Regeln.

Ich bin ein großer Fan von Regeln, wenn es um das Miteinander geht. Die Gesellschaft funktioniert nur dann, wenn es Grundsätze, Regeln, Gesetze gibt, an die sich alle halten. Das sind nicht nur Paragraphen, sondern eben auch gewisse Höflichkeitsformen, ein respektvolles Miteinander und das Achten der „Tanzbereichs“ des anderen.

Ich bin auch ein großer Fan von kleinen Grenzüberschreitungen. Manchmal muss man in einer Situation etwas beugen, um etwas Gutes zu bewirken. Manchmal braucht es einen kleinen Nonkonformismus, damit es weitergeht. Generell oder bei einem selbst.

Was mich jedoch kolossal stört, sind Menschen, die Regeln nur dann einhalten, wenn sie zu ihrem Vorteil sind – aber missachten, wenn damit einhergeht, dass sie auf einen persönlichen Vorteil verzichten müssen.

Das gibt es im Großen (Steuerhinterziehung) und im Kleinen (laut Musik hören nach 22 Uhr). Ob diese Regelüberschreitungen damit einhergehen, dass anderen damit ein Nachteil widerfährt oder man sich selbst gegenüber anderen übervorteilt, spielt dabei keine Rolle. Man nimmt sich mehr, als einem zusteht.

Wenn Regelverstöße toleriert werden von der Gesellschaft, dem Umfeld, beginnt beim Verursacher eine „ich komm damit durch“-Haltung. Bis hin zu einem Anspruch auf Recht durch Gewohnheit („Habe ich schon immer gemacht“ oder „Bis jetzt hat sich keiner beschwert“).

Schlimm wird es dann, wenn das Umfeld sehr wohl davon gestört wird und betroffen ist, aber eben gegenüber dem Verursacher schweigt, weil man nicht als Spielverderber, Spaßbremse, Spießer oder Korinthenkacker gelten möchte. Oder Angst vor Konfrontation hat. Noch schlimmer wird es, wenn der Verursacher von anderen Zuspruch bekommt, die ebenso handeln – und damit meint, eine gesellschaftliche Legitimation erhalten zu haben. Auch, wenn es die nur die eigene Filterblase ist.

Wenn dann noch eine provozierende Haltung hinzu kommt gegenüber denen, die sich beschweren und man sich extra falsch verhält, um „es denen zu zeigen“ oder weil man weder weiterdenken will/kann oder für sich selbst der Meinung sei, man sei im Recht auch wenn dieses eigentlich was anderes sagt , sind Probleme vorprogrammiert.

Diese Form des Unrechtsbewusstseins ist in meinen Augen ein Zeichen von so großem Egoismus, dass ich kotzen könnte.

Diese Haltung gibt es mittlerweile überall: Im Netz bei Diskussionen, bei denen man absichtlich gegen die Netiquette verstößt. Im Supermarkt, wenn man sich vordrängelt an der Kasse. Beim Finden eines Portemonaies, wenn man alles zurück gibt, außer dem Geld. Beim legalen „Steuersparen“ großer Firmen durch Ausnutzen von Schlupflöchern. Beim Vorfahrt nehmen im Straßenverkehr. Beim „keine Rücksicht nehmen“, wenn man zu laut und oft feiert. Im Stadion mit der Pyrotechnik. Beim Gassigehen, wenn man die Kacke vor dem Nachbarhaus liegen lässt. Ach, die Liste ist endlos.

Und alle wundern sich dann, wenn sie mal selbst betroffen sind, woher dieser Egoismus kommt. Warum mittlerweile so viele Menschen meinen, sich rücksichtslos und egoistisch verhalten zu können, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.

Mich ermüdet dieses Verhalten. Mich ermüden Menschen, die sich absichtlich so verhalten, dass sie anderen dauernd auf die Füße treten, wohlwissend, dass sie sich nicht regelkonform verhalten. Und noch mehr nerven mich diese Leute, wenn sie im Gegenzug auf die Einhaltung ihres Rechts pochen, wenn andere sich einen Vorteil verschaffen zu ihren Lasten.

Diese zwischenmenschliche Schizophrenie, diese Doppelmoral, diese Rücksichtslosigkeit, wird mehr. Und ich wünschte, man könnte sie mit der Nase in ihre eigenen Scheiße tunken.

Aber das wäre ja nicht regelkonform.

Advertisements

WMDEDGT

Frau Brüllen fragt mal wieder am 5. des Monats: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ Und ich antworte mit diesem Blogpost.

Gegen 7 Uhr
Aufwachen mit Schmerzen in der Schulter. Wie wunderbar das doch sein kann – nicht. Vor zwei Wochen habe ich mir wohl eine Blockade in der ersten Rippe eingefangen, die sich auch hartnäckig hielt, bis ich sie mit Nordic Walking lösen konnte. Der Schmerz hallt aber noch ordentlich nach. Erstmal Kaffee und Timeline lesen.

Gegen 7.30 Uhr.
Telefonat mit dem Mann. Wir telefonieren ungefähr drei Mal am Tag, wenn einer oder beide von uns außer Haus ist. Seit 15 Jahren. Danach geht es ins Büro rüber.

Gegen 8 Uhr.
Ich habe die ersten Mails abgefrühstückt und fange den ersten Auftrag an. Das dauert ein bisschen und fordert mir meine ganze Motivation ab, weil es um Messestände geht und ich zwei Dinge wirklich hasse: Messestände und Beschriftungen.

Gegen 9 Uhr.
Ich frage mich beim Blick auf das Pillendöschen, warum der Mittwoch schon leer ist und wann zur Hölle ich heute die Blutdrucktabletten genommen habe. Es dauert fünf Minuten (so lange der zweite Kaffee braucht), bis ich merke, dass Donnerstag ist und ich meine Tabletten noch gar nicht genommen habe. Diese Feiertage bekommen mir nicht. Oder ich brauche noch zusätzlich andere Tabletten…

Gegen 10 Uhr.
Ich schicke das Layout an den Kunden. Zeit für Frühstück (ein Stück Hefezopf mit Salami, ja, genau, Salami auf süß) und einen dritten Kaffee. Zeit für ein paar Tweets und ein paar blöde Kommentare.

Gegen 10.30 Uhr.
Ich schaue eine Instagram-Story und möchte die Urheberin anrufen. In dem Moment kommt eine Nachricht von ihr – hell yeah! Gedankenübertragung? Ich rufe sie an. Wir quatschen zu lange und über den Job und das, was bei ihr so alles passiert ist und ich bereite dabei mein Mittagessen vor. Ich schnibble also Zwiebeln, Knoblauch, Hähnchen, würfle Süßkartoffeln und hole Erbsen aus dem Keller während sie ein Brot backt und wir darüber reden, dass wir unseren Job ja eigentlich sehr mögen, aber es auch Alternativen gäbe, die uns Spaß machen würden. Brot backen zum Beispiel.

Gegen 11.30 Uhr.
Ich hab das Essen fertig, aber noch keinen Hunger. Also setze ich mich lieber wieder an den Schreibtisch und bearbeite den nächsten Auftrag. Heute zieht es sich gewaltig.

Gegen 13 Uhr.
Kunde hat das überarbeitete Layout bekommen, anderer Kunde eine langsam drängende Mail, in der ich um Rückmeldung bitte. Seit vier Wochen warte ich auf Feedback, damit wir weitermachen können. Der Abgabetermin ist in zwei Wochen. Der Dienstleister für den einen Auftrag meldet sich endlich und entschuldigt sich für die falschen Maße, die er mir geschickt hat und auf die ich ebenfalls schon vier Wochen warte… Erstmal Mittag essen.

Gegen 13.30 Uhr.
Mittag gegessen (es gab ein Hühnchencurry Freestyle – also alles mögliche rein und möglichst scharf), dazu ein Yogitee. Mir fällt ein, dass heute WMDEDGT ist und fange den Blogpost an.

Gegen 14 Uhr.
Telefonat mit dem Mann. Wir planen, was wir alles machten, gewännten wir im Lotto. Und ich überlege, ob „gewännten“ wirklich ein korrekter Konjunktiv ist.

Gegen 14.30 Uhr.
Da ich irgendwie genervt bin, weil ich keine Rückmeldungen bekomme und meine Schulter weh tut und morgen Grünabfall ist, wird ein Gartenbeschluss gefasst. Ich ziehe mir die Schmuddelhose an und gehe nach draußen, um ein bisschen zu räumen.

Gegen 17 Uhr.
Zwoeinhalb Stunden später ist der riesige Haufen Astwerk zerkleinert und in Grünabfallsäcke verpackt. Ein paar Zweige sind gestutzt und der Rosmarin beschnitten. Alle Säcke sind an der Straße zur Abholung – zusammen mit den Unmengen anderem Grünabfall und -schnitt aus unserer Gartenanlage. Der Kompost ist leer und umgesetzt, weil wir die Hälfte unserer Gartens (ca. 120 qm) an Nachbarn abgegeben haben und der zweite Kompost noch auf der anderen Seite stand. Was jetzt nicht so dramatisch ist, aber ich möchte das jetzt alles mal fertig bekommen. Der Zaun zum anderen Nachbarn hat durch den Sturm und die umgelegten Bäume so stark gelitten, dass er wohl unrettbar kaputt ist. Mal schauen, was wir uns da einfallen lassen. Bei der Gartenarbeit führe ich zwei Telefonate mit Kunden und freu mich, dass mein Job mir sowas erlaubt. Ich geh rein und duschen. Der Wind war so kalt, dass ich merke, dass ich ordentlich durchgefroren bin. Trotz Fließpulli und Windbreaker.

Gegen 17.30 Uhr.
Der Mann kommt nach Hause und öffnet die Pakete, die gekommen sind. Eine Sporthose ist für mich dabei in – jaaaa – meiner Logofarbe :D Ein bisschen Branding in eigener Sache auch beim Yoga darf schon sein. Ich mach ein bisschen Haushalt, fütter die Katzen und verzieh ich – nach dem Mailchecken – auf die Couch.

Gegen 18 Uhr.
Der Mann bietet mir Rotwein an. Ich lehne ab und beschließe, mir gleich ein Bier statt dessen zu nehmen. Wein macht mir in letzter Zeit immer öfter Sodbrennen. Oder Kopfschmerzen. Und, nein, es liegt nicht an der Menge. Ich schreibe diesen Post weiter.

Gegen 18.15 Uhr.
Ich onlineshoppe. Ich hasse generell shoppen. Shoppen ist wie Folter. Enge Kabinen, blödes Licht, dicht gestellte Kleiderständer, warm, kalt, warm, kalt, man schwitzt, doofe Spiegel, vor der Kabine nerven die anderen Kunden oder die Verkäufer*innen. Zuhause kann ich wenigstens in Ruhe anprobieren und niemand fragt, mich „Uuuuund? Wie siehts aus? Passt es? Zeigen sie doch mal…“

Gegen 19 Uhr.
Ich gebe das Onlineshoppen auf, weil der Gutschein nur für den Mann gilt. Also übernimmt er meine Beachkleider in seinen Warenkorb per Eingabe aller Artikelnummern und bestellt für mich. Eigentlich bestellt er fast immer für mich die Klamotten. Weil siehe oben. Ich verlinke den Beitrag jetzt bei Frau Brüllen.

Gegen 20 Uhr.
Ich habe eine Wirbelblockade. In der Brustwirbelsäule. Es tut verdammt weh und ich habe gerade alle Übungen gemacht, die ich kenne, um die Blockade zu lösen. Ohne Erfolg. Dafür ist der Rest des Körpers jetzt yogisch relaxt. Warte ich eben die Nacht ab – zur Not muss ich zur Chiropraktikerin. Jetzt ess ich noch ein Salamibrot (jahaaa, wie heute morgen) und hau mich mit dem Mann auf die Couch zum Film gucken. Es gibt „Black Hat“. Die Katze hat sich zu mir gekuschelt unter die Decke und ich hoffe auf eine Blockadenlösung heute im Schlaf.

Yoga.

Nie gedacht, doch passiert: Yoga beschäftigt mich nachhaltig.

Seit langer Zeit höre ich immer wieder von Leuten, die es gut mit meinem Körper meinen, dass Yoga genau das richtige für mich sei. Für mehr Flexibilität, für mehr Faszienverklebungen lösen, für mehr Entspannung, für mehr auf mich selbst hören.

Es musste erst einiges passieren (Internetrecherche, Gespräche mit Yogapraktizierenden, Ermahnungen von Masseuren und Ratschläge von Orthopäden), bis ich meine persönliche Kopfsperre überwunden hatte und mich für einen Einführungskurs anmeldete. Das war letzten Herbst.

An zwei Wochenenden durfte ich für jeweils drei Stunden in eine von vielen Yogawelten eintauchen, die Kobra und den herabschauenden Hund kennenlernen, viel über Achtsamkeit lernen und auf den Geschmack von Yogitee kommen. Ich ging mit der Grundeinstellung dorthin, mich einfach auf alles einzulassen. Meine ausgeprägte Skepsis in Bezug auf alles neue oder ansatzweise dogmatisch-religiöse zu ignorieren und einfach mal zu schauen, was da passiert.

Meine Yogalehrerin an diesen Wochenenden war eine unglaublich positive, ruhige und entspannte Frau, die das seit vielen Jahrzehnten praktiziert – und uns den Leistungsgedanken nahm, den Druck und die Angst vor Dogmatismus.

Ich merkte, wie gut mir das tat und meldete und für den Anfängerkurs an.

Der ist nun vorbei. Zwei Monate Anfängerkurs Yoga, viele Asanas, viel Pranayama und ab und zu eine Klangschale. Viele Yogitees, viele körperliche Grenzen und ein bisschen Yogatheorie später merke ich, dass mich Yoga sehr beschäftigt.

  • Yoga zeigt mir, wie mein Körper technisch funktioniert
  • Yoga zeigt mir, wie ich meinen Körper funktionieren lassen kann
  • Yoga zeigt mir, wie viel ich mit Atmung und Achtsamkeit erreichen kann
  • Yoga macht mich geistig und körperlich flexibler
  • Yoga bringt mich dazu, im Alltag über Körperhaltung nachzudenken
  • Yoga hilft mir, mich selbst zu beobachten und Fehlhaltungen zu erkennen
  • Yoga hilft mir, gelassener zu sein
  • Yoga hilft mir, weniger Schmerzen zu haben
  • Yoga bringt mich dazu, über Yoga nachzudenken

Yoga macht noch viel mehr mit mir. Aber ich bin noch am Anfang und genieße es gerade sehr, wie gut es mir tut.

Unsere Yogalehrerin war jung, entspannt und „yogisch“. Auch sie hat uns immer wieder den Leistungsgedanken im Keim erstickt und so jedem innerhalb seiner Möglichkeiten Yoga nahe gebracht.

Wir haben im Anfängerkurs viel gelacht, viel geseufzt und geknackt. Und ich hoffe, dass wir den ein oder anderen dort beim nächsten Kurs wiedersehen werden.

 

Gleiche Leistung…

…dreifacher Preis.

Wenn man ein Hotelzimmer buchen möchte und feststellt, dass das gleiche Zimmer mit den gleichen Leistungen an einem Tag 89 Euro pro Übernachtung und eine Woche später 289 Euro pro Übernachtung kostet – nur weil z.B. eine Veranstaltung in der Stadt ist – dann frage ich mich schon, welche vergoldete Zusatzleistung das Hotel bietet, um für die verkackte gleiche Leistung 200 Euro mehr zu verlangen.

Was ist denn das für eine Kalkulation? Und jetzt kommt mir nicht mit „Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis“, wenn das Hotel auch sonst ausgebucht ist… Denn die Leistung ist die gleiche und hat nichts mit dem zu tun, was drumherum passiert. Die zahlen mir ja auch nichts zurück, wenn der Aufenthalt pullelangweilig war und nicht los in der City.

Ein Unterschied von 200 Euro finde ich, dezent gesagt, unverschämt.

Ach.

Nachdem der Mann vorletzte Woche krank zuhause und ich seit November ohne Infekt ausgekommen war, fühlte ich mich ziemlich unsterblich (naja, unansteckbar) – bis zum Freitag. Da bekam ich Halskratzen.

Das Halskratzen steigerte sich zu Halsschmerzen, bekam Gesellschaft von Sinusitis und Kopfschmerzen und ließ mich dann ab letzter Woche Mittwoch die Reißleine ziehen. Ich sagte allen Kunden ab und legte mich hin.

Am Donnerstag ging ich zum Arzt, bekam die momentane Standarddiagnose gestellt (grippaler Infekt) und „was für die Ohren“, weil die schon etwas weh taten.

Zuhause angekommen entpuppte sich das Mittel als Homöopathie. Ok, dachte ich, schadet ja zum Glück auch nicht. Warten wir mal ab, wenn die Ärztin meint, es reiche, einen Placebo zu nehmen.

Ab Freitag Abend bekam ich dann Druck auf dem linken Ohr. Samstag kam mehr Druck und Knacken dazu. Sonntag Rauschen und beim Naseputzen ein Tröten. Schmerzen.

Heute wieder zum Arzt. Die andere Ärztin schaut mir in die Ohren und stellt die Diagnose: beidseitige Mittelohrentzündung.

Ich habe jetzt eine Antibiose gewonnen. Amoxillin, 1000 mg. Direkt die hohe Dosis.

Und wer mir jetzt erzählt, das sei die „Erstverschlimmerung“ und die Homöopathie sei genauso wirksam, der darf sich gern meine Ohrenschmerzen und das schlechte Gehör abholen.

Unausweichlich.

Es gab in den vergangenen zehn Jahren nicht ein Jahr, in dem wir nicht auf mindestens einer Beerdigung waren, jemanden verloren haben. Es gab Jahre, da waren wir auf zwei, drei Beerdigungen. Und trafen oft die gleichen Leute. Scherzten, dass man sich ab jetzt nur noch bei diesen Anlässen sehen würde und lieber mal wieder ein Bier zusammen trinken müsste.

Wir verloren Vater, Onkel, Freunde, Kollegen, Nachbarn. Wir gingen zu Beisetzungen in Wände, in Böden, mit Gedenktafel und anonym. Die meisten von ihnen starben plötzlich, jung, mitten im Leben. Nur zwei starben alt, über 80. Aber auch diese beiden an Krankheit.

Einige fielen einfach um, mit Anfang 50. Einige starben nach heftiger Krankheit. Einige nahmen sich das leben oder verunfallten.

Was alle gemeinsam haben, ist das Loch, das sie bei uns hinterlassen haben. Ein Loch, das sich nie ganz schließen wird und auch nicht soll. Sie hinterlassen Erinnerungen an gemeinsame Zeiten, an Begebenheit, an Marotten.

Die Lache des einen Kollegen, das gemeinsame Schalkegejammer mit dem anderen. Die „Gartengrüße“ des Nachbarn aus seinem Gemüsebeet, die für sein gesundes und langes Leben verantwortlich seien. Die Erinnerung an gemeinsame Essen im Lieblingsrestaurant, an kleine Neckereien, an gemeinsame Hochzeitsfeiern und Geburtstage. An das Treffen auf dem Weihnachtsmarkt. An das Schmunzeln, an das Sterben. Und die Erinnerung daran, dass man sein Leben leben muss, dass es jederzeit vorbei sein kann – auch wenn man noch so viele  Pläne hatte, so viel machen wollte.

Wir sind gerade wieder an einem Punkt, an dem wir uns entscheiden müssen, ob wir neue Erinnerungen schaffen wollen für uns und damit davon ausgehen, dass es bald nur noch diese geben wird. Oder ob wir so tun, als ob wir alle ewig leben und damit beschließen, dass für ein Treffen noch viel Zeit bleibt.

Es ist ein bisschen das Schwanken zwischen zwei Welten. Aufgeben oder kämpfen, akzeptieren oder leugnen, Optimismus oder Pessimismus.

Schrödingers Leben. Man ist nicht lebendig, aber auch nicht tot.

Vielleicht gehen wir falsch an die Sache heran. Vielleicht ist auch der Blick auf den Tod nichts, was negativ sein muss, wenn man sich erstmal klar macht, dass es jeden jederzeit treffen kann. Und damit meine ich nicht den Kopf, sondern das Herz fürs Verstehen.

Vielleicht haben wir verlernt, den Tod als das zu akzeptieren, was es ist, ein Teil des Lebens. Jeden Tag. Früher lagen die Menschen im Sarg zur Probe, um zu schauen, ob er passt. Man ließ ihn zu Lebzeiten herstellen und bewahrte ihn auf. Man hatte seine eigene Vergänglichkeit vor Augen und lebte damit. In unserer heutigen Zeit ist das Probeliegen im Sarg ein bisschen das moderne Vorsorgen „für den Fall“: Patientenverfügung, Vollmachten, Testament, Organspendeausweis.

Wir verwalten den Tod, wir erleben ihn nicht mehr.

Und manchmal denke ich, dass es uns dewegen so erschlägt, wenn jemand dann wirklich stirbt und wir mit dem konfrontiert werden, was wir durch Healthy Living, Cleaneating, Sport und Darmspiegelung zu vermeiden suchen. Wir leben so, als ob wir nicht mehr sterben können. Jeden Tag. Außer diejenigen, die wissen, dass sie dem Sterben näher sind, als andere.

Seit zwei Jahren kämpft eine Freundin mit dem Krebs und hat vor zwei Wochen keine positiven Nachrichten bekommen. Seit einem Jahr warte ich täglich auf den Anruf, dass meine Tante gestorben ist. Und ihr Mann. Dass der älteste Freund der Schwiegermutter nicht mehr lebt.

Mich ärgert, dass ich trotzdem so viel Angst vor dem Leben habe und dem, was kommt.

 

WMDEDGT

Heute ist der 5. Und wie immer fragt Frau Brüllen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“

Da heute Tag zum Wegwerfen war – oder eben einer, an dem mir so viel passiert ist, was andere nicht an drei Tagen erleben – mach ich mal wieder mit.

5.45 Uhr.
Der Mann ist schon weg. K1 und K2* sind mit dem Futter nicht zufrieden und kloppen sich lautstark vor meinem Bett. Dann kann ich ja auch gleich aufstehen. Erstmal Kaffee. Beim Weg in die Küche finde ich Katzenkotze. Was für ein Start in den Tag.

6 Uhr.
Ich sitze am Rechner mit dem ersten Kaffee. Internet leerlesen und Mails abrufen. Jaaa! Sie funktionieren! Nachdem ich am letzten Freitag einer Spamattacke ausgesetzt war, freu ich mich jetzt darüber, dass die Mails wieder laufen, ich meine neuen Postfächer korrekt eingerichtet habe und scheinbar keine Mails verloren gegangen sind.

6.15 Uhr.
Mit halboffenen Augen ändere ich die Größen von Anzeigen, die die PR-Agentur mir falsch mitgeteilt hat. Weil es zeitlich eng wird mit der Deadline, bin ich froh, dass die Mail nicht verloren gegangen ist.

7 Uhr.
Erstmal Rechnungen schreiben und Blutdruckmittel nehmen. Und, nein, kein kausaler Zusammenhang.

8 bis 10 Uhr.
Ich pröddel so vor mich hin. Erledige einige Kleinaufträge, mache Buchhaltung und kämpfe gegen leichtes Bauchgrummeln an. Das habe ich seit gestern Abend und fürchte, ich habe einen leichten Magen-Darm-Virus.

11 Uhr.
Pause. Ich räume ein bisschen die Wohnung auf. Und finde zwei Plätzchendosen mit Weihnachtsrestplätzchen von der Schwiegermutter. Ich esse eins – und erstarre: irgendwas hartes! Ich spucke den Brei aus und finde einen kleinen Glassplitter von ca. 2 mm Länge. Als lupenreiner Hypochonder geht das Kopfkino los: Habe ich schon Glassplitter verschluckt? Habe ich womöglich meine Speiseröhre aufgeschlitzt? Meinen Magen perforiert? Innere Blutungen? Drama! Ich versuche zu erbrechen und scheitere. Ich kann das einfach nicht mit dem Finger im Hals. Kurz überlege ich, mein Testament zu machen und mich niederzulegen zum Sterben. Statt dessen frage ich Dr. Google.

12 Uhr.
Dr. Google sagt, dass so kleine Splitter eigentlich nichts machen und so lange ich kein Blut spucke, Schmerzen bekomme oder mir schlecht/schwindelig würde, soll ich mich mal entspannen. Ja, ist ja genau meine Baustelle… Um mein Trauma zu verarbeiten, erzähl ich der Welt über Instastories von meinen Tagesdramen. Reden soll ja helfen. Bei mir bewirkt es vor allem, dass ich die ganze Zeit überlege, ob ich nicht doch da irgendwo Schmerzen bekomme. Oder ist mir nicht irgendwie schwindelig? Vielleicht hilft Essen. Ich koche mir also Kartoffeln zum Erbspürree.

13 Uhr.
Ich muss noch ein bisschen weiterarbeiten und führe ein paar Telefonate, schreibe Mails und bastel an zwei, drei Aufrägen rum.

14.45 Uhr.
Ich fahre Katzenfutter holen. Schließlich sollen die Katzen auch weiterhin Munition für ihre Kotzangriffe haben. Im Anschluss fahre ich den Mann von der Arbeit abholen.

15.30 Uhr.
Ich hole den Mann ab und wir fahren nach Sulzbach. Da ist ein Gastrobedarf und die führen die Wunschteller vom Mann. Der sucht seit Wochen nach den perfekten, schwarzen, großen, matten Tellern. Jetzt hat er die, die er gut findet. Da es aber eine Marke ist, die Restaurants ausstattet und nicht den Privathaushalt, geht es nur über den Gastrobedarf. Oder online.

16 Uhr.
Wir finden die richtigen Teller, geben unseren Auftrag auf, alle glücklich.

16.30 Uhr.
Ich möchte bar zahlen und fahre zur Bank. Karte in den Geldautomaten, PIN, Betrag eingeben, auszahlen, Geld entnehmen, Geld entnehmen, Geld entnehmen, GELD ENTNEHMEN! Geht nicht. Der Automat öffnet einfach nicht das Geldfach und plötzlich steht da, dass das Geld aus technischen Gründen nicht ausgezahlt werden kann. Ich bin ja eher der Zocker, also das gleiche nochmal, dieses Mal mit Erfolg. Beim Blick auf den Kontostand dann aber eher so miese Laune. Denn beide Beträge wurden abgebucht… Ich bekomme schlechte Laune und versuche, die Hotline anzurufen. Erfolglos.

17 Uhr.
Während wir die Teller zahlen, erreiche ich endlich die Hotline. Man sagt mir, ich müsse entweder in der Filiale Bescheid sagen (haha, die ist umgezogen) oder einen Auftrag über meine Hausbank aufgeben.

17.30 Uhr.
Wir fahren zur umgezogenen Filiale. Der nette Jungspund in der Filiale erklärt erstmal freimütig, dass das eine längerfristige Sache wird, weil „Service sei nicht seine Kernkompetenz“. Mir schwant, er meint eher die technische Kundenberatung und nicht den Kundenservice. Er füllt gewissenhaft ein Formular aus, lässt sich von Kollegen noch beraten und verspricht zuversichtlich, dass das bald geregelt sein würde.

18 Uhr.
Wir sind auf dem Rückweg. Ich stelle fest, dass ich wenigstens kurzzeitig vergessen hatte, dass ich ja innerlich verblute und eine geöffnete Speiseröhre habe, bin mir aber kurz darauf wieder sicher, dass es da sicher irgendwo zwickt. Und darüber hinaus fehlen mir 300 Euro. Dafür freut sich der Mann über sein verfrühtes Geburtstagsgeschenk.

18.15 Uhr.
Wir sind zuhause, schaffen Platz in den Küchenschränken in dem wir umräumen und beschließen dann, erstmal was zu essen. Da wir beide mittags schon warm gegessen haben, gibt es Salzbrezn und Spundekäs. Ich kipp einen Schnappes und ruf meine Mutter an. Mitleid ist sooooo wichtig.

18.45 Uhr.
Meine Mutter hat mir sämtliche hypochondrischen Anfälle meines Vaters erzählt und meinte, der Schnaps würde wenigstens desinfizieren. Praktisch denken kann sie ja. Es muntert mich aber nur bedingt auf. Brennt der Schnaps nicht irgendwie an der Stelle, an der sicherlich das Loch in der Speiseröhre ist…? Derweil verräumt der Mann seine neuen Teller.

19 Uhr.
Wir sitzen auf der Couch und reden über das, was wir am Wochenende für Freunde kochen, die zu Besuch kommen. Es wird wohl was mit Terrine und Salat als Vorspeise werden, Dreierlei vom Schwein (Filet sous vide gegart, Bäckchen geschmort und Speckstreifen) als Hauptgericht und zum Dessert Schokoladenmousse, Lavendeleis und was mit Limettenshot. Oder so.

20 Uhr.
Nachrichten, Blogbeitrag schreiben, Rezepte wälzen. Nebenher läuft TV, was keiner von uns wirklich guckt. Wir diskutieren weiter über das Samstagabendmenü und verzweifeln.

20.40 Uhr.
Ich höre auf zu schreiben und gehe wohl gegen 21.15 Uhr ins Bett. Ich bin müde und muss mich außerdem von meinen inneren Verletzungen auskurieren.
*Katze 1 und Kater 2

Aber was ist mit Chips…?

Wenn der Kardiologe und Internist ein sehr gründlicher ist und man zudem noch das Glück hat, Privatpatient zu sein (und ja, ich könnte jetzt darüber schreiben, dass ich es generell eher schlimm finde, dass es diese Zweiklassenmedizin gibt und gesetzlich Versicherte eher schwer haben, solche gründlichen Untersuchungen zu bekommen, weil die Krankenkassen mit ihrem Abrechnungssystem unsere Ärzte zu weniger sozialem und mehr gewinnorientiertem Arbeiten zwingen – mach ich aber nicht, weil es hier jetzt um was anderes geht), dann kann es auch mal sein, dass sein Ehrgeiz geweckt wird, wenn man mit allen möglichen Beschwerden zu ihm kommt, denen sonst keiner auf die Spur gekommen ist.

In meinem Fall hieß das: Müdigkeit, Leistungsabfall, Atemlosigkeit, Gereiztheit, innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Erschöpfung, schlechtes Hautbild, Verdauungsstörungen, Blähbauch, Bauchschmerzen, Gewichtszunahme, Migräne/Kopfschmerzen, Verspannungen, verstopfte Nase, Schwindel, geschwächtes Immunsystem und daduch dauernde Erkältung, Sinusitis und Co.

Man machte Blutuntersuchungen, Ultraschall aller Organe, MRT der Hals- und Brustwirbelsäule, CT des Kopfes, Stuhluntersuchung, Abhören, Allergietests etc.

Laut Blutuntersuchung war ich gesund. Alle Organwerte super. Der Allergietest (auf der Haut und drei zusätzliche Werte über Blut) war negativ. Mein IgG-Wert sei im Normbereich. Alles sähe gut aus. Vielleicht mal eine Immunaufbaukur? Und bitte weniger Stress. Eine Ernährungsumstellung bittesehr.

Wer sich erinnert: Stress war ein Hauptbegleiter dieses Jahres. Den sollte ich also reduzieren? Ok. Fing ich damit eben an. Kürzer treten, mehr auf mich hören, Abendrituale zum Einschlafen, neue Matratze, Yoga-Einführungskurs, regelmäßige Bewegung an der Luft.

Ich bekam Nahrungsergänzungsmittel zum Immunaufbau und Darmflorazeug, Vitamin B-Komplex und Spurenelemente. Meine Ärztin empfahl, eine proteinreichere Ernährung. Also begann ich den Tag mit Müsli mit Quark und einem Löffel Honig und trank abends einen Eiweißshake. Die Bewegung fiel mir schwer: Atemlosigkeit und null Leistungsfähigkeit sind keine guten Motivatoren. Ich konnte nicht mal mehr in den ersten Stock die Treppe steigen, ohne zu japsen.

Es ging mir schlecht.

Im November reichte es mir: ich ging zum Kardiologen. Seine Blutuntersuchungen sind etwas umfangreicher. Die Auswertung umfasst nicht nur die Standards, sondern quasi jeden Pups. Er schallte die Organe nochmal: alles ok, nur die Schilddrüse hat einige Knötchen. Er machte ein Herzultraschall (alles ok), einen Leistungs-EKG (oh, nicht so gut). Ich bekam ein 24-h-EKG und -Blutdruckmessgerät. Die Auswertung beider Untersuchungen gab den Aha-Effekt.

Bluthochdruck. Mein Durchschnittswert lag bei 133/106. Auch nachts ging der diastolische Wert nicht unter 90.

Zum Vergleich: Als Normbereich gilt 120–129 / 80–84.
Als Optimalbereich 105–119 / 65–79.

Er war überrascht, dass ich noch schlafen konnte. Wunderte sich nicht mehr über den Leistungsabfall und verordnete Blutdrucksenker. Baustelle 1.

Baustelle 2 war da mysteriöser: mein IgG-Wert (Antikörper im Blut) war um das 13-fache erhöht. Der Wert, der einige Monate vorher noch in Ordnung war. Sein Verdacht: Nahrungsmittel. Es gab also einen weiteren Test. Und der gab den zweiten Aha-Effekt: Ich reagiere auf Zwiebeln, Honig, schwarzen Pfeffer, Feigen, Kuhmilch – und Hefe.

Ich habe also bei meiner Ernährungsumstellung genau das gemacht, was mir nicht geholfen hat: Milchprodukte vermehrt konsumiert. Dazu Honig. Den Rest konsumiere ich quasi täglich. Jetzt folgt also eine Zeit der Elimination. 5 Wochen darf ich diese Lebensmittel nicht zu mir nehmen. Klingt erstmal einfach. Bei näherem Hinsehen ist es aber schwieriger, als man denkt, denn es fallen viele Dinge weg, die ich sonst gedankenlos konsumiere: viele Brotsorten, Gebäck, Kuhmilch-Käse, Quark, Joghurt, Butter, Alkohol, quasi alle Fertigprodukte von Chips bis Brühe, Brotaufstriche, Schokolade und viele Süßigkeiten, Gewürzmischungen, Proteinshakes.

Ziel des Verzichts ist es, in den 5 Wochen die körpereigenen Reaktionen auf diese Stoffe auf ein Normalmaß zurückzufahren. Dann folgt die Provokation: ein Lebensmittel pro Woche wird an einem Tag vermehrt hinzugefügt und der Körper beobachtet, ob er noch darauf reagiert. Wenn nicht, darf das Lebensmittel wieder konsumiert werden. Reagiert er in den Tagen nach der Einnahme des Lebensmittels, muss das Lebensmittel ein Jahr lang gemieden werden und dann eine erneute Provokationsphase gemacht werden.

Ich habe den endgültigen Start der Eliminationsphase jetzt auf Montag verschoben. Aus ganz egoistischen Gründen: ich habe Sonntag Geburtstag. Und da möchte ich nicht auf Kuchen, Essen gehen, ausgiebiges auswärtiges Frühstück, Nascherei, Sekt und Co. verzichten. Bis dahin reduzier ich aber schon mal, soweit es geht. Und das ist nicht leicht: Kaffee ohne Kuhmilch bedeutete heute Morgen schon eine Testphase, welcher Ersatz sich aufschäumen lässt (Mandelmilch nicht, aber Sojamilch). Als Knabberzeug taugt wohl nur selbstgemachtes Popcorn, denn Chips sind raus, Schokolade auch. Zum Frühstück muss ich nun Mandelmilch und Ahornsirup für mein Müsli nehmen. Ok, geschenkt. Aber wie zum Teufel macht man Risotto ohne Zwiebeln, Butter, Sahne und Parmesan? Ach, verdammt.

Nehmen wir es positiv: ich bin letzte Woche erstmalig wieder Nordic Walken gewesen, ohne dass mir die Puste ausging oder ich nach 400 Metern eine Pause brauchte. Ich war sogar vier Mal laufen. Ohne Probleme. Ok, bis auf die muskulären, die mir zeigen, dass ich nicht mehr fit bin. Aber jetzt habe ich eine Chance, das in Angriff zu nehmen.

Und wer weiß: wenn mir die Elimination einiger Lebensmittel dabei hilft, meinen Körper auch sonst wieder in Ordnung zu bringen, bin ich vielleicht im Sommer in der Form meines Lebens…

Warum ich hier so offen und deutlich über mein Krankheitsbild schreibe? Ganz einfach: weil ich nicht allein bin. Weil ich hoffe, dass der ein oder andere, der sich seine Symptome nicht erklären kann, einfach auch mal gründlicher checken lässt. Vielleicht mal das Thema „Bluthochdruck“ ins Auge fasst oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Ebenso, wie bei dem Brustkrebsverdacht im Mai diesen Jahres, möchte ich mit meiner Geschichte zur Aufklärung beitragen und animieren, dass andere vielleicht rechtzeitig zur Vorsorge gehen. Vielleicht auch mal diese Themen ansprechen und zum Facharzt gehen. Denn der Hausarzt ist manchmal nicht geschult genug, um einige Dinge zu erkennen. Oder er ist (damit wären wir wieder bei unserem Gesundheitssystem) einfach zu gestresst, weil er aus Fließbandbehandlungsdruck nicht mehr genug auf den einzelnen Patienten achten kann oder sein Budget nicht mehr für eine kostenintensivere Untersuchung reicht zum Ende des Quartals.

Ich hoffe jedenfalls, dass bei mir damit jetzt einiges geklärt wurde und meine Odyssee ein Ende hat.

Jahresrückblick.

Der letzte in dieser Form ist lange her. Der letzte in Kurzform auch schon verjährt. Zeit für einen neuen.

Zugenommen oder abgenommen?
Erst 6 Kilo zugenommen dank Ernährungsumstellung. Dann die Zunahme wieder abgenommen, dank Ernährungsumstellung. Dann das Gewicht gehalten. Also ich schließe das Jahr mit +/- 0.

Haare länger oder kürzer?

Erst länger, dann kürzer, dann länger, dann kürzer. Auch hier: +/- 0.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Die Werte sind gleichgeblieben. Was sich geändert hat, ist die Hornhautverkrümmung. Was mir eine wunderbare neue Brille eingebracht hat <3

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger. Je älter ich werde, desto weniger brauche ich. Und ich hasse shoppen.

Der hirnrissigste Plan?
Zu glauben, dass es nur an meiner Motivation läge und einfach weiterzumachen.

Die gefährlichste Unternehmung?
Den Anweisungen der Verkehrswacht auf der Autobahn zu folgen.

Der beste Sex?
Mit meinem Mann.

Die teuerste Anschaffung?
Meine Brille.

Das leckerste Essen?
Kocht immer noch mein Mann.

Urlaub?
Ein wunderbarer Kurztrip nach Barcelona. Und ein abgesagter Urlaub in Österreich.

Das schönste Konzert?
Ein bisschen das Pet Shop Boys Konzert in Mainz. Weil es die Erfüllung eines Jugendtraums war, aber auch, weil es mir viel Kraft gegeben hat für die zweite Brustbiopsie am nächsten Tag. Dicht gefolgt von den Simple Minds, Depeche Mode, Coldplay. Enttäuschend fand ich Selig. Nicht wegen Selig, sondern wegen der Akkustik in der Batschkapp.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Grübeln.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Meinem Mann.

Vorherrschendes Gefühl 2017?
Erschöpfung.

2017 zum ersten Mal getan?
Eine Brustbiopsie machen lassen.

2017 nach langer Zeit wieder getan?
Mut geschöpft.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

  • den Tod einer Freundin
  • Brustkrebsverdacht
  • Bluthochdruck

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Nicht aufzugeben.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Zuzuhören.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Zuzuhören.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Es ist kein Krebs.

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Es ist kein Krebs.

Gibt es etwas, was du jemandem gern gesagt hättest?
Vieles, vielen: Du bist schöner, als du denkst. Glaub an dich. Bildung ≠ Intelligenz. Hochmut kommt vor dem Fall und mit Überheblichkeit, Besserwisserei und Klugscheißerei weiß man nicht automatisch auch alles besser. Komm aus deiner Filterblase. Selbstreflexion funktioniert nur, wenn man ehrlich zu sich selbst ist. Lästern macht hässlich. Nimm dich nicht so wichtig. Nimm dich selbst ernst. Hör auf dein Gefühl. Zieh da endlich weg. Familie kann auch selbstgewählt sein. Du liegst falsch. Du musst nicht immer laut sein, um dir Gehör zu verschaffen. Mein Schweigen ist keine Zustimmung. Wenn du wüsstest.

2017 war mit einem Wort…?
Kräftezehrend.