonnen hat. Damals vor zehn, zwölf Jahren im damals noch kleinen Bloggerdorf. Als ich noch voller Sarkasmus und schwarzem Humor über Windelblogger lästerte und Du das ganz furchtbar fandest. Als Du dich als Giftzwerg bei mir bitterlich beschwertest, wie man nur so gemein sein könne. Es dauerte lange, bis Du mich so kennenlernen konntest, wie ich wirklich bin. Es dauerte viele Jahre und erst über eine andere Plattform konnten wir uns annähern.

Vor zwei Jahren stand ich vor dem besagten Geburtstag oben auf einem Berg. Und wusste nicht, was ich Dir schenken solle. Jemandem, der mir nur bedingt nahe stand. Den ich nur online kannte. Ich überlegte, dass es sich falsch anfühlen würde, etwas zu kaufen. Etwas einfach zu holen. Und während ich dort oben saß, eine Pause vom Wandern machte und über Dich nachdachte, merkte ich, wie ich mit einem Stein in der Hand spielte. Ein Stein, der irgendwie genau in die Hand passte. An einer Seite weich und rund, an der anderen ein wenig kantig.

Diesen Stein schickte ich Dir. Mit einem Brief mit meinen Gedanken zu Dir, meinen Gedanken dazu, was Berge, Steine und dieser Stein bedeuten. Wofür sie stehen. Symbolisch.

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Du bekamst das Paket und schriebst mich an. Du hast Dich für den Stein bedankt und für meinen Brief, dessen Gedanken Du nachempfinden konntest. Du schriebst mir, wie viel Dir das bedeutet hat, was ich Dir geschickt und geschrieben habe. Wie viel Mut ich Dir damit gemacht hätte.

Später schriebst Du mir immer wieder davon, dass Du diesen Stein bei Dir gehabt hättest. Ihn in die Hand genommen hättest. Mich hat das sehr berührt.

Vor einem Jahr warst Du dann hier.

Auf Deinem Weg nach Heidelberg, machtest Du eine Pause bei uns. Wir aßen Kuchen und quatschten. Viel länger, als Du geplant hattest. Voller Optimismus mit Blick auf die bevorstehende Bestrahlung und die weiteren Behandlungen warst Du damals. Und ich blieb sehr nachdenklich zurück.

Nachdenklich, weil ich noch nie in meinem Leben einen Menschen getroffen habe, der sein Schicksal mit diesem Humor, mit diesem Optimismus und mit dieser Kraft angenommen hat und sich auch noch Gedanken um andere machte. Um Deinen Mann, Deine Kinder. Um die Trulla und den Bootsmann. Um Deine Kollegen, die Du dachtest im Stich zu lassen. Um die Menschen, die sich um Dich sorgen, obwohl Du das doch gar nicht wolltest. Lieber wäre Dir gewesen, dass es allen gut geht.

Und wir alle wollten, dass es Dir gut geht.

Im letzten Dezember gab es eine Spendenaktion für Dich. Die Plattform wurde überrannt und das Ziel, Dir mit Hilfe von Geldspenden die Existenzsorgen zu nehmen, wurde erreicht.

Annie, es waren so viele Menschen, die für Dich sammelten, Dinge verkauften, spendeten, sich engagierten. Die unermüdlich posteten, schrieben und teilten. Das taten sie, weil sie genauso beeindruckt von Dir waren, wie ich. Weil sie Dich seit vielen Jahren so kannten: als einen Menschen mit riesengroßem Herz.

Wir wollten doch noch Kuchen essen. Aber dann konntest Du nicht mehr selber fahren und so ging es für Dich immer direkt non-stop nach Heidelberg und zurück. Monat für Monat. Das Kuchen-Date haben wir immer wieder verschoben. Auf die Zeit „danach“, wenn es Dir besser ginge. Das letzte Mal haben wir uns an Deinem Geburtstag daran erinnert, an den Kuchen.

Kommentar

Deine Sprachnachrichten bei WhatsApp höre ich mir immer noch an. Im letzten Monat ging es Dir „beschissen, richtig beschissen“. Und lachtest darüber, dass Du keinen Kreislauf und keine roten Blutkörperchen hättest. Du lachtest.

Du hast es geschafft, den Menschen das Gefühl zu geben, dass Du ihnen ganz nah bist. Dass sie Dir nah sind. Du hast sie genau ins Herz getroffen mit Deinen Worten. Egal ob geschrieben oder gesprochen. Du hattest diese Gabe.

Ich werde Dein Lachen immer im Ohr behalten. Deinen Optimismus. Deine Kraft. Ich möchte Deine Lebensenergie fest einschließen in meinem Herzen. Sie konservieren.

Wo auch immer Du jetzt bist, ich hoffe Du fühlst, wie viel Du hier bewirkt hast und dass Du diese Welt ein großes Stück besser gemacht hast. Und ich wünsche Deiner  Familie, die so lange mit Dir gekämpft hat, dass sie ihren Schmerz so ertragen können, wie Du deinen ertragen hast: mit dieser unfassbaren Kraft. Und wenn es mal nicht mehr geht, hoffe ich, dass sie viele liebe Freunde haben, die weiterhin für sie da sind.

Annie, ey Du, ich habe uns noch einen Kuchen gebacken. Den habe ich gegessen. In Gedanken mit Dir.

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Muttergefühle. Zwei.

Vorwort gelesen, zack, verliebt.

So fing es es an, als ich Rike Drust „Muttergefühle. Zwei“ vor mir hatte. Und ich schrieb es ihr auch direkt bei Twitter. Damit könnte diese Rezension eigentlich auch enden, weil ich am Ende der 289 Seiten genau so denke. Zack, verliebt.

Das erste Exemplar ihres ersten Muttergefühle-Buchs kaufte ich damals ein bisschen aus Pflichtbewusstsein. Ich habe mit Rike gefeiert und ihren Weg danach auch aus der Ferne verfolgt, erinnere mich zurück an ihre flammenden Reden zu Frauenrechten nachts auf der Straße vor einem Club in Münster, die sie wutentbrannt wegen eines Typen hielt, lange bevor es schick wurde, sich Feministin zu nennen. Und war immer voller Bewunderung für ihre Power und ihre Leidenschaft.

So kam es, dass ich ihr Buch kaufte und es danach immer wieder tat, um es zu verschenken. Das letzte Mal im vergangenen Dezember, als eine Bekannte Mutter wurde. Ich empfahl ihr Buch meiner Zahnärztin (eine großartige Frau, die bald aus der Elternzeit kommt) und jedem, der es hören wollte. Sie schaffte es, mich als Nicht-Mutter ein Buch über Muttergefühle, Kinderkriegen und Erziehungsthemen lesen zu lassen und mehr als ein Mal laut zu lachen. Und zu weinen.

Die Messlatte beim zweiten Muttergefühle-Buch war bei mir daher sehr hoch. Und ich glaube, bei ihr sowieso.

Ich las das Vorwort und fand es super. Es gibt nicht viele Autoren, die so schreiben, dass ich sie vor Augen habe und jedes Wort glaube, das sie von sich geben. Die sich ebenso trauen zu fluchen, wie mit verbalem Glitzer zu schmeißen oder hemmungslos ihr eigenes Versagen thematisieren.

Dann brauchte ich einige Kapitel, um wirklich ins Buch zu finden. Vielleicht fehlte mir eine erkennbare Chronologie, ein zeitlicher Aufbau, aufeinander aufbauende Kapitel. Vielleicht war ich einfach überrascht über den rosa Himmel, der sich vor mir auftat. Konnte das wirklich jetzt so weitergehen? Sollte das jetzt wirklich ein Buch darüber werden, wie harmonisch und toll alles ist? Sollte Muttergefühle. Zwei tatsächlich ein Glücksbärchi-Gegenstück zum ersten Buch werden?

Kaum hatte ich mich innerlich darauf eingestellt, holte die Realität Rike und mich ein: Der Babyglow verflog und da waren sie wieder, ihre drei Probleme: Schlaf, Schlaf und Schlaf. Und der Rest, der daraus resultiert – und aus der neuen Familienkonstellation mit zwei Kindern. Und ihrem Mann.

Während es im ersten Buch tatsächlich in erster Linie um das erste Kind ging, hatte ich erwartet, dass es im zweiten Buch ums zweite geht. Also hauptsächlich. Doch je mehr ich las, hatte ich den Eindruck, dass es nicht nur um Muttergefühle geht, sondern um Frauengefühle. Und Paargefühle. Und Ehefraugefühle. Es geht viel um Gleichberechtigung, Feminismus, um auszutragende kleine und große Kämpfe und auftretende Gedanken und Probleme – basierend auf der veränderten Familiensituation. Rike behandelt die drängenden Fragen unserer Zeit, die Frauen und Mütter beschäftigen.

Es geht um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um das Selbstverständnis von Männern/Vätern, die finanzielle Zukunft von Müttern und klassische Rollenverteilungen. Es geht um die Anerkennung der Leistung und zwanghaft gegenderte Produkte. Und ich fühle mich als Frau, als Feministin ebenso angesprochen, wie sich wohl Mütter verstanden fühlen. Und sie schafft das alles, während sie von Glitzerbasteln und Netflix schreibt. Der normale Alltag, der zeigt, dass die vermeintlich abgehobenen theoretischen Themen unseren Alltag bestimmen.

Es zeigt aber auch schonungslos auf, dass nicht immer alles mit Kuvertüre überzogen ist, nur weil sich die Familie liebt. Geld, motzende Kinder, Job- und Selbstverwirklichkeitswünsche, die Ansprüche an sich selbst, den Partner und die Kinder und die Ratschläge, die von außen kommen und meist grenzüberschreitend sind. Alles hat seinen Platz.

Rike macht sich viele Gedanken, vielleicht manchmal zu viele, und fasst sie in gewohnt charmanter bis rotziger Art kapitelweise zusammen. Und beginnt dann am Ende des ersten Drittels des Buches auch wieder mit kleinen Zusammenfassungen oder einem Fazit, wie sie es handhaben, was sie draus gemacht hat oder was man machen kann.

Kämpferischer wirkt das Buch auf mich. Es fühlt sich an, als ob sie häufiger den Mittelfinger zeigen möchte. Es ist politischer, wirkt auf mich wütender. Was aber regelmäßig  aufgefangen wird von den Liebeserklärungen an Mann und Kinder, wenn sie von Schnitzelromantik und ihren Lieblingsmomenten schreibt. Fast, als ob sie die unbequemen Gedanken, die sie sich macht und die sie beschreibt, auffangen möchte.

Aber ist es nicht genau das, was Familie und Liebe ausmacht? Ehrlich und offen sein zu können, auch wenn es nicht immer alles pure Harmonie ist? Wege zu finden, Probleme miteinander zu lösen und füreinander da zu sein, auch wenn es unbequem ist? Ist es nicht so viel ehrlicher, über seinen Mann zu schreiben, er sei egoistisch und zu wissen, dass man es als Paar schon geklärt hat – statt zu schlucken und hinzunehmen und sich zu arrangieren? Oder es bloß niemandem zu sagen, weil: was sollen die dann denken…?

Rike fasst so viel Gutes und Schlechtes in einem Kapitel zusammen, dass mir manchmal schwindelig ist, aber nie so sehr, dass mir übel wird. Angenehm schwindelig. Ein bisschen wie zwei Gläser Sekt auf nüchternen Magen an einem sonnigen Samstagmorgen. Oder ein echt gut gemischter Cocktail.

Rike schrieb neulich, dass sie sich manchmal fragt, was Leute von früher von ihr denken, wenn sie sie wiedersehen und sie „so muddimäßig“ wäre und mit mehr Genusskilos. Und dann sagt sie, dass sie Leute, die das doof fänden, gar nicht in ihrem Kreis haben möchten.

Und ich möchte ihr zurufen, dass sie toll ist. Dass sie eine tolle Frau ist mit Gedanken und Ansichten, die vielen eine Inspiration sind. Dass Hoodies eh die besten sind und es uns nicht zu uncoolen Menschen macht, wenn man nicht mehr aussieht wie mit 20. Brauchen wir ja zum Glück auch nicht. Wir haben nämlich mehr erlebt. Und mehr gegessen… Und Kinder bekommen. Und, und, und… Dafür haben wir das Privileg, auf ein rockendes Leben zu blicken, auf Erlebnisse, die uns geprägt haben und prägen und uns darüber Gedanken machen zu können, was das mit uns macht. Ich möchte ihr zurufen, dass sie besser aussieht, als mit Anfang 20 und noch mehr Ausstrahlung hat – weil sie ist, wie sie ist. Und weil sie sich diese ganzen Gedanken macht und noch die Traute hat, es auch aufzuschreiben.

Danke, Rike. Das Buch war toll und ich bin, zack, immer noch verliebt.

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Rike Drust
Muttergefühle. Zwei
Neues Kind, neues Glück

ISBN 978-3-570-10314-2
Erschienen bei C. Bertelsmann
http://www.facebook.com/muttergefuehle

Muttergefühle

Mein Schlaf.

Ich bin kein leichter Schläfer: Ich wechsle munter zwischen Seiten- und Rückenlage. Ich brauche eine feste Matratze, aber muss mit der Schulter gut einsinken, weil mir sonst der Arm einschläft. Ich schwitze viel. Ich habe einen sehr unruhigen Schlaf, drehe und wende mich oft, wache oft auf und habe in der Regel zu wenig Tiefschlaf. Wahrscheinlich aufgrund des schlechten Liegekomforts. Hinzu kommt ein (schon immer) sehr harter Muskeltonus und dauernde Verspannungen. Ist die Matratze zu weich, tut mir alles ab und inklusive Schultergürtel aufwärts weh.

Der Mann ist da anders: sobald er einen gewissen Liegewinkel hat, schläft er binnen Minuten ein. Couch, Bett, Liegestuhl – egal. Wie eine Schlafpuppe mit Klimperaugen. Wenn er morgens aufwacht, nach quasi immer exakt 6,5 Stunden, hat er die Hälfte davon im Tiefschlaf verbracht und ist ausgeschlafen und sofort fit.

Wenn ich morgens nach acht bis neun Stunden aufwache, brauche ich lange, bis ich überhaupt fähig bin aufzustehen. Ich muss erstmal meine Gliedmaßen bewegen und lockern. Es knackt an allen Ecken und wenn ich aufstehe, habe ich Anlaufschwierigkeiten. Wörtlich, denn ich brauche immer erst einige Schritte, bis Leben in die steifen Glieder kommt.

Vor zwei Jahren dachte ich, ich hätte meine Matratze gefunden. Ich lag einfach nur wunderbar leicht und bequem und kaufte das Wunderwerk im Fachhandel für 799 Euro. Plus einem neuen Lattenrost.

Das erste halbe Jahr war super. Ich lag wunderbar und schlief besser, als vorher. Die Nacken- und Rückenschmerzen wurden weniger und morgens war ich fitter. Dann wurde es schleichend schlechter, bis ich irgendwann mal das Gefühl hatte, ich wolle gar nicht mehr ins Bett. Eine Kuhle, eine Liegemulde, hatte sich gebildet. Soll wohl auch, sagte der Fachhandel. Aber vielleicht nicht in der Extremen.

Man wechselte den Kern aus und kam danach nochmal zur Überprüfung meiner Liegeposition. Alles tipp topp: Das Kissen stütze optimal Nacken und Kopf und habe die richtige Höhe für die Matratze. Ich sänke an den richtigen Stellen gut ein und läge perfekt. Die Matratze vorher war vielleicht ein Produktionsfehler.

Ich lag wieder wunderbar und schlief super.

Jetzt, ein halbes Jahr später, geht alles wieder von vorne los: die Schmerzen, der unruhige Schlaf, das nächtliche Wachwerden wegen Nackenschmerzen, die Kopfschmerzen morgens, der verspannte Rücken… Die Liegekuhle ist wirklich tief und wenn ich abends ins Bett gehe, merke ich schon, dass mir das Liegen nicht gefällt. Ich sinke zu tief ein, an den gefühlt falschen Stellen, und ich habe den Eindruck, dass ich die eingebauten „Belüftungsröhren“ beim Liegen spüre. Die Matratze hat ihre Stützwirkung partiell verloren, ihre Festigkeit.

Diese Matratze ist nichts für mich. Und es ist die mittlerweile dritte Matratze, die ich habe, die nichts für mich ist.

Aber bei dieser ärgert es mich sehr, weil sie mir ausdrücklich für meine Bedürfnisse empfohlen wurde, ich wurde vermessen, die Abstände von Schulter zu Nacken zu Kopf zu Hüfte, etc. Lattenrost und Matratze wurden aufeinander abgestimmt, das Kissen kam dazu. Dazu noch eine andere Bettdecke (ich schwitze schnell).

Kaufe ich eine Matratze, liege Probe, dann möchte ich, dass die Matratze diesen eingekauften Schlafkomfort behält. Ich möchte nicht, dass sie ihre Stützkraft wegen einer Liegekuhle verliert oder diese Liegekuhle meinen Schlafkomfort mindert.

Heute las ich dann einen Tweet in meiner Timeline:

Und es folgte ein Dialog:

Und noch einige Infos mehr. Ich las auf der Bett1-Seite und dort stand:

Durch den fortschrittlichen Matrat­zen­werkstoff bil­det sich in der BODYGUARD® keine Liege­kuhle. Stif­tung Warentest bestätigt: „Die Schlaf­unterlage verliert kaum Höhe und bleibt lange in Form.“

Das klang für mich schon mal super. Genau da hatte ich bisher das Problem: die Stabilität der Matratze und der dadurch veränderte Liegekomfort.

Es kamen noch andere Meinungen zur Bodyguard-Matratze im Netz hinzu:

Es folgte, was folgen muss. Ich habe mir eine Matratze bestellt. Für 199 Euro. Das ist ein Viertel des Preises meiner supertollen Markenmatratze, die ich nach zwei Jahren nicht mehr nutzen möchte. Wenn die nix ist, habe ich wenigstens nicht wieder so viele hunderte Euro in den Sand gesetzt.

Und sind wir mal ehrlich: so viel positive Resonanz hört man selten. Ich lass mich jetzt mal überraschen, wie ich schlafen werde. 100 Tage Probe habe ich. Bis dahin kann ich sie kostenfrei zurückschicken bei Erstattung des vollen Kaufpreises. Und ich hoffe sehr, dass ich nicht enttäuscht werde von den Versprechungen von Bett1, der Stiftung Warentest und den ganzen Onlineempfehlungen :D

Und werde berichten.

(Nein, dieser Artikel ist nicht bezahlt oder gesponsert.)

Diffus.

Bisher war das Säbelrasseln der Weltmächtigen eher diffus. Es wurden Sanktionen verhängt, wenn Länder bombadiert oder unterstützt wurden, dann immer mit einem unschuldigen Blick, erhobenen Händen und dem Hinweis auf Rechtmäßigkeit. Kein kalter Krieg, sondern ein diffuser. Ein Verschwimmen der Grenzen inklusive. Verbrüderung und Sanktionen im Gleichschritt.

Jetzt der offene Schlagabtausch und die Welt schwankt zwischen Fassungslosigkeit, Kopfschütteln – und Angst, die nicht mehr so diffus scheint.

Ich versuche tatsächlich, die Bedrohungslage weitgehend zu ignorieren, merke aber mit Erschrecken, dass mich das gleiche unterschwellige Unruhe- und Angstgefühl packt, wie in meiner Jugend, als der Krieg noch kalt war.

Vor einiger Zeit schrieb ich mal über die heile Welt, in der wir aufwuchsen: RAF, Kalter Krieg, Tschernobyl und Besatzungszone. Ein latentes Gefühl der Bedrohung prägte meine Kindheit und Jugend.

Dieses Gefühl ist wieder da. Nach vielen Jahren ist es mit zwei Machthabern zurückgekehrt, die ihre Raketen vergleichen wollen. Und man sieht an meiner lachsen Beschreibung, dass ich versuche es zu verharmlosen.

Weil alles andere die Bedrohung näher heran lassen würde, näher an unser tägliches Fühlen und Handeln und damit vielleicht Konsequenzen fordern würde. Die Erkenntnis, dass wir eben – auch als vermeintlich nicht politische Menschen – immer mittendrin stecken und immer betroffen sind.

Wir leben in einer Welt, in der Krieg jeden Tag die Nachrichten füllt. Wir haben uns daran gewöhnt. Die Kriege sind weit weg, die Folgen für uns in Form von Flüchtlingen sichtbar. Aber unser Alltag ging weiter. Zu weit waren die Krisenherde entfernt, die Bomben und die Zerstörung.

Jetzt stecken wir wieder irgendwie mittendrin in der latenten Bedrohung und ich fühle mich genauso ohnmächtig, wie damals als Kind.

 

 

WMDEDGT

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Nicht viel und nichts spannendes heute.

Die Nachtruhe wird unterbrochen um halb 5, weil die Katzen bitte jetzt sofort gefüttert werden wollen. Wir diskutieren ein bisschen, aber sie haben definitiv die besseren Argumente („Wenn du nicht fütterst, hören wir nicht auf zu nerven“). Noch mal ins Bett. Finden die Katzen auch gut und so wache ich dann um kurz vor 8 durch lautes Schnurren und verdammt wenig Platz im Bett auf. „Familienbett“ wäre nichts für mich, ich bin nicht stur genug beim Platzverteidigen gegen Kleingemüse mit Ausbreitungsdrang.

Nach dem aus dem Bett pellen erstmal Kaffee und Zeitung lesen: Wochenendroutine. Wir haben heute nicht so lange Zeit, um 10 Uhr kommt Schwiegermutter mit der Bahn.

Zum Glück hat sie Vernunft über Stolz gewinnen lassen und so steigt sie mit Rollator aus der S-Bahn und wir machen uns auf den Weg Richtung Einkaufsstraße unseres kleinen Städtchens. Da ist samstags Markt und sie hat noch einen Gutschein von uns einzulösen.

Um halb 12 kommen wir nach Schaufensterbummeln und Mikroshopping (ein bisschen Wurst) am Weinstand unseres Vertrauens an und treffen die üblichen Verdächtigen aka Freunde, um mit ihnen ein Gläschen Sekt zu trinken aufs Wochenende, das Leben, die Gesundheit und alles andere, was es zu feiern gäbe.

Noch eine Bratwurst hinterher und mit Schwiegermutter weiter, der es einfach zu langweilig wird, so bald sie eine halbe Stunde auf einem Fleck bleiben muss. Jetzt waren es sogar eineinhalb Stunden, wir düsen weiter und machen Halt im Teeladen, wo sie sich eine Single-Tee-Tasse mit Sieb aussucht.

Kuchen beim Bäcker und zurück nach Hause. Dank Schneckentempo waren wir dann fast vier Stunden unterwegs und essen zuhause noch das auf dem Markt gekaufte Matjesbrötchen, bevor wir uns über den Kuchen hermachen. Ja, meine Schwiegermutter ist mit einem gesunden Appetit gesegnet.

Um 17 Uhr bringt der Mann sie nach Hause, ich gehe mal kurz online und telefoniere dann länger als geplant mit meiner Mutter. Urlaubsplanungen („Kommst du?“ – „Weiß nicht.“) und technische Fragen („Passt das Fahrrad ins Auto?“) müssen geklärt werden. Der Mann kommt nach Hause und wir lassen den Nachmittag bei einem Kaltgetränk auf dem Balkon Revue passieren.

Dann nochmal Raubtierfütterung.

Um 20 Uhr geht es auf die Couch, die Katzen teilen voller Elan ihre Körperwärme und ihr Fell mit mir und wir beginnen mit Dexter auf Netflix. Mein Wunsch. Der Mann ist nur mittelbegeistert. Wir haben definitiv unterschiedliche Serien- und Filmgeschmäcker. Während ich mich über Fargo, Big Lebowski und eben Dexter köstlich amüsieren kann, trifft das Absurde und Skurrile in keiner Weise den Humor des Mannes. Was er aber mäßig geschickt überspielt und mir zuliebe mitguckt. Ist wohl Liebe.

Jetzt sitzen wir hier, 21.37 Uhr, ich schreibe diesen Post für Frau Brüllens „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“ an jedem 5. eines Monats und halte damit einfach mal einen der umspektakulärsten Tage meines Lebens fest.

Muss auch mal sein.

 

Perspektive.

„Ich habe heute Adipositas.“

Eine liebe Freundin hat mir das neulich erzählt. Dass sie sich manchmal dick fühle. Und ich kenne das nur zu gut. Es gibt diese Tage im Zyklus, da verzweifelt man schier beim Blick in den Spiegel, weil man sich einfach nur dick fühlt. Adipöse Tage. Im doppelten Sinne.

Nun kann ich diese Tage bei mir nur erahnen, merke sie aber, wenn sie da sind (heute zum Beispiel) anhand des adipösen Grundgefühls.

Die Freundin sagte mir, sie schaue an sich herunter und denke „hey, alles ok“, schaue in den Spiegel und denke „hey, alles kacke“.

Ich denke darüber nach und merke, dass viele eine Frage des Blickwinkels, der Perspektive ist. Wie kann der gleiche Körper ok und nicht ok sein? Nur aufgrund des Blickwinkels. Ist es vielleicht sogar der Blickwinkel in unserem Kopf?

Es ändert nichts daran: heute habe ich Adipositas und hoffe, dass es morgen wieder besser aussieht. Oder übermorgen.

Bis dahin überlege ich mir mal, was ich mir heute zu Essen mache. Und handhabe die Spiegelsache einfach, wie ein Vampir.